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Veröffentlicht: 22.10.2015, 05:19 Uhr

Holocaust-Äußerung Washington und Berlin kritisieren Netanjahu

Der palästinensische Großmufti sei nicht für den Holocaust verantwortlich, erklärt das Außenministerium vor dem heutigen Treffen zwischen Kerry und Netanjahu. Auch Angela Merkel weist die Äußerungen Netanjahus zurück.

© dpa Netanjahus Holocaust-Äußerungen stoßen auf Kritik.

Die amerikanische Regierung hat sich von den umstrittenen Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zum Holocaust distanziert. Der Sprecher des Außenministeriums, John Kirby, erklärte Netanjahus Darstellung entspreche „nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Außenminister John Kerry soll Netanjahu am heutigen Donnerstag in Berlin treffen.

Der israelische Ministerpräsident hatte in seiner Heimat scharfe Proteste mit der Äußerungen ausgelöst, Adolf Hitler habe die Juden ursprünglich nur vertreiben wollen. Der Mufti von Jerusalem habe ihn jedoch überzeugt, die Juden zu vernichten.

„Kein Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern“

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wies Netanjahus Äußerungen bei einem Treffen mit Netanjahu zurück. Deutschland kenne die „Verantwortung der Nationalsozialisten für den Zivilisationsbruch der Shoa“, sagte sie und setzte hinzu: „Wir sehen keinen Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern.“

Netanjahu bekräftigte seine Kritik an dem früheren Großmufti: „Der Mann ist ein Kriegsverbrecher. Er ist ein Mann, der mit den Nazis kollaboriert hat.“ Bei seinem Besuch in Berlin erklärte er jedoch auch, dass Hitler für den Holocaust verantwortlich sei.

Das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen Israel und den USA wurde durch die jüngste Gewaltwelle weiter belastet. Washington hatte israelischen Sicherheitskräften „übertriebene Gewalt“ vorgeworfen und beide Seiten „terroristischer Akte“ beschuldigt. Diese Formulierung hatte das US-Außenministerium nach scharfer Kritik aus Israel dann aber abgeschwächt und das Recht Israels bekräftigt, sich zu verteidigen.

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Auch Merkel rief zu einem Ende der Gewalt auf. „Wir wünschen uns, dass alle Seiten zur Deeskalation der Lage beitragen“, sagte sie. Israel habe die Verpflichtung, seine eigenen Bürger zu schützen. Dabei müsse aber die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Sicherheit und Existenz Israels seien Teil der deutschen Staatsräson, und dies werde auch so bleiben.

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