Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington hat der Führer des Terrornetzes Al Qaida, Usama Bin Ladin, mit seiner Familie in mindestens fünf verschiedenen Verstecken in Pakistan gelebt; zudem hat er mit der jüngsten seiner drei Frauen vier Kinder gezeugt. Das geht aus den Aussagen der heute 29 Jahre alten Jemenitin Amal Ahmad Abdul Fateh hervor, die im Jahre 2000 in Afghanistan Bin Ladins dritte Frau wurde.
Die pakistanische Tageszeitung „Dawn“ sowie verschiedene amerikanische Medien berichteten am Freitag über die Vernehmungsprotokolle der pakistanischen Polizei, in deren Gewahrsam sich die drei Frauen sowie die Kinder Bin Ladins seit dem amerikanischen Kommandoangriff zur Tötung des Al-Qaida-Führers in Abbottabad vom 2. Mai 2011 befinden. Regierungsmitarbeiter in Washington bestätigten indirekt die Aussagen von Bin Ladins jüngster Frau, da diese sich im Wesentlichen mit den Erkenntnissen der amerikanischen Geheimdienste deckten.
Die damals 18 Jahre alte Abdul Fateh reiste im Juli 2000 über Pakistan nach Afghanistan, weil sie nach eigenen Angaben „einen Mudschahid heiraten wollte“. Bin Ladin, der damals in der südafghanischen Provinz Kandahar lebte, nahm Abdul Fateh neben den Saudierinnen Kharia Hussain Sabir und Siham Sharif zu seiner dritten Frau. Die beiden älteren Witwen Bin Ladins, die seit Mai 2011 gemeinsam mit Abdul Fateh und mehreren Kindern Bin Ladins unter Hausarrest in einem Haus in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad leben, haben bisher die Aussage verweigert. Die drei Witwen sowie die 20 und 21 Jahre alten Töchter Sumaya und Maryam sollen nach Medienberichten an diesem Montag wegen illegaler Einwanderung nach Pakistan angeklagt werden.
Die bisher detailliertesten Berichte über die Flucht
Nach Abdul Fatehs Aussagen flohen Bin Ladin und seine Familie Anfang 2002, also kurz nach dem Beginn der amerikanisch geführten Offensive gegen die Taliban, über verschiedene Routen des Tora-Bora-Gebirges nach Pakistan. Fateh selbst lebte zunächst einige Monate in Karachi, ehe sie im Mai 2002 in einem Versteck in Peschawar wieder zu Bin Ladin und seinen beiden älteren Frauen stieß. Anschließend verbrachte die Familie etwa zwei Jahre in der Stadt Haripur nördlich der Hauptstadt Islamabad. In Haripur wurden 2003 ihre Tochter Aasia und 2004 ihr Sohn Ibrahim geboren. Dazu sei sie jeweils nur wenige Stunden im Krankenhaus gewesen. Danach lebte die Familie etwa sechs Jahre bis zum Angriff des amerikanischen Kommandos in der Garnisonsstadt Abbottabad weiter im Nordosten, wo 2006 die Tochter Zainab und 2008 der Sohn Hussain geboren wurden. Abdul Fateh erlitt bei der Kommandoaktion zur Tötung Bin Ladins einen Beinschuss.
Die auf den 19. Januar datierten pakistanischen Vernehmungsprotokolle sind die bisher detailliertesten Berichte über die Umstände der Flucht Bin Ladins und dessen Leben in verschiedenen Verstecken in Pakistan. Anders als von den amerikanischen Diensten vermutet, hielten sich Bin Ladin und seine Familie zu keiner Zeit in den Stammesgebieten im Nordwesten des Landes nahe der Grenze zu Afghanistan auf, sondern in Metropolen wie Karachi und Peschawar sowie nahe der Hauptstadt Islamabad. Bei der Flucht haben nach Angaben Abdul Fatehs „einige pakistanische Familien“ sowie Bin Ladins Sohn Saad wichtige Hilfe geleistet.