Home
http://www.faz.net/-gq9-xsvn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

General Hussein Tantawi Der Mächtige

 ·  Verteidigungsminister und Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi war der starke Mann hinter Mubarak. Ohne ihn läuft jetzt nichts in Ägypten. Er leitet bis auf Weiteres den mächtigen Militärrat, der nach Mubaraks Abgang die Macht im Land ausübt.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (5)

Ägypten, in dem viele Bürger jetzt aufbegehren, ist lange Zeit als Militärdiktatur mit etwas freundlicherem Gesicht beschrieben worden - im Unterschied etwa zu dem besonders repressiven Syrien unter General Hafez al Assad. Das gilt auch noch heute, wobei sich das Gesicht zunehmend verfinstert und hässlicher wird. Der greise, 82 Jahre alte Staatspräsident Husni Mubarak - der als ehemaliger General der Luftwaffe selbst aus dem Militär kommt - erlebt auf seine alten Tage die drastische Erosion seiner Autorität.

Verteidigungsminister und Feldmarschall Muhammad Hussein Tantawi ist der starke Mann hinter Mubarak. Obwohl er Tantawi heißt, hat er mit der Familie des im vorigen Jahr verstorbenen, hochangesehenen Scheichs der Al Azhar-Moschee und Universität, Scheich Muhammad Tantawi, nichts zu tun. Die Familie, der er entstammt, kommt aus der Großstadt Tanta im Nildelta, wie auch diejenige des Theologen. Am 31. Oktober 1935 wurde er geboren.

Soldat ist Tantawi seit 1956. Seine militärische Karriere machte er in der Infanterie. Als Soldat, Offizier und Befehlshaber nahm er an allen für Ägypten bedeutenden Kriegen teil: 1956 am Suez-Krieg gegen Großbritannien, Frankreich und Israel, 1967 am als „Schmach“ empfundenen Sechstagekrieg gegen Israel und 1973 am „Oktober-Krieg“, wie der Jom-Kippur-Krieg in Ägypten genannt wird. Bis heute zieht die ägyptische Armee aus den anfänglichen Erfolgen dieses Waffengangs gegen das als unbesiegbar geltende Israel einen Teil ihres Stolzes. Die ägyptische Armee sei „die beste des afrikanischen Kontinents“, wird Tantawi gerne zitiert. Kurzfristig war Tantawi zudem Militärattaché an der Botschaft in Pakistan.

Als Verteidigungsminister war er am zweiten Golfkrieg beteiligt

Im Jahre 1991 wurde er Verteidigungsminister, Minister für die Produktion militärischer Güter und Oberkommandierender der Streitkräfte. In dieser Position war er auch in der aus mehr als dreißig Staaten bestehenden arabisch-westlichen Koalition gegen Saddam Hussein im Jahre 1991 am zweiten Golfkrieg beteiligt.

Feldmarschall Tantawi ist der Garant für die Herrschaft jener Militärkaste, die Ägypten im Grunde seit dem Mittelalter geprägt hat, zuerst unter den Mamelucken, das heißt aus dem Kaukasus stammenden „Militär-Sklaven“, deren endgültige Herrschaft erst durch Napoleons Invasion und dann durch den Khediven Mehmed Ali 1811 gebrochen wurde. Es folgte die britische Dominanz. Bis zum Sturz König Faruks 1952 stand die Armee stark unter britischem Einfluss.

Gegen Tantawi, der auch schon 75 ist, läuft nichts in Ägypten. Und trotz seines hohen Alters ist sein Name schon öfter genannt worden, wenn es um die Nachfolge Präsident Mubaraks ging. Freilich wäre er dann nur Übergangspräsident eines Landes, dessen Staatsoberhäupter seit 1952 allesamt Armeeangehörige gewesen sind.

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Militärhilfestopp gelockert Amerika liefert wieder Kampfhubschrauber an Ägypten

Obwohl der politische Wandel in Kairo zu wünschen übrig lässt, wollen die Vereinigten Staaten zehn Apache-Hubschrauber liefern. Sie sollen der Bekämpfung radikaler Islamisten dienen. Mehr

23.04.2014, 09:37 Uhr | Politik
Ägypten Wenn jeder ein bisschen Muslimbruder ist

In Kairo stehen ausländische Journalisten vor Gericht. Sie sollen die Muslimbruderschaft unterstützt haben. In Ägypten genügen inzwischen schon Gespräche mit anderen Reportern für eine Anklage. Mehr

11.04.2014, 09:48 Uhr | Politik
Libyen Im Land der kleinen Kriegsfürsten

Im libyschen Misrata ist der Aufbau eines Staates wenig mehr als ein frommer Wunsch. Die eigentlichen Herren sind die Milizionäre. Sie stiften so viel Chaos, dass die Rufe nach einem starken Mann lauter werden. Mehr

19.04.2014, 11:17 Uhr | Politik

11.02.2011, 20:16 Uhr

Weitersagen
 

Keine Frage der Ehre

Von Helene Bubrowski

Sogenannter Ehrenmord ist Mord aus niedrigen Beweggründen. Und doch werden Ehrenmörder immer wieder milder bestraft. Solche Urteile richten großen Schaden an. Zum Glück geht ihre Zahl zurück. Mehr 54 46