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Im Gespräch: Asya Abdullah : „Verliert der IS Kobane, zerbricht sein Mythos“

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Asya Abdullah führt mit Salih Muslim die größte Partei der syrischen Kurden, die „Partei der Demokratischen Einheit“ Bild: privat

Die Situation in Kobane verschärft sich, der „Islamische Staat“ startet eine neue Großoffensive. Die kurdische Politikerin Asya Abdullah ist vor Ort. Ein Gespräch über mutmaßlichen Giftgaseinsatz und eine Schlacht, deren Ausgang entscheidend für das Schicksal der Region sein könnte.

          Frau Abdullah, hat eine neue Großoffensive des IS gegen Kobane begonnen?

          Seit drei Tagen sehen wir, dass die Terrormiliz IS ihre Angriffe intensiviert. Sie dauern nun seit mehr als einem Monat ohne Unterbrechung an. Inzwischen mobilisiert der IS einen Großteil seiner Kämpfer in weit entlegenen Gebieten. So werden nicht nur aus Raqqa und anderen syrischen Städten nach Kobane geschickt, sondern auch aus dem Irak. Nach Kobane werden auch besonders Panzer und schwere Waffen geschickt. Sunnitische Araber, von denen die meisten noch minderjährig sind, werden vom IS für den Kampf gegen die kurdische Bevölkerung zwangsrekrutiert.

          Wie unterscheidet sich diese Offensive von den bisherigen?

          Die Terrormiliz setzt vermehrt Sprengstoffanschläge ein. Allein in den vergangenen Tagen wurden 13 solcher Angriffe durch die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) und Volksverteidigungseinheiten (YPG) vereitelt. Fünf Anschläge dieser Art konnten nicht vereitelt werden und haben große Teile der Stadt zerstört. Mit dem enthaltenen TNT in den sprengstoffgeladenen Wagen können sie ganze Stadtteile dem Erdboden gleichmachen. Auch gab es mehr Angriffe mit Mörsergranaten, wobei immer mehr auch auf türkischem Territorium einschlagen.

          Wird Giftgas eingesetzt?

          Am Dienstagabend wurde gegen 23:10 Uhr Ortszeit im Osten des Stadtzentrums von Kobane, wo es keine Angriffe des IS gegeben hatte und der nahe an der Türkei liegt, eine unbekannte Substanz entdeckt, bei der es sich um Giftgas handeln könnte. Das sei, so Augenzeugen, aus der Türkei abgeworfen worden. Es wird gerade ermittelt, von wem. Bei etwa 30 Menschen tauchten Symptome wie Atem- und Sehbeschwerden auf, auch Schwellungen und Ausschläge. Diese Symptome hatten wir zuvor auch in einigen Dörfern um Kobane beobachtet. Da die Ärzte vor Ort nicht über die erforderlichen Ausrüstungen für die Feststellung dieser Substanz verfügen, schickten wir einige Betroffene zu Untersuchungen in die Türkei. Wir brachten sie sofort an die Grenze. Jedoch wurden diese erst am Mittwoch um 9:30 Uhr über die Grenze gelassen.

          Reichen die amerikanischen und saudischen Luftangriffe gegen Stellungen des IS jetzt aus, um die Stadt zu verteidigen?

          Die Luftangriffe sind auf jeden Fall eine wichtige Unterstützung. Aber allein mit ihnen wird dieser Kampf nicht zu gewinnen sein. Die Angriffe aus der Luft und der Kampf am Boden gegen den IS ergänzen sich und können nur gemeinsam zum Erfolg führen. Allerdings haben die Luftangriffe der Anti-IS-Koalition in den letzten drei Tagen wieder etwas abgenommen. Das hat dazu geführt, dass der IS ohne größere Schwierigkeiten weitere Teile seiner Kräfte aus umliegenden Städten wie Tell Abyad, Minbic, Ain Issa und Raqqa in das Gebiet von Kobane zusammenziehen konnte. Nur durch eine kontinuierliche Fortsetzung der Luftangriffe kann der IS nachhaltig geschwächt werden.

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