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Geiseldrama Frankreich verteidigt algerische Befreiungsaktion

 ·  Die französische Regierung weist die scharfe Kritik an der algerischen Staatsführung wegen der Militäraktion an der Gasförderanlage In Anémas zurück. Dort dauern die Kämpfe zwischen den Terroristen und algerischen Soldaten an. Verlässliche Zahlen über Opfer und befreite Geiseln liegen nach wie vor nicht vor.

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© dpa Vergrößern Die umkämpfte Gasförderanlage im Südosten Algeriens, Archivbild

Der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault hat am Freitag in Paris die zum Teil scharfe Kritik an der algerischen Staatsführung zurückgewiesen. Das Geiseldrama in der Sahara zeige, wie wichtig der Kampf gegen der Terrorismus sei, den Frankreich mit dem Kampfeinsatz in Mali aufgenommen habe, sagte er und bezeichnete die Informationspolitik der algerischen Behörden als gut. Bei der Befreiungsaktion habe es Tote gegeben, für genaue Angaben sei es jedoch zu früh, sagte der Premierminister. Auch Innenminister Manuel Valls verteidigte den Einsatz der algerischen Sicherheitskräfte. Es sei nicht Aufgabe befreundeter Staaten, während eines laufenden Einsatzes kritische Kommentare abzugeben.

Die algerischen Sicherheitskräfte setzten am Freitag ihre Operation zur Befreiung der Geiseln fort, die von radikalen Islamisten auf einem Gasfeld im Osten Algeriens gefangengehalten werden. Nach Angaben der staatlichen algerischen Nachrichtenagentur APS sollen bis zum Freitagabend etwa die hundert der insgesamt 132 ausländischen Geiseln befreit worden sein.

Cameron: „Nicht der Art, wie wir es gemacht hätten“

Der britische Premierminister David Cameron hatte scharfe Kritik an Algerien geäußert. Cameron sagte, er sei „enttäuscht“, dass ihn die algerische Regierung über ihr massives Vorgehen nicht im Vorhinein informiert habe. London hat nach Zeitungsberichten in Algier von Anfang an darauf gedrungen, Zeit zu gewinnen, um auch ausländische Fachleute zum Einsatz zu bringen. Die Ereignisse hätte sich dann aber überschlagen. Der bisherige Verlauf der Befreiungaktionen entspräche „nicht der Art, wie wir es gemacht hätten“, zitierte die Zeitung „The Guardian“ einen britischen Sicherheitsexperten. Die japanische Regierung hatte sich „zutiefst beunruhigt“ über die Befreiungsaktion geäußert. Sie sei vorher nicht informiert worden.

Premierminister Cameron sprach nach einer Krisensitzung mit Sicherheitsfachleuten von einem „großen, gut koordinierten und schwer bewaffneten Angriff“, den die Extremisten auf das Gasfeld geführt hätten. Vor Parlamentsabgeordneten verurteilte er das Vorgehen der Geiselnehmer als „brutal und grausam“. Weil die Operationen der algerischen Kräfte noch nicht abgeschlossen seien, könne er nicht angeben, wie viele britische Staatsbürger genau betroffen seien, sagte Cameron. Zunächst war von bis zu dreißig Briten die Rede gewesen, die in Gefahr schwebten. Diese Zahl hätte sich aber „erheblich reduziert“, sagte der Premierminister. Ein Brite kam ums Leben.

© reuters, Reuters Vergrößern Entführung in Algerien: Befreite Geiseln sind erleichtert

Der französische Premierminister Ayrault hob hervor, dass Europa im Kampf gegen den Terrorismus zusammenrücken müsse. Ayrault sagte der F.A.Z., Bundeskanzlerin Angela Merkel habe entschlossen reagiert. Die Entsendung von Militärausbildern und zwei Transportflugzeugen zur Unterstützung des Einsatzes in Mali sehe er als Zeichen der Freundschaft.

Die Extremisten-Gruppe, die das Gasfeld am Mittwoch überfallen hatte, hatte die Kommandoaktion als Reaktion auf den französischen Militäreinsatz in Mali bezeichnet. Algerien habe der französischen Luftwaffe Überflugrechte gewährt und somit „unverhohlen“ Einfluss in dem Konflikt genommen, hatten die Geiselnehmer verkündet, die unter dem Kommando des Dschihadistenführers Mokhtar Belmokhtrar stehen sollen.

Algerische Armee: Hunderte Geiseln befreit

Zwei Tage nach dem Beginn der Geiselnahme auf einem Gasfeld im Osten Algeriens gingen dort am Freitag die Kämpfe zwischen den Geiselnehmern und algerischen Soldaten weiter. Verlässliche Zahlen über Opfer liegen nach wie vor nicht vor. Die algerische Armee meldete, dass inzwischen 639 Geiseln befreit worden seien, darunter 66 Ausländer. Die Gesamtzahl der ausländischen Geiseln wurde mit 132 angegeben.

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