http://www.faz.net/-gq5-899yg

Holocaust-Äußerung : Washington und Berlin kritisieren Netanjahu

  • Aktualisiert am

Netanjahus Holocaust-Äußerungen stoßen auf Kritik. Bild: dpa

Der palästinensische Großmufti sei nicht für den Holocaust verantwortlich, erklärt das Außenministerium vor dem heutigen Treffen zwischen Kerry und Netanjahu. Auch Angela Merkel weist die Äußerungen Netanjahus zurück.

          Die amerikanische Regierung hat sich von den umstrittenen Aussagen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu zum Holocaust distanziert. Der Sprecher des Außenministeriums, John Kirby, erklärte Netanjahus Darstellung entspreche „nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen“. Außenminister John Kerry soll Netanjahu am heutigen Donnerstag in Berlin treffen.

          Der israelische Ministerpräsident hatte in seiner Heimat scharfe Proteste mit der Äußerungen ausgelöst, Adolf Hitler habe die Juden ursprünglich nur vertreiben wollen. Der Mufti von Jerusalem habe ihn jedoch überzeugt, die Juden zu vernichten.

          „Kein Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern“

          Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel wies Netanjahus Äußerungen bei einem Treffen mit Netanjahu zurück. Deutschland kenne die „Verantwortung der Nationalsozialisten für den Zivilisationsbruch der Shoa“, sagte sie und setzte hinzu: „Wir sehen keinen Grund, unser Bild der Geschichte zu verändern.“

          Netanjahu bekräftigte seine Kritik an dem früheren Großmufti: „Der Mann ist ein Kriegsverbrecher. Er ist ein Mann, der mit den Nazis kollaboriert hat.“ Bei seinem Besuch in Berlin erklärte er jedoch auch, dass Hitler für den Holocaust verantwortlich sei.

          Das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen Israel und den USA wurde durch die jüngste Gewaltwelle weiter belastet. Washington hatte israelischen Sicherheitskräften „übertriebene Gewalt“ vorgeworfen und beide Seiten „terroristischer Akte“ beschuldigt. Diese Formulierung hatte das US-Außenministerium nach scharfer Kritik aus Israel dann aber abgeschwächt und das Recht Israels bekräftigt, sich zu verteidigen.

          Auch Merkel rief zu einem Ende der Gewalt auf. „Wir wünschen uns, dass alle Seiten zur Deeskalation der Lage beitragen“, sagte sie. Israel habe die Verpflichtung, seine eigenen Bürger zu schützen. Dabei müsse aber die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Sicherheit und Existenz Israels seien Teil der deutschen Staatsräson, und dies werde auch so bleiben.

          Quelle: spo./dpa/Reuters

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Ein verletztes Mädchen wird in einem Krankenhaus der nordsyrischen Stadt Afrin behandelt.

          Türkische Offensive : Tausende Menschen auf der Flucht

          Humanitäre Organisationen sorgen sich angesichts der türkischen Offensive um Hunderttausende Menschen in den Kurdengebieten. Die Linkspartei fordert den Abzug deutscher Truppen aus dem Stützpunkt in Konya.
          Angelique Kerber feiert ihren Sieg gegen Madison Keys.

          Australian Open : Kerber schafft es ins Halbfinale

          Das ging erstaunlich schnell: Für ihren Halbfinaleinzug bei den Australian Open braucht Angelique Kerber nur 51 Minuten. Ihre Gegnerin zeigt sich völlig überfordert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.