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Extremismus in Israel : Tödliche Eskalationsspirale

Nach dem Brandanschlag auf eine palästinensische Familie: Ein rechter jüdischer Aktivist protestiert Ende Dezember gegen die Verhörmethoden des israelischen Geheimdienstes nach der Festnahme verdächtiger religiöser Extremisten. Bild: AFP

Der Brandanschlag in Duma auf eine palästinensische Familie hat die Nationalreligiösen in Israel erschüttert. Sie streiten über jüdischen Terrorismus und ihr eigenes Verhältnis zum Staat. Dabei ist Duma kein Einzelfall.

          Aharon Katsof spricht lieber über Wein als über Politik. Unten im Tal zwischen den weißen Wohncontainern und dem benachbarten arabischen Dorf liegt der Weinberg des jungen Siedlers. „Mein Cabernet Sauvignon gedeiht hier gut. Die großen Kellereien in Israel können nicht genug von unseren Trauben bekommen“, sagt der Israeli mit der blauen Baseballkappe auf dem Kopf und der Pistole am Gürtel. Katsof zog aus Tel Aviv nach Esch Kodesch, wo er für seine Frau und die fünf Kinder gerade ein Haus baut.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Siedlung ganz oben auf einem steinigen Hügel ist nach israelischem Recht illegal. Vor 16 Jahren ließ sich dort eine Gruppe junger Siedler nieder, ohne auf die vorgeschriebene Genehmigung der Armee zu warten. Ein halbes Dutzend solcher „unautorisierter“ Siedlungen gibt es in der Umgebung von Schilo, einer Gegend, die seit dem Sommer aus einem anderen Grund weit über das Westjordanland hinaus Aufmerksamkeit erregte.

          Um keine Antwort verlegen

          Von Esch Kodesch ist es nicht weit in das arabische Dorf Duma. In der Nacht des 30. Juli 2015 warf Amiram Ben-Uliel dort einen Brandsatz in das Schlafzimmer der palästinensischen Familie Dawabscheh. Die Eltern und ihr eineinhalb Jahre alter Sohn kamen ums Leben. Der Anschlag des 21 Jahre alten jüdischen Extremisten schockierte Israelis und Palästinenser und fachte eine neue Welle der Gewalt an. Vor seiner Tat wohnte Amiram Ben-Uliel in Adei Ad, einem Außenposten an der schmalen Straße nach Esch Kodesch. In der Gegend hatte der Anfang Januar wegen Mordes angeklagte Attentäter nach Erkenntnissen des israelischen Geheimdienstes mehrere Dutzend Unterstützer und Sympathisanten, die sich aus der radikalen „Hügeljugend“ rekrutierten.

          „Wir haben damit überhaupt nichts zu tun. Wir haben Amiram Ben-Uliel zum ersten Mal in den Nachrichten gesehen. Trotzdem versucht man jetzt, uns alle schlecht dastehen zu lassen“, sagt Aharon Katsof. Gewöhnlich sind Siedler wie er um keine Antwort verlegen, wenn es um ihre Rechte auf das Land geht, auf dem sie leben.

          „Wir lieben diesen Ort.“

          Doch seit bekannt wurde, dass die Attentäter von Duma aus den Reihen radikaler Siedler kamen, fühlen sie sich unter einen Generalverdacht gestellt und wollen oft mit niemandem mehr sprechen. Katsof zögert nicht, den Anschlag zu verurteilen. Aber wenn er von Terroristen spricht, dann nennt er als Beispiel die Palästinenser, die im vergangenen Juni an der Kreuzung unterhalb von Esch Kodesch einen jungen Israeli erschossen. Wie Katsof lassen sich die wenigen Bewohner in Esch Kodesch, die bereit sind zu reden, auf keine Diskussion darüber ein, ob es auch jüdischen Terrorismus gibt.

          Die Narben bleiben ein Leben lang: Der kleine Ahmed Dawabsha und seine Großmutter
          Die Narben bleiben ein Leben lang: Der kleine Ahmed Dawabsha und seine Großmutter : Bild: AFP

          „Alle Menschen sollten einander respektieren. Niemand sollte erstochen oder verbrannt werden“, sagt Zipora Aloni. Vor ihrem Wohncontainer hat die 33 Jahre alte Frau Turnseile aufgehängt. Sie ist Zirkusakrobatin und bringt den Kindern in der Siedlung kleine akrobatische Kunststücke bei. Aloni zog erst vor vier Monaten mit ihrer Familie aus einer größeren Siedlung nach Esch Kodesch. „Wir lieben diesen Ort. Hier gibt es viel Platz. Die Landschaft ist wunderschön“, sagt die schwangere Mutter von zwei Kindern.

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