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Eskalation im Nahen Osten : Riads Kriegserklärung

Bild: AFP

Die neue saudische Führung führt das Land auf gefährliche Wege. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Iran wird es noch mehr Gewalt auf den Schlachtfeldern des Nahen Ostens geben.

          Saudi-Arabien hat den geistlichen Führer der Schiiten des Königreichs hingerichtet, die diplomatischen Beziehungen zu Iran abgebrochen – und damit in einem Moment Öl ins Feuer der konfessionellen Spannungen des Nahen Ostens gegossen, in dem Hoffnungen gekeimt waren, bei der Suche nach einer politischen Lösung des Syrien-Konflikts könnte es endlich eine breite Koalition geben. Die Vereinigten Staaten und Russland, die sich angenähert hatten, übten sanften Druck auf Saudi-Arabien und Iran aus, zusammenzuarbeiten. Doch statt neuer Syrien-Gespräche wird es nun neue Gewalt auf dem syrischen Schlachtfeld geben. Eine Eskalation zeichnet sich auch im Jemen ab. Unmittelbar vor der Hinrichtung des Geistlichen hatte Saudi-Arabien die Waffenruhe im Jemen für beendet erklärt. Iran wird darauf mit weiterer Unterstützung für die Houthi-Rebellen reagieren.

          Die schiitischen Muslime verstehen die Hinrichtung des Geistlichen durch die führende Macht des sunnitischen Islams als (weitere) Kriegserklärung. Zuvor hatte der Verteidigungsminister und stellvertretende Kronprinz Muhammad Bin Salman Al Saud Iran indirekt mit Krieg gedroht. Denn der „islamischen militärischen Allianz“, die er für den Kampf gegen den Terror ausrief, gehört Iran ausdrücklich nicht an. Mit der Hinrichtung des Geistlichen stellt Saudi-Arabien klar, dass es schiitischen Dissens als Terror ahndet.

          Gewiss, im Innern gehen die saudischen Sicherheitskräfte unerbittlich gegen alle vor, die zu Al Qaida und zum „Islamischen Staat“ gehören (können). Die harte Terrorbekämpfung ist wirksam. Dem Haus Saud fehlt indes der Mut, den geistigen Nährboden des Terrors auszutrocknen, also den intoleranten wahhabitischen Islam in Frage zu stellen, aus dem das Königreich seine Legitimität bezieht. Ansätze dazu hatte es unter dem früheren König Abdullah gegeben.

          Bild: F.A.Z.

          Die neue saudische Führung führt das Land so auf gefährliche Wege: In Syrien und im Jemen hat sie ihre Kriegsziele nicht erreicht, der IS rückt aber immer näher an Saudi-Arabien; der tiefe Ölpreis, den das Land selbst herbeigeführt hat, gefährdet die Stabilität des Königreichs, da es seinen unbezahlbar gewordenen Wohlfahrtsstaat zurückbauen muss. Zudem ist Erzfeind Iran in der Staatengemeinschaft zurück. Solange sich das Haus Saud von der Obsession leiten lässt, Iran in die Schranken weisen zu müssen, laufen alle Versuche, den Nahen Osten zu befrieden, ins Leere.

          Botschaft gestürmt : Konfrontation im Nahen Osten

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

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          Quelle: F.A.Z.

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