Erstmals seit dem Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen ist am Freitag im Großraum Jerusalem eine Rakete eingeschlagen. Wie die israelische Armee mitteilte, explodierte das Geschoss auf unbewohntem Gelände. Zuvor hatte der bewaffnete Arm der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas erklärt, es sei ein Ziel in Jerusalem beschossen worden.
Auch in der israelischen Metropole Tel Aviv haben Alarmsirenen am Freitag abermals die Bevölkerung vor einem Angriff gewarnt. Eine vom Gazastreifen abgefeuerte Rakete ist im Meer nahe Tel Aviv gelandet. Das berichtete Polizei und Augenzeugen übereinstimmend. In der Stadt war zuvor eine schwere Explosion zu hören. Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas hat sich des Raketenangriffs auf Tel Aviv vom Freitag bezichtigt. Das meldete der Nachrichtendienst der Hamas, Safa. Am Donnerstag waren im Großraum Tel Aviv erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder Raketen eingeschlagen, die nach palästinensischen Angaben durch den bewaffneten Arm des islamischen Dschihad abgefeuert wurden.
Im Westjordanland gingen am Freitag tausende Palästinenser aus Protest gegen die israelische Offensive im Gazastreifen auf die Straße. In Ramallah und Nablus versammelten sich tausende Demonstranten und riefen Parolen wie „Hamas, bombardiert Tel Aviv!“ Wütende Menschen verbrannten die israelische Flagge und riefen „Tod Israel“.
Kandil reist vorzeitig ab
Eine ägyptische Vermittlungsinitiative in Gaza-Stadt war am Freitag durch neue heftige Angriffe erschwert worden. Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil war am Freitag in den Gazastreifen gereist, wo er ein Ende der israelischen Offensive forderte. „Die Welt sollte Verantwortung zur Beendigung dieser Aggression übernehmen“, sagte er nach einem Treffen mit Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija. Während Israel seine Militäraktionen während Kandils Besuch weitgehend aussetzte, feuerten der Islamische Dschihad und andere Gruppen Dutzende Raketen auf israelisches Gebiet ab.
Kurz nach Kandils Abreise schlug im Großraum Tel Aviv eine Rakete aus Gaza ein, ohne Schaden anzurichten. Erstmals wurde auch in Jerusalem Luftalarm ausgelöst; laut israelischen Berichten schlug in der weiteren Umgebung der Stadt eine Rakete der Hamas ein.
In Gaza sagte Kandil, dass Ägypten sich bemühe, „einen Waffenstillstand zu erreichen, der dauerhaft hält, bis ein gerechter Frieden erreicht ist“. Zugleich forderte er Israel zur Einhaltung seiner internationalen Verpflichtungen auf. Der palästinensischen Bevölkerung sicherte er die Solidarität Ägyptens zu. „Palästina liegt im Herzen der arabischen Welt, die nicht funktionieren kann, wenn es krank ist“, sagte er. Hanija bezeichnete den ersten Besuch eines ägyptischen Regierungschefs im Gazastreifen seit 21 Jahren als „historisch“. Er sei Ausdruck „der postrevolutionären Solidarität Ägyptens mit Gaza“.
Merkel: „Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt ist die Hamas“
Ein Sprecher des amerikanischen Außenministeriums sagte, Washington habe Ägypten gebeten, seinen Einfluss zu nutzen, um die Spannungen zu entschärfen. Die Hamas müsse ihre Angriffe einstellen, bekräftigte er. Auch der französische Präsident François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel baten Ägypten, seine Kontakte zur Hamas in diesem Sinne zu verstärken. Die Kanzlerin sagte in Moskau: „Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt ist die Hamas.“ An diesem Samstag will der tunesische Außenminister nach Gaza reisen. In Kairo findet ein Sondertreffen der Außenminister der Arabischen Liga zur Situation in Gaza statt. Anfang nächster Woche will UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in die Region reisen.
In Ägypten demonstrierten am Freitag Tausende gegen die israelische Militäroperation im Gazastreifen. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo riefen Demonstranten nach dem Mittagsgebet antiisraelische Parolen. Präsident Muhammad Mursi hatte nach der Tötung des Hamas-Militärführers Ahmed al Dschabari am Mittwoch durch das israelische Militär den ägyptischen Botschafter aus Tel Aviv nach Kairo zurückberufen.
Kairo fordert Ende der Gaza-Offensive
Die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen bezeichnete Mursi als „inakzeptabel“. Auch Zehntausende Iraner sind nach den Freitagsgebeten landesweit auf die Straße geströmt, um gegen die israelischen Luftangriffe zu protestieren. In Teheran warfen die Demonstranten Israel „zionistische Verbrechen“ gegen Unschuldige vor, wie iranische Staatsmedien am Freitag meldeten. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan will laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu um mehr internationale Unterstützung für die Palästinenser werben. Die Türkei stehe an der Seite des Volkes in Gaza, zitierte ihn Anadolu.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton stellte sich in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung auf die Seite Israels, mahnte die dortige Regierung aber zu einem maßvollen Vorgehen. „Die Raketenangriffe von Hamas und anderen Gruppen in Gaza, die die gegenwärtige Krise hervorgerufen haben, sind völlig inakzeptabel für jede Regierung und müssen aufhören. Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu schützen.“ Zugleich rief Frau Ashton Israel dazu auf, „zu gewährleisten, dass die Antwort verhältnismäßig ist“. Sie bedauere die zivilen Toten auf beiden Seiten. Die Außenminister der EU wollen am Montag in Brüssel über die Entwicklung im Nahen Osten beraten und eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen.
Der israelische Staatspräsident Schimon Peres sagte am Freitag nach einem Treffen mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Israel wolle keinen Krieg im Gazastreifen beginnen. Er sei zuversichtlich, dass die Militäroperation keinen Augenblick länger dauere, als unbedingt nötig. Netanjahu lobte die „beeindruckenden Ergebnisse“, die bisher erzielt worden seien. Die Armee müsse aber weiter hart zuschlagen, um die auf Israel gerichteten Raketen zu zerstören. Israel sei bei Bedarf bereit, die Militäraktion auszuweiten. Am Freitag berief die Armee 16000 Reservisten ein.
Die israelische Armee hatte in der Nacht zum Freitag ein weiteres Mal ihre Angriffe auf Gaza verstärkt. Nach ihren Angaben wurden 150 Ziele beschossen, vor allem Munitionslager und Abschussvorrichtungen für Raketen. Seit Mittwoch seien es insgesamt 600 Angriffe gewesen. Das Abwehrsystem „Iron Dome“ habe mehr als 130 Raketen gestoppt; insgesamt wurden bisher mehr als 270 Raketen von palästinensischer Seite abgefeuert.
Radikale Palästinenser feuerten am Freitag weiter Raketen auf den Süden Israels ab, wie die israelische Armee mitteilte. Die israelische Luftwaffe antwortete mit einem Angriff auf das Haus eines Hamas-Kommandeurs, wie aus Kreisen der Palästinensergruppe verlautete. Damit wurde auch die Waffenpause hinfällig, die Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zuvor für die Zeit des Besuchs angekündigt hatte. „Die Hamas respektiert nicht den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat“, erklärte ein Sprecher des Ministerpräsidenten über den Kurznachrichtendienst Twitter.
Israels Siedlungspolitik ist Friedenspolitik!
Sönke Peters (soenkepeters)
- 17.11.2012, 18:58 Uhr
Obszön
Simon Eichendorff (S.Eichendorff)
- 17.11.2012, 09:16 Uhr
Die (5anischen Raketen werden immer Zielgenauer
Josef Bujtor (Mramorak)
- 17.11.2012, 08:41 Uhr
Zeit für ernsthafte Verhandlungen
Carlos Anton (carlosanton)
- 16.11.2012, 22:36 Uhr
Als alter Beobachter
Carsten Berg (Carberg)
- 16.11.2012, 21:04 Uhr
