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Irak : Zweifrontenkrieg gegen die Islamisten

Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien

Auch dort erlitten sie zuletzt einen Rückschlag: Am Wochenende starb der Dschihadistenführer Madschid al Madschid in einem libanesischen Gefängnis mutmaßlich an den Folgen von Folter. Der Chef der „Abdullah-Azzam-Brigade“ war festgenommen worden, als er zum Jahreswechsel von Syrien in den Libanon zurückgekehrt war. Er hatte nahe Damaskus eine Zusammenarbeit mit den in Syrien operierenden Dschihadisten der „Nusra Front“ vereinbart. Madschids „Abdullah-Azzam-Brigade“, die nach dem Mentor des Al-Qaida-Gründers Usama bin Ladin benannt ist, steckt hinter dem Anschlag vom 2. Januar auf Gebäude in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Zentrale der schiitischen Hizbullah-Miliz in Beirut. Über Madschid al Madschid und seine Kämpfer hätte die „Nusra Front“ einen Ableger im Süden des Libanon gehabt.

Der Führer des „Islamischen Staats“, Abu Bakr al Baghdadi, hat gefährliche Weggefährten. Einer von ihnen ist, der frühere Chemiewaffenfachmann der irakischen Armee. Er soll sich im Damaszener Vorort Ghouta aufhalten, wie der amerikanische Journalist Seymour Hersh unter Berufung auf amerikanische Geheimdiensterkenntnisse vom Sommer 2013 berichtete. Insbesondere private Geldgeber aus den Golfstaaten finanzieren die Dschihadisten. Die Zeitung „New York Times“ hatte im November aus Kuweit berichtet, dass dort Geld gesammelt und mittels Kurieren nach Syrien gebracht wird. Die befragten Geldgeber rechtfertigten ihr Handeln damit, dass Gruppen wie die „Nusra-Front“ die effizientesten Krieger unter Waffen hätten.

Das Verhältnis des „Islamischen Staats“ zu Al-Qaida-Führer Ayman al Zawahiri und der „Nusra-Front“ ist angespannt. Baghdadi hat Zawahiris Autorität in Frage gestellt und im vergangenen Jahr eine Fatwa (ein Rechtsgutachten) des Al-Qaida-Führers zurückgewiesen, nach der sich Baghdadi eigentlich auf den Irak konzentrieren und Syrien der Nusra-Front unter Muhammad al Dschaulani überlassen sollte. „Ich muss zwischen der Herrschaft Allahs und der Herrschaft Zawahiris entscheiden, und ich entscheide mich für die Herrschaft Allahs,“ sagte Baghdadi. Neue Kämpfer schwören ihren Eid nicht mehr auf Zawahiri, sondern auf Baghdadi und den „Islamischen Staat“. Baghdadi hatte zuvor im April 2013 die Nusra-Front zu einem Teil seiner damaligen Organisation „Islamischer Staat“ im Irak erklärt und die Vereinigung beider Gruppen zum Islamischen Staat im Irak und (Groß-)Syrien verkündet. Dschaulani hatte dem widersprochen und Zawahiri die Treue geschworen. In einem Interview, das Dschaulani Ende Dezember dem Sender Al Dschazira gab, versuchte er den Konflikt noch als Streit „unter Brüdern“ herunterzuspielen, der längst ausgeräumt sei.

Doch die ideologischen Differenzen bleiben. So hält Al-Qaida-Führer Zawahiri die Brutalität Baghdadis für kontraproduktiv – schließlich kämpfen auch die radikalen Islamisten in Syrien um die Herzen und Köpfe der Bevölkerung, kümmern sich um Wasser- und Stromversorgung und um Lebensmittel. Baghdadi steht mit seiner aggressiven Strategie in der Tradition des 2006 getöteten wegen seiner Brutalität berüchtigten irakischen Al-Qaida-Führers Abu Musab al Zarqawi. Die Nusra-Front bewegt sich eher auf der Linie des Politikers Zawahiri. Ihr Führer Dschaulani versicherte denn auch in dem Al-Dschazira-Interview: „Dr. Ayman (Zawahiri), möge Gott ihn schützen, sagt uns immer, wir sollen uns mit den anderen Gruppen treffen. Wir fühlen uns dazu verpflichtet.“

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