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Deutsche Dschihadisten Die Gotteskrieger vom Nil

Ägypten ist das neue Lieblingsziel deutscher Dschihadisten. Es ist eine Drehscheibe für Ausbildungslager in anderen Staaten geworden. Kairo reagiert nicht. In wenigen Tagen kommt Präsident Mursi zu Besuch nach Berlin.

© ddp images Vergrößern Ägyptische Stempel im Reisepass

Ist es nicht Zeit, dass du die Pflicht des Dschihad erfüllst? Ist es nicht Zeit, dass du deine Waffe in die Hand nimmst?“ Der Mann in der Tarnuniform, mit dem schwarzen Vollbart und dem Gewehr auf dem Rücken ist Abu Usama Al-Gharib. Gott sei gepriesen, ruft er auf Arabisch. Immer dann, fährt er auf Deutsch fort, wenn die Mudschahedin die Ungläubigen abschlachteten, wenn eine Kugel den Feind treffe.

Es sind solche Hasspredigten, die Mohamed Mahmoud, wie der Mann aus dem Video heißt, bekanntgemacht haben. Der Österreicher mit ägyptischen Wurzeln hatte von 2007 bis 2011 für seine Aufforderung zur Gewalt, die er unter der Marke Globale Islamische Medien Front (GIMF) verbreitete, eine Haftstrafe in Österreich abgesessen. Nach deren Verbüßung ging er nach Deutschland, scharte in Solingen eine Gruppe radikaler Anhänger um sich und warb weiter für den Heiligen Krieg gegen Ungläubige und Kreuzzügler. Sein salafistischer Verein „Millatu Ibrahim“ wurde im Juni vergangenen Jahres von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich verboten. Seiner Ausweisung kam Mahmoud zuvor, indem er mit seiner Frau, der Konvertitin Miranda K., vom hessischen Erbach nach Ägypten zog.

Die ersten Märtyrerinnen

Mahmoud folgten zahlreiche Anhänger, viele mit ihren Frauen und Kindern. Rund zwei Dutzend halten sich heute in Ägypten auf. Zwei Frauen kamen Ende Oktober vergangenen Jahres bei einem Verkehrsunfall ums Leben, als ein Reisebus sich überschlug. Eine war die Frau des Konvertiten „Abu Dawud“, der in Solingen gepredigt hatte. In einem Schreiben der Salafistengruppe im Internet wurden die Frauen als die „ersten Märtyrerinnen von Millatu Ibrahim“ bezeichnet. Sie hätten sich geweigert, „unter den kreuzzüglerischen Götzenanbetern in Deutschland zu leben“.

Mahmoud wohnte zuerst bei seinen Eltern, dann zog er mit Anhängern in den Nordosten Libyens. Er soll sich in Darna, knapp 300 Autokilometer von Benghasi, aufgehalten haben, in einer Gegend, wo islamistische Milizen das Sagen haben. Ursprüngliches Ziel der Gruppe soll Nord-Mali gewesen sein, wo Islamisten den Staat Azawad ausgerufen hatten. Doch die 3000 Kilometer weite Reise durch die Wüste war für die Gruppe aus Deutschland zu schwer - ob zwei, die dennoch losgezogen sein sollen, je ankamen, ist ungewiss.

Gewaltverherrlichende Gedichte und islamistische Kampflieder

Mahmoud, der von seinen Anhängern als Emir betrachtet werden will, hat seine Medienarbeit wiederaufgenommen, er will sich als propagandistische Schlüsselfigur der Al Qaida verbundenen Gruppen für Deutschland etablieren. In seinem Gefolge ging auch Denis Cuspert nach Ägypten. Der ehemalige Gangsta-Rapper aus Berlin, der als Deso Dogg bekannt wurde und wegen Rauschgiftdelikten verurteilt worden war, hat sich nach einer Blitz-Radikalisierung zum militanten Islamisten gewandelt. Heute verbreitet er als „Abu Talha al-Amani“ im Internet gewaltverherrlichende Gedichte und islamistische Kampflieder. Mittlerweile sei Cuspert zum Kämpfen nach Syrien gegangen, heißt es in Sicherheitskreisen.

Ebenfalls nach Ägypten gereist ist Sven Lau, ein Konvertit aus Mönchengladbach und ehemals Vorsitzender des Vereins „Einladung zum Paradies“, der in Mönchengladbach ein salafistisches Zentrum eröffnen wollte. Er arbeitet mittlerweile beim „Easy Language Center“ in Alexandria. Die Schule ruft zum Arabischlernen auf, um den Islam und den Propheten wirklich zu verstehen, und nicht „eine verwässerte, schwache deutsche Übersetzung“ lesen zu müssen.

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