http://www.faz.net/-gq5-8nr30

Feuer in Israel : „Eine Rache Allahs“

Trockenheit und Wind fachen die Brände an - hier in Haifa Bild: AP

Seit Tagen wüten in Israel Brände – für einige macht die Politik palästinensische Brandstifter verantwortlich. Schon geht das Wort von der „Feuer-Intifada“ um.

          In Israel ist es zum Ende dieses Jahres außergewöhnlich trocken. Waldbrände sind keine Seltenheit. Starke Winde wehen durch das Land und begünstigen die Verbreitung der Feuer. Mittlerweile brennt es an hundert verschiedenen Orten im Land. Doch sind diese zum Teil so stark voneinander getrennt, dass die Feuerkatastrophe, die Israel seit nunmehr vier Tagen heimsucht, nicht mehr nur mit natürlichen Ursachen zu erklären ist.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Mehr als die Hälfte der Brandherde gehe auf Brandstiftung zurück, sagte der Chef der Katastrophenschutzbehörde, Shmulik Fridan, am Freitag im Radio. In der Nacht zum Freitag brach in Beit Meir, westlich von Jerusalem und von den anderen Brandherden vollkommen abgeschnitten, ein neues Feuer aus. Die Polizei nahm zwei Palästinenser unter dem Verdacht der Brandstiftung fest, sie sollen sich zudem illegal in Israel aufgehalten haben.

          Im Fernsehen verbreitete Aufnahmen von Überwachungskameras am Rande der israelischen Siedlung Ariel zeigten am Freitagmorgen drei offenbar arabische Jugendliche, die in der Nacht zum Freitag die Böschungen mit Molotowcocktails entzündeten. Sie wurden festgenommen, die Flammen konnten gelöscht werden.

          Diese Brandstiftungen, sagte Israels Polizeichef Roni Alscheich, seien nicht auf Pyromanie, sondern auf „nationalistische Motive“ zurückzuführen. Wo jemand in den Nachrichten von der Zerstörungskraft von Feuer erfahren habe, habe er möglicherweise „die Gelegenheit“ genutzt. Das Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte die Ursache des allerersten Brandherds in Zichron Ja’akov im Bezirk Haifa mit Brandstiftung. Es seien Benzinreste gefunden worden. Bis Freitag wurden bislang mindestens 14 Verdächtige festgenommen, über ihre Identität gaben die Behörden aber zunächst nichts bekannt. Einige der Festgenommenen sollen über Facebook dazu aufgerufen haben, Unterholz auf israelischem Territorium anzuzünden.

          Bislang hatten sich die Brandherde vor allem auf den Norden Israels konzentriert. Neben Löschmannschaften waren auch Einheiten der Armee im Einsatz. Allein in Haifa wurden siebenhundert Gebäude beschädigt, im ganzen Land mussten zeitweise mehr als 80.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Die Militärpolizei räumte ein Gefängnis in Haifa nahe des Karmel-Berges, auf dem es an vielen Stellen brannte; einige der Gefängnisinsassen wurden freigelassen. Tote gab es bis Freitag nicht zu beklagen, rund sechzig Menschen wurden mit Verletzungen in Krankenhäusern behandelt. Fünfeinhalbtausend Hektar Land wurden bislang von den Flammen verschlungen.

          Benjamin Netanjahu ging weiter als die Sicherheitsbehörden. Viele der Feuer seien auf Brandstiftung zurückzuführen, sagte der Ministerpräsident bei einem Besuch im Katastrophengebiet von Haifa. Er sprach von Terrorakten. „Jede Brandstiftung oder Aufwiegelung dazu ist Terrorismus. Jeder, der versucht, Teile des Staates Israel zu verbrennen, wird bestraft,“ sagte Netanjahu. Und Naftali Bennett, der Vorsitzende von Netanjahus national-religiösem Koalitionspartner Jüdisches Heim, schrieb auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter unter mutmaßlicher Anspielung auf Palästinenser: „Nur jene, denen das Land nicht gehört, sind in der Lage, es zu verbrennen.“

          Topmeldungen

          Amerika gegen China : Ein Clash der Systeme

          Beim Apec-Gipfel auf Papua-Neuguinea machen sich Amerika und China heftige Vorwürfe – und präsentieren ihre konkurrierenden Entwürfe für eine Weltordnung. Beide Länder stehen jedoch vor dem gleichen Problem.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.