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Die Tuareg und Gaddafi : Einst die Herren der Wüste

  • -Aktualisiert am

Tuareg am Südrand der Sahara Bild: Marcus Kaufhold

Seit Generationen müssen sich die „Verschleierten“, die Tuareg, in der zentralen Sahara behaupten. Gaddafi half ihnen dabei. Nun gehören sie zu den wenigen Gruppen, auf die der gestürzte Diktator noch zählen kann.

          In einem großen Konvoi und begleitet von Angehörigen des Volkes der Tuareg haben sich ranghohe Anhänger des libyschen Staatschefs Gaddafi nach Niger begeben. Die Tuareg gehören zu den wenigen Gruppen, auf die der in der Hauptstadt Tripolis schon entmachtete „Bruder Oberst“ noch zählen kann, neben seinem eigenen Stamm, den Gaddafa. In Libyen selbst bilden die Tuareg eine Minderheit, die hauptsächlich in einem schmalen Streifen der westlichen Wüste siedelt oder nomadisiert, in den Regionen von Ghadames und Ghat, der im südlichen Fezzan gelegenen alten Karawanen-Stadt in der Südwestecke Libyens.

          Die Anhänglichkeit der Tuareg-Stämme zu dem libyschen Diktator erklärt sich daraus, dass der libysche Staatschef die Tuareg in ihrem Selbstbehauptungswillen fast immer unterstützt hat. Die einstigen „Herren der Wüste“, wie man sie nannte und wie sie sich auch selbst empfanden, haben seit den Tagen der französischen Kolonisation Nordafrikas und der saharischen Gebiete ihre vormals mächtige Stellung verloren. In den vergangenen Jahrzehnten klagten die Tuareg dann auch über Diskriminierung und Unterdrückung durch die Regierungen in jenen nun unabhängigen Staaten, in denen man sie antrifft: Algerien, Niger, Mali, Burkina Faso.

          Die Ureinwohner der Sahara

          Jahrhunderte lang lebten die Stämme der Tuareg, bei denen sich die Männer häufig vor den Frauen verhüllen, weshalb man sie auf Arabisch auch die „Mulaththimun“, die mit einem blauen Tuch, dem Litham, Verschleierten, nannte, vom saharischen Salz-Handel, von Zahlungen der Karawanen; bisweilen auch von Raubzügen in den zentralen Regionen der Sahara. Versuche, sie sesshaft zu machen, gelangen nicht überall gleich gut. 2007 begannen die Tuareg einen Aufstand, der den Ländern der Region nicht wenig Kopfzerbrechen bereitete, den Handel, aber auch den Sahara-Tourismus bis zu einem gewissen Grad gefährdete. Nicht zuletzt durch das Eingreifen Gaddafis – es soll damals viel libysches Geld geflossen sein – wurde der Aufstand zwei Jahre später beendet. Schon zwischen 1990 und 1995 hatten die Tuareg in Niger und Mali unter ihrem Führer Mano Dayak gegen die Zentralregierungen in Niamey und Bamako rebelliert. Bis heute fordern sie eine Teilhabe an den Gewinnen des Rohstoff-Handels, vor allem bei Uran, das insbesondere in Niger abgebaut wird.

          Die Tuareg – die Einzahl lautet Targi – verstehen sich als die Ureinwohner der Sahara. Schon in vorchristlicher Zeit prägten sie zusammen mit anderen Berber-Völkern, zu denen sie gehören, diesen Raum, der nicht immer so wüstenhaft war wie heute. Zahlreiche Felszeichnungen von Wildtieren in der Sahara legen nahe, dass Teile der Wüste in prähistorischen Zeiten einmal fruchtbar, später dann zumindest Steppe oder Savanne waren, bevor sie endgültig versandeten. Inschriften der Tuareg wie der übrigen Berber sind in einem eigenen Alphabet gehalten, der Tifinagh-Schrift.

          Ähnlichkeit mit altägyptischen Formen

          Schon im 9. Jahrhundert vor Christus gründeten die Garamanten, in denen die heutigen Tuareg, die sich selbst in ihrer Sprache Imohar oder Imazighen nennen, ihre Vorfahren sehen, ein mächtiges inner-saharisches Reich, das Beziehungen zum Ägypten der Pharaonen, später zu Karthago und Rom unterhielt. Menschendarstellungen der Garamanten haben Ähnlichkeit mit altägyptischen Formen.

          Zentrum dieses Reiches war der libysche Fezzan, das antike Fazza, wo man noch heute noch immer beeindruckenden Ruinen ihrer alten Hauptstadt Garama (heute Djerma) besuchen kann, eine bemerkenswerte archäologische Stätte inmitten der Sandwüste. Mit ihren Streitwagen drangen die Krieger der Garamanten immer wieder aus der Wüste hervor und bedrohten römische Städte wie Leptis Magna an der tripolitanischen Küste, aber auch Karthago. Im 7. nachchristlichen Jahrhundert zerschlugen die muslimischen Araber im Rahmen ihrer Eroberungen in Nordafrika das Reich der Garamanten.

          Die Tuareg wurden Muslime, haben aber bis heute auch eigene Traditionen bewahrt. Zu den größten Erforschern ihrer Kultur im 19. Jahrhundert gehörte der berühmte deutsche Afrika-Reisende und Forscher Heinrich Barth, der die Sahara fünf Jahre lang durchquerte.

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