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Offensive gegen den IS : Operation Euphrat

Türkische Truppen an der Grenze zu Syrien. Bild: AP

Die türkische Armee hat die Regierung in Ankara stets vor einem militärischen Eingreifen in Syrien gewarnt. Dass nun trotzdem die Panzer rollen, hat zwei Gründe. Ein Kommentar.

          Die Türkei hatte lange gezögert, direkt in den Krieg im Nachbarland Syrien einzugreifen. Zwar hatte Ankara seine Hände stets im Spiel und unterstützte etwa die Gruppen, die den Sturz des syrischen Machthabers Assad wollen. Immer hat die türkische Armee die zivile Führung in Ankara aber vor einem direkten militärischen Eingreifen gewarnt.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Dass dies jetzt geschieht, hat zwei Gründe: Der Terror, mit dem der IS die Türkei überzieht, und die Notwendigkeit, jenseits der Grenze einen kurdischen Korridor zu verhindern. In der Pufferzone um die Stadt Dscharabulus, um die jetzt gekämpft wird, soll nicht länger der IS geduldet werden; vielmehr will die Türkei dort der „Freien Syrischen Armee“ zu einer Renaissance verhelfen.

          Türkischer Geheimdienstchef in Damaskus

          Seit diesem Sommer zeichnet sich eine aktivere Außenpolitik der Türkei ab, mit auffälligen Verschiebungen. So hat Präsident Erdogan erst die Normalisierung mit Israel gesucht, dann mit Russland. Seit Erdogans Besuch beim russischen Präsidenten Putin vor zwei Wochen spielt die Türkei in Syrien eine aktivere Rolle – militärisch mit der laufenden Operation „Schild Euphrat“, politisch mit einer Annäherung an Moskaus Position zu Assad. So soll der türkische Geheimdienstchef seither Damaskus besucht haben.

          Die neue türkische Außenpolitik geht auf einem schmalen Grat: Einerseits sehen Russland, die Türkei und Iran immer mehr gemeinsame Interessen; andererseits geschieht die türkisch-israelische Annäherung in einer Geschwindigkeit, die einen vergessen lässt, dass noch gestern zwischen den beiden Ländern fast ein kalter Krieg geherrscht hatte. Einerseits empfängt Erdogan den amerikanischen Vizepräsidenten Biden; andererseits denkt Ankara laut darüber nach, den Luftwaffenstützpunkt Incirlik, von dem aus amerikanische Flugzeuge gegen den IS fliegen und wo bis vor kurzem amerikanische Atomwaffen gelagert waren, Russland zu öffnen.

          Sollte Washington nun nicht den Prediger Gülen an Ankara ausliefern, würde Amerika den Zorn der Türkei noch mehr zu spüren bekommen als Deutschland nach der Verabschiedung der Resolution zum Völkermord an den Armeniern. Die Türkei richtet ihre Außenpolitik neu aus. Dabei ist zu fragen, wie ernst es ihr mit der Mitgliedschaft in der Nato noch ist. Der Besuch Bidens in Ankara zu Beginn der Operation „Schild Euphrat“ ist daher ein positives Zeichen.

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