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Gaza-Krise : Palästinenser feuern Raketen auf Atomreaktor

  • Aktualisiert am

Von den drei Raketen, die auf die Stadt mit dem Reaktor abgefeuert wurden, konnte das israelische Abwehrsystem „Eiserner Dom“ ein Geschoss abfangen. Bild: AFP

Palästinensische Extremisten haben nach Angaben der israelischen Armee erstmals Raketen auf den einzigen Atomreaktor Israels abgefeuert. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte seine Sorge: „Gaza steht auf Messers Schneide.“

          Palästinensische Extremisten haben nach Angaben der israelischen Armee erstmals Raketen auf den einzigen Atomreaktor Israels in der Stadt Dimona abgefeuert. Das Kraftwerk liegt in der Negev-Wüste, rund 80 Kilometer südöstlich des Gaza-Streifens. Insgesamt seien drei Raketen auf Dimona abgeschossen worden, erklärten die Streitkräfte am Mittwochabend. Das Abwehrsystem „Eiserner Dom“ habe ein Geschoss abgefangen, die beiden anderen seien ohne Schaden anzurichten auf offenem Gelände niedergegangen, erklärte ein Armeesprecher. Es blieb unklar, wie dicht die Geschosse dem Meiler oder der nahegelegenen Stadt kamen.

          UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnete den wieder eskalierten Nahost-Konflikt in der Nacht zu Donnerstag als „eine der entscheidendsten Krisen der Region in den vergangenen Jahren“. „Gaza steht auf Messers Schneide“, sagte Ban in New York. „Die eskalierende Situation führt zu einem Teufelskreis, der schnell außer Kontrolle geraten könnte. Das Risiko von sich immer noch weiter ausbreitender Gewalt ist da. Gaza und die ganze Region können sich keinen weiteren Krieg leisten.“

          Bereits in den Stunden zuvor hatten Israelis und Palästinenser ihre militärische Konfrontation abermals verschärft. Israelische Kampfflugzeuge bombardierten im Minutentakt den Gazastreifen, um Raketen-Abschussrampen und Kommandozentralen der radikalen Hamas und anderer Gruppen auszuschalten. Auch Kommandeure der radikalen Organisationen wurden ins Visier genommen. Nach palästinensischen Angaben kamen innerhalb von zwei Tagen 47 Menschen ums Leben, darunter 41 Zivilisten. Radikale Palästinensergruppen feuerten ihrerseits in dichter Abfolge Raketen auf Israel. Erneut wurden auch Langstreckenraketen eingesetzt, die tief im israelischen Kernland einschlugen.

          Israel bombardiert Wohnhäuser von Hamas-Funktionären

          Der vom Gazastreifen weitest entfernte Angriff traf das das nordisraelische Zichron Jakoov unweit von Haifa und fast 150 Kilometer von Gaza entfernt. International wurde die schärfste Konfrontation seit dem Gazakrieg von 2012 weitgehend mit Zurückhaltung aufgenommen. Der amerikanische Präsident Barack Obama versicherte Israel seine Unterstützung, mahnte aber eine friedliche Lösung des Konfliktes an.

          Die israelische Armee teilte mit, insgesamt seien 550 Ziele in dem von der Hamas kontrollierten Küstenstreifen bombardiert worden. Darunter seien elf Wohnhäuser von führenden Hamas-Funktionären gewesen. Bei einem der Angriffe wurden nach Darstellung des palästinensischen Innenministeriums auch ein führender Vertreter der Gruppe Islamischer Dschihad sowie fünf seiner Angehörigen getötet. Um die Zahl ziviler Opfer gering zu halten, fordert die israelische Armee zumeist per Telefon auf, die Gebäude zu verlassen, wie Bewohner berichteten.

          „Hamas wird einen hohen Preis zahlen“

          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Regierung habe entschieden, die Angriffe auszuweiten. Auch eine Bodenoffensive behält er sich vor. Die Streitkräfte seien auf alle Optionen vorbereitet. „Hamas wird einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie auf israelische Zivilisten schießt.“

          Die Gewalt in der Region eskaliert seit Juni, als im Westjordanland drei israelische Jugendliche entführt und ermordet wurden. Die Regierung sieht die Schuld der Hamas dafür als erwiesen an, die die Tat als das Werk von Helden verherrlicht, sich aber nicht explizit dazu bekannt hat. In der vergangenen Woche wurde offenbar aus Rache ein palästinensischer Jugendlicher getötet. Sechs jüdische Tatverdächtige sind deswegen in Haft.

          Quelle: Reuters

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