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Emir von Qatar in Gaza Hanija reich beschenkt

Der Emir von Qatar besucht den Gazastreifen. Präsident Abbas in Ramallah trifft er nicht. Der Monarch wirbt um die Hamas, um diese von Iran und Syrien zu lösen.

© REUTERS Vergrößern Herzlicher Empfang: Hamad bin Khalifa al Thani und Hamas-Führer Ismail Hanija (links)

Als Gastgeschenk brachte der Emir von Qatar gleich eine ganze Stadt mit. Unweit der Ruinen des früheren israelischen Siedlungs Gusch Katif soll „Hamad City“ entstehen, benannt ihm, Scheich Hamad Bin Chalifa Al Thani. Rund 250 Millionen Dollar hat der Emir für neue Wohnungen, Straßen und ein Krankenhaus in Gaza zugesagt - und in Aussicht gestellt, die Summe noch einmal zu verdoppeln. Für die von der islamistischen Hamas-Organisation geführte Regierung ist schon der wenige Stunden dauernde Besuch der Delegation ein politischer Triumph: Zum ersten Mal seit der gewaltsamen Machtübernahme durch die Hamas stattet ein Staatsoberhaupt Gaza einen Besuch ab. Das sei ein „historisches Ereignis“ und bedeute das Ende der israelischen Blockade, sagte Hamas-Ministerpräsident Hanija. Er hoffe, dass bald andere Staatschefs dem Beispiel des qatarischen Emirs folgen werden.

Hans-Christian Rößler Folgen:  

Das kleine Golfemirat hatte sich zuletzt stark in den Palästinensergebieten engagiert. Erfolgreich hatte sich der Emir darum bemüht, die Hamas dazu zu bewegen, ihre langjährige Freundschaft zu Syrien und Iran aufzugeben. Von dort erhielten die Islamisten in Gaza bisher großzügige Unterstützung, die jetzt aus Qatar kommt. Nach dem Ausbruch der Unruhen in Syrien zog Hamas-Politbürochef Meschal in die qatarische Hauptstadt Doha. Dort schien dem Emir zu Anfang 2012 das zu gelingen, woran Ägypten im Jahr zuvor gescheitert war: Meschal und Fatah-Führer Mahmud Abbas unterzeichneten ein weiteres Versöhnungsabkommen. Doch auch mit dem Vertrag gelang es nicht, den innerpalästinensischen Machtkampf zu beenden und endlich wieder eine gemeinsame Regierung zu bilden.

Qatar setzte seine Vermittlungsarbeit fort. Der qatarische Kronprinz wurde in Jordanien zu einer Art Türöffner. In Amman empfing König Abdullah Hamas-Führer Meschal, den er 13 Jahre zuvor selbst ausgewiesen hatte. Mittlerweile hat jedoch Meschal angekündigt, sich aus der aktiven Politik zurückzuziehen. So war sein Rivale, der Hamas-Ministerpräsident Ismail Hanija, am Dienstag der Gastgeber von Hamad Bin Chalifa Al Thani. Nach Ansicht von Beobachtern in Gaza wird sich Hanija ein weiteres Mal aufgewertet fühlen, dessen Einfluss in der Hamas wie im Ausland weiter wächst - auch auf Kosten des palästinensischen Präsidenten Abbas.

Qatar braucht gute Beziehungen zu Israel

Hamad Bin Chalifa Al Thani hatte Abbas nur in einem Telefongespräch über seine Reisepläne unterrichtet, ohne dem Präsidenten ebenfalls ein Treffen anzubieten. Angeblich erinnerte PLO-Chef Abbas den Emir daran, dass alles getan werden müsse, um die Spaltung der Palästinenser zu überwinden. Ungewohnt deutlich äußerte sich am Vorabend des qatarischen Besuchs in Gaza das PLO-Exekutivkomitee. Es appellierte in Ramallah an „alle arabischen Brüder“ alles zu vermeiden, was zur Gründung einer „separaten Einheit im Gazastreifen“ führe, was letztlich nur Israel in die Hände spiele.

Der Scheich aus Qatar blieb jedoch bei seinen Plänen: Statt dem gewählten und international anerkannten Palästinenserführer Abbas machte er am Dienstag nur der Hamas in Gaza seine Aufwartung; die Hamas hatte im Jahr 2007 gewaltsam die Fatah aus dem Gazastreifen vertrieben. Örtliche Fatah-Politiker waren angeblich zu den Empfängen in Gaza nicht eingeladen. Die Fatah, die gerade bei den Kommunalwahlen im Westjordanland Verluste hinnehmen musste, sieht sich immer stärker isoliert. Seit dem Machtwechsel in Ägypten werden Hamas-Politiker von Präsident Mursi und den regierenden Muslimbrüdern in Kairo freundlich empfangen und gehen und dort in Regierungsbüros ein- und aus, wie einst Fatah-Vertreter unter Präsident Mubarak.

Um die ehrgeizigen Aufbauprojekte in Gaza in die Tat umzusetzen und das benötigte Baumaterial zu importieren, braucht auch Qatar gute Beziehungen nach Ägypten - und nach Israel. Ägypten kontrolliert den Personenübergang in Rafah und hat seit dem Sommer damit begonnen, immer mehr Schmuggeltunnel zu zerstören. Israel überwacht den einzigen Warenübergang in Kerem Schalom. Israel habe prinzipiell zusätzliche Lieferungen für die qatarischen Baustellen zugesagt, heißt es vage in Gaza.

In seinen Beziehungen zu Israel war Qatar in der Vergangenheit pragmatisch. Zeitweise unterhielt das Emirat eine Handelsvertretung in Israel, das wiederum in Doha eine ähnliche Mission hatte. Regelmäßig trafen sich Politiker beider Seiten. In den vergangenen Tagen veröffentlichten Palästinenser im Internet Fotos eines Treffens des Emirs mit dem israelischen Staatspräsident Schimon Peres. Sie wollten damit deutlich machen, dass nicht alle Menschen im Gazastreifen über den Besucher und seine Politik erfreut sind. Nach Umfragen ist die Hamas-Regierung nicht sonderlich beliebt. Nicht nur Fatah-Anhänger beobachten mit Unbehagen, wie sehr sich Qatar auf die Seite der Islamisten stellt und der Hamas den Rücken stärkt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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