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Kampf gegen den IS : Der nächste Notfall

Dort ist der Feind: Kämpfer gegen den IS nahe Sirte in Libyen Bild: Reuters

Der „Islamische Staat“ expandiert jetzt vor allem in Libyen. Die Taktik gleicht der in Syrien: Er nutzt die Wirren des Bürgerkrieges.

          Die Aufrufe werden eindringlicher. In der jüngsten Ausgabe des Propagandamagazins „Dabiq“ wirbt Abul Mughirah al Qahtani, der als so etwas wie der Sondergesandte des „Islamischen Staates“ (IS) in Libyen vorgestellt wird, um Reisewillige. „Der ,Islamische Staat‘ hier in Libyen ist noch jung. Er kann jeden Muslim, der kommt, dringend gebrauchen“, sagte er. Zusätzlich zu Kämpfern seien vor allem medizinisches Personal und Fachleute für Verwaltung und die Durchsetzung der Scharia gefragt. Die Begründung für die Wichtigkeit der Mission: Libyen liege an einer Schnittstelle zwischen Afrika und Europa. Es verfüge über Ressourcen, „die nicht austrocknen“. Wenn der IS das libysche Öl und Gas kontrolliere, dann würde Europa, vor allem Italien, wirtschaftlich zusammenbrechen. Während der IS in der Levante unter zunehmenden militärischen Druck gerät, baut er seine Präsenz in Libyen aus.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Die italienische Regierung will angesichts dieser Bedrohung Mitte Dezember ein Libyen-Gipfeltreffen abhalten. Sie schlägt schon länger Alarm, schließlich ist das libysche Herrschaftsgebiet des IS nur ein paar hundert Seemeilen von der Küste Siziliens entfernt. Als Regierungschef Matteo Renzi Ende November nach den Anschlägen von Paris mit dem französischen Präsidenten François Hollande über den Kampf gegen den IS beriet, sagte er, Libyen werde wahrscheinlich der „nächste Notfall“ sein.

          Die IS-Führung in Syrien und im Irak betrachtet das nordafrikanische Land als die beste Möglichkeit zu expandieren, wie es in einem Bericht der Vereinten Nationen heißt. Demnach bestehen engere Verbindungen in die libyschen „Provinzen“ als zu Gruppen in anderen Ländern, die dem selbsternannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi die Treue geschworen haben. Mehrere hohe Funktionäre haben sich schon in Libyen eingefunden.

          Schon etwa dreitausend IS-Terroristen in Sirte

          In der Küstenstadt Sirte herrschen die Männer Bagdadis schon seit dem Frühjahr, sie kontrollieren einen Küstenstreifen um den einstigen Heimatort des 2011 gestürzten und getöteten Gewaltherrschers Muammar al Gaddafi. Wie im levantinischen Kernland wird die Bevölkerung drangsaliert und muss Zwangsabgaben entrichten. Es gibt öffentliche Enthauptungen und Kreuzigungen, Zigaretten sind verboten, ebenso Musik. Stattdessen tönen im Rundfunk der Kalif und seine Propagandaabteilung, nach deren Worten Sirte zu einem neuen Raqqa werden soll. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind schon etwa dreitausend IS-Terroristen in Sirte. Anwohner und libysche Mitarbeiter der Führung in Tripolis berichten von regem Zuzug neuer Kämpfer, die sogar ihre Familien mitbrächten.

          Nach einem Bericht der „New York Times“ reiste einer der wichtigsten IS-Kommandeure, Abu Ali al Anbari, mit dem Schiff über das Mittelmeer nach Libyen, um den Aufbau des neuen Herrschaftsgebiets voranzubringen. Er ist wie viele IS-Anführer ein früherer Offizier aus dem Saddam-Hussein-Regime – und damit ein Spezialist in Infiltration und Unterwerfung. Lastwagenfahrer, die etwa einen Monat Geiseln des IS waren, berichteten der Zeitung, in Sirte und Umgebung wimmele es von ausländischen Extremisten.

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          Es seien Tunesier, Jemeniten und Sudanesen, die von Irakern kommandiert würden. Einer berichtete erstaunt, dass der IS über ein sehr gut funktionierendes Spionagenetz verfüge, das auch in die Stadt Misrata reiche, deren Milizen den IS bekämpfen. Die Extremisten seien bestens über seine Familienmitglieder informiert gewesen.

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