http://www.faz.net/-gq5-88n9w

Diktator Assad : Gewaltherrscher in bester Laune

Baschar al Assad in seinem Interview mit dem iranischen Sender Kabar TV Bild: AP

Baschar al Assad zeigt neues Selbstbewusstsein. Der Diktator in Damaskus hat das nicht zuletzt dem Kreml zu verdanken. Gleichzeitig wächst die Unterstützung für seine Gegner.

          Der syrische Gewaltherrscher gibt sich bester Laune. Am Wochenende nutzte er ein Interview mit dem iranischen Sender Khabar TV, den Verbündeten in Teheran und Moskau für die Waffenhilfe zu danken und deren Loyalität zu beschwören. Baschar al Assad schmähte seine Feinde und zeigte sich entschlossen, den Krieg in seinem Land bis zum Ende fortzusetzen. Er werde keine Einmischung von außen in syrische Angelegenheiten dulden, sagte Assad laut der Abschrift des Gesprächs, welches die amtliche Nachrichtenagentur Sana verbreitete. Er zeigte sich sicher, dass der Kampf weitergehe, bis der „Terrorismus“ besiegt sei – oder gesiegt habe. Und sollte die neue Koalition, also das Bündnis unter russischer Führung, scheitern, dann werde die gesamte Region zerstört. Im Westen, der überwältigt von einem Gefühl des Scheiterns in Syrien sei, machte Assad Verwirrung aus.

          Christoph  Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Sein derzeitiges Selbstbewusstsein hat der Diktator nicht zuletzt dem Kreml zu verdanken. Die russische Luftunterstützung für die demoralisierte und ausgelaugte Armee des Regimes dauert trotz der scharfen internationalen Kritik an. Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete am Montag, es seien 25 Angriffe binnen 24 Stunden geflogen worden. Sie hätten sich gegen Einrichtungen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in den Provinzen Homs und Latakia gerichtet.

          Aufnahme aus einem russischen Kampfjet über Syrien

          Wie schon bei den vorherigen Luftschlägen scheinen dabei tatsächlich andere Rebellengruppen getroffen worden zu sein, unter ihnen auch dschihadistische Rivalen des IS wie die unter dem Banner von Al Qaida kämpfende Nusra-Front oder die Islamistenmiliz Ahrar al Scham. Das legen auch die Orte nahe, in denen die Luftschläge nach russischen Angaben stattfanden. Es sind Orte an strategisch wichtigen Frontlinien, wo es keine maßgebliche IS-Präsenz gibt, an denen aber die Truppen Assads nun entlastet werden: Im Norden der Provinz Latakia etwa, wo zuletzt der Rebellenvormarsch das alawitische Kernland des Regimes bedroht hat. Seit Tagen werden Nachrichten verbreitet, nach denen eine Gegenoffensive Assads und seiner Verbündeten vorbereitet werden soll. Russland unterstütze den „Schlächter“ Assad und mache alles nur noch schlimmer, äußerte der britische Premierminister David Cameron.

          Russischer Botschafter in der Türkei einbestellt

          „Das Ziel des Einsatzes ist die Offensive der syrischen Streitkräfte im Kampf gegen terroristische und radikale Organisationen und gegen Kräfte, die sich auf syrischem Territorium befinden“, sagte am Montag der russische Botschafter in Ankara, der eine Protestnote des türkischen Außenamtes entgegennehmen musste. Die Spannungen angesichts des russischen Militäreinsatzes haben zugenommen, seit es am Wochenende zu Konfrontationen im türkischen Luftraum kam. Wie die Regierung in Ankara mitteilte, wurde der russische Botschafter einbestellt, nachdem es am Wochenende Zwischenfälle mit russischen Kampfflugzeugen gegeben hatte. So wurde am Samstag ein russisches Kampfflugzeug von türkischen Jagdflugzeugen aus dem türkischem Luftraum abgedrängt. Zudem seien türkische Kampfflugzeuge auf Patrouillenflug am Sonntag von einem nicht näher identifizierten Flugzeug des Typs MiG29 bedrängt worden.

          Die russische Seite sprach mit Blick auf den Zwischenfall vom Samstag von einem Navigationsfehler. Man habe die Angelegenheit mit Ankara geklärt, hieß es nüchtern. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte zwar, es sei unwahrscheinlich, dass es eine türkisch-russische Krise geben werde, schließlich gebe es offene Kommunikationskanäle. Er äußerte aber die kaum verhohlene Drohung, dass die türkische Luftwaffe im Zweifel auch das Feuer eröffne. Russland werde die Verantwortung für „nicht gewollte Ereignisse“ tragen müssen, die Einsatzregeln und Befehle seien klar. „Selbst ein fliegender Vogel wird abgefangen“, sagte Davutoglu.

          Washington hat Offensive gegen den IS angekündigt

          Die türkische Führung hat das militärische Eingreifen Moskaus in Syrien als schweren Fehler kritisiert. Ankara, das den Sturz Assads betreibt, unterstützt islamistische Rebellen in Syrien. Präsident Recep Tayyip Erdogan darf sich wenige Wochen vor den vorgezogenen Wahlen keine Blöße geben und Schwäche zeigen. Saudi-Arabien, das ebenfalls erzürnt ist über Putins Syrien-Operation, hat schon zu erkennen gegeben, dass es seine Unterstützung für die Assad-Gegner verstärken will. Außenminister Adel al Dschubeir sagte vergangene Woche, sein Land werde militärische Optionen unterstützen, die Assad von der Macht entfernen würden.

          Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass Riad seine Waffenlieferungen an islamistische Assad-Gegner noch einmal ausweitet – womöglich gar um schultergestützte Luftabwehrwaffen, die Washington ungern in den Händen radikaler Islamisten wüsste. Die amerikanische Regierung hat ihrerseits eine Offensive gegen den IS angekündigt. Regierungsmitarbeiter ließen die Presse wissen, im Nordosten Syriens werde die Front gegen die Dschihadisten gestärkt. Wie die „New York Times“ berichtete, sollen dreitausend bis fünftausend arabische Milizionäre von Washington „ermächtigt“, also mit Munition versorgt und womöglich bewaffnet, werden, um dann gemeinsam mit rund zwanzigtausend kurdischen Kämpfern auf die IS-Hochburg Raqqa vorzurücken.

          Präsident Barack Obama hatte angekündigt, die Luftangriffe der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition zu verstärken. Auch in Raqqa will Putin schon erfolgreich zugeschlagen haben. Es herrsche dort nach russischen Bombardements „Panik“ unter den Dschihadisten, hieß es aus dem russischen Generalstab.

          Topmeldungen

          Flüchtlinge gehen nahe Wegscheid in Bayern im Oktober 2015 hinter einem Fahrzeug der Bundespolizei her.

          Asylstreit-Kommentar : Wege gegen den Andrang

          Ankerzentren könnten für die gesamte EU Vorbild sein. Und zeigen, dass schnelle Verfahren, konsequente Rückführung und Abkommen mit den nordafrikanischen Staaten Wege sind, um den Andrang zu kanalisieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.