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Damaskus : In einer gespaltenen Stadt

Ein Anschein von Normalität: Die Ladenstraße im Damaszener Stadtteil Midan, der eine Hochburg der radikalen islamistischen Opposition ist Bild: Rainer Hermann

In Teilen von Syriens Hauptstadt scheint das Leben ganz normal weiterzugehen. Aber in den Vierteln, die schon vor dem Aufstand trostlos waren, ist der Krieg Alltag.

          „Seid ja vorsichtig“, sagt der Soldat an der Straßenkontrolle, bevor er den Weg freigibt. Er steht neben aufgeschichteten Sandsäcken, eine Maschinenpistole hängt über seiner Schulter. Die Innenstadt von Damaskus liegt nur wenige Minuten entfernt. Dort pulsiert das Leben weiter in einem fast normalen Rhythmus. Autos schieben sich durch den Stau, Menschen kaufen ein. Nur wenige Kilometer östlich des Zentrums beginnt in Ain Terme eine andere Welt: Vor drei Monaten hat hier im Schatten der großen Moscheekuppel eine der ersten großen Schlachten zwischen der regulären Armee und der aufständischen Freien Syrischen Armee stattgefunden. Mauern sind durchlöchert, Fensterscheiben zerborsten.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          In Kafr Batna, dem nächsten Vorort, sind die Straßen nahezu menschenleer. Auch tagsüber steht das Leben still, obwohl kein Streik ausgerufen wurde. In der Ladenzeile sind die von Kugeln durchsiebten Rollläden nach unten gezogen. An einer Straßenecke ist ein Panzer in die Erde eingegraben. Am Vortag wurde hier eine Gruppe von Soldaten entführt, ihre ausgebrannten Militärbusse stehen am Straßenrand. Hinter den Kulissen laufen die Verhandlungen über einen Austausch der Soldaten gegen festgenommene Rebellen. Die Wände sind vielfach überstrichen worden. An einer Stelle schimmert die Losung „Baschar stürze!“ durch den neuen Anstrich, an einer anderen: „Die Stunde null“. Auch hier ermahnt ein junger Soldat an einer Straßensperre: „Seid ja vorsichtig.“ Auf der Straße bewegt sich kaum ein anderes Auto. Am Straßenrand sitzen einzelne Männer auf Plastikstühlen.

          Aufruf zum Generalstreik per Facebook

          Wir erreichen Saqba, den nächsten Vorort, einst das Zentrum der syrischen Möbelhandwerker. Sie sind ohne Arbeit, seit ein Freihandelsabkommen mit der Türkei ihren Betrieben den Todesstoß versetzt hat - und haben sich auch deshalb dem Aufstand angeschlossen. Von Saqba aus führt die Straße weiter nach Bait Sawwa, doch dort wird auch tagsüber gekämpft - während in den meisten anderen Vorstädten von Damaskus nur nachts geschossen wird. Also biegen wir links ab nach Arbeen und Harasta, in zwei weitere Zentren des Aufstands gegen das Regime von Präsident Baschar al Assad. In Harasta ist entlang der Hauptverkehrsstraße damit begonnen worden, einige Spuren der Zerstörung zu beseitigen. An einer weiteren Straßenkontrolle, die alle wenige hundert Meter errichtet sind, ist zu hören, wie ein Vorgesetzter den nervösen Soldaten per Funk beruhigt: „Bei diesem Auto keine Angst.“ Vielleicht überwacht der Offizier die Straße von einem Dach aus. Auf jeden Fall tummeln sich auf den Dächern Heckenschützen beider Seiten.

          Zeugen eines Versagens des Staates: Auf dem Weg in den Damaszener Vorort Harasta Bilderstrecke

          In trostlosen sunnitischen Vorstädten wie Ain Terme, Kafr Batna, Saqba, Bait Sawwa, Arbeen und Harasta leben Millionen junger Syrer. Diese Orte tragen die größte Last des gewaltigen Bevölkerungswachstums, und sie sind Zeugen eines Versagens des Staates. Die Häuser dort sind illegal errichtet worden, weil die ineffziente und korrupte Bürokratie nicht in der Lage war, auf Bauanträge zu reagieren. Dem Staat war es einfach gleichgültig, wo und wie diese Menschen lebten. Nun bekämpfen sie ihn.

          Auch in Douma weiter im Norden wird gekämpft, also geht es zurück in Richtung Zentrum nach Midan. Von diesem Stadtteil aus waren über Jahrhunderte Pilger nach Mekka aufgebrochen. Sie deckten sich entlang der Einkaufsstraße bei den vielen Händlern ein, die aus ganz Syrien hierher gezogen waren. Vergangene Woche waren dort alle Geschäfte acht Tage geschlossen. Die Besitzer befolgten - ob freiwillig oder nicht - einen Aufruf zum Generalstreik, den der radikale syrische Scheich Sari al Rifai aus seinem saudischen Exil per Facebook angeordnet hatte.

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