http://www.faz.net/-gq5-7t2ce

Irak-Konflikt : UN befürchten Massaker in Amerli

  • Aktualisiert am

Ein schiitischer Kämpfer, der die offiziellen irakischen Truppen unterstützt, in der Nähe von Amerli, Bild vom 4. August. Bild: AFP

Die Vereinten Nationen befürchten in der nordirakischen Stadt Amerli ein Massaker der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) an der Zivilbevölkerung. Im Osten Syriens haben die Extremisten in den vergangene Tagen schwere Verluste erlitten.

          In der nordirakischen Kleinstadt Amerli droht nach Einschätzung der Vereinten Nationen ein Massaker der sunnitischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) an der überwiegend schiitischen Bevölkerung. Der UN-Sondergesandte für den Irak, Nickolai Mladenow, sagte am Samstag in Bagdad, die Dschihadisten belagerten die Stadt seit fast zwei Monaten und die Lieferwege für Wasser und Lebensmittel seien abgeschnitten. „Die Lage der Menschen in Amerli ist verzweifelt und erfordert ein sofortiges Eingreifen, um ein mögliches Massaker an den Einwohnern zu verhindern“, sagte er laut Pressemitteilung.

          Die Stadt liegt rund 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad. Mladenow appellierte an die irakische Regierung, die Belagerung durch die Extremisten aufzubrechen und die Versorgung der „unsagbar leidenden“ Menschen zu ermöglichen. „Die irakischen Verbündeten und die internationale Gemeinschaft sollten mit den Behörden zusammenarbeiten, um eine humanitäre Tragödie zu verhüten“, sagte er.

          Bei der Explosion dreier Autobomben vor zwei Baustellen und einem Markt in Kirkuk im Nordirak sind mindestens sieben Menschen getötet und weitere 70 verletzt worden. Das berichtete am Samstag die kurdische Nachrichtenseite Rudaw. Nach Angaben der kurdischen Zeitung „Slemani Times“ kamen bei dem Anschlag in einem überwiegend von Kurden bewohnten Viertel sogar 17 Menschen ums Leben. Ziel waren demnach Einheiten kurdischer Peschmerga-Soldaten, die in der Region seit Wochen im Kampf gegen die sunnitische Miliz Islamischer Staat (IS) stehen.

          Im Osten Syriens haben IS-Truppen bei heftigen Gefechten um einen strategisch wichtigen Militärflughafen große Verluste erlitten. In den vergangenen drei Tagen seien mehr als 300 Extremisten getötet oder verletzt worden, sagte der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Die Armee habe ihre Luftangriffe auf die Dschihadisten verstärkt und seit Dienstag drei Großangriffe auf den Flughafen abwehren können. Der Flughafen Al-Tabka ist die letzte Bastion des Regimes von Präsident Baschar al-Assad in der ostsyrischen Provinz Al-Rakka.

          Die Terrorgruppe versucht seit Tagen, das strategisch wichtige Gelände einzunehmen. Sollte sie den Militärflughafen unter ihre Kontrolle bringen, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen.

          Laut den Menschenrechtlern gab es auch aufseiten der Regierungstruppen Verluste, die jedoch nicht näher beziffert wurden. Ein IS-Kämpfer habe sich am Eingang des Flughafens Al-Tabka mit einer Autobombe selbst in die Luft gesprengt. Die Extremisten hätten Verstärkung aus der Nachbarprovinz Dair as-Saur und aus dem Irak zum Flughafen geschickt. Das Regime setzte demnach auch Raketen ein, um die Angriffe abzuwehren.

          Bild: F.A.Z.

          Die IS-Extremisten verschärften zugleich ihre Gewaltherrschaft im Osten des Landes. Die Terrorgruppe ließ an verschiedenen Orten mindestens 18 Menschen zur Strafe öffentlich töten. Mehrere Opfer seien an zentralen Plätzen gekreuzigt worden, berichtete die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Extremisten hätten ihnen unter anderem vorgeworfen, das syrische Regime unterstützt zu haben.

          Die meisten Taten wurden aus den Provinzen Al-Rakka und Dair as-Saur berichtet, die von der Terrorgruppe fast vollständig kontrolliert werden. Die Extremisten beherrschen große Teile im Norden und Osten Syriens. Dort verhängen sie regelmäßig Strafen nach einer radikale Interpretation des islamischen Rechts, der Scharia. Die Terrorgruppe hatte den amerikanischen Reporter James Foley als Rache für Luftangriffe im Nordirak enthauptet und dazu am Dienstag ein Video veröffentlicht.

          Quelle: DPA

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Anti-Brexit-Demonstranten erheben schwere Vorwürfe gegen die britische Regierung.

          Gegen Mays Willen : Britisches Parlament erzwingt Brexit-Veto-Recht

          Das britische Parlament hat sich gegen den Willen der Regierung von Premierministerin Theresa May ein Veto-Recht über das Brexit-Abkommen gesichert. Der Druck auf May steigt. Stehen ihr weitere Niederlagen im Parlament bevor?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.