Home
http://www.faz.net/-gq9-75ecv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Brahimi in Moskau Russland setzt weiter auf politische Lösung in Syrien

Der Syrien-Sondergesandte Brahimi hat sich in Moskau mit dem russischen Außenminister Lawrow zu Beratungen über Syrien getroffen. Während Brahimi vor einer „Hölle“ in dem Land warnte, sieht Lawrow noch immer eine Verhandlungslösung als möglich an.

© Reuters Vergrößern Der UN-Sondergesandte für Syrien, Lakhdar Brahimi; und der russische Außenminister Sergej Lawrow am Samstag in Moskau

Russland sieht weiter Chancen für eine politische Lösung des Syrien-Konflikts. Trotz der Eskalation der Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen sei eine Verhandlungslösung nach wie vor möglich, sagte Außenminister Sergej Lawrow nach einem Treffen mit dem Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi am Samstag in Moskau. Brahimi sagte, Syrien habe derzeit die Wahl zwischen der „Hölle und einem politischen Prozess“.

„Wir sind uns einig, dass die Chancen für eine politische Lösung noch immer bestehen“, sagte Lawrow in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Brahimi. Über Baschar al-Assads politisches Schicksal sagte Lawrow, Syriens Präsident habe mehrfach gesagt, dass er „bis zum Ende“ an der Macht bleiben wolle und nicht plane sich zurückzuziehen. „Es gibt keine Möglichkeit, diese Haltung zu ändern.“

Opposition sagt Gespräche in Moskau ab

Lawrow zeigte sich „überrascht“ über die Reaktion der syrischen Opposition auf eine Einladung aus Moskau zu Gesprächen über den Konflikt. Das wichtigste Oppositionsbündnis, die Syrische Nationale Koalition, hatte am Freitag erklärt, das Bündnis werde nur an Verhandlungen teilnehmen, wenn diese in einem arabischen Land stattfänden und es eine „klare Tagesordnung“ gebe.

Der Chef der Syrischen Nationalen Koalition, Ahmed Moas al-Chatib, hatte zudem von Moskau eine Entschuldigung für die bisherige Unterstützung Assads gefordert, bevor an ein Treffen in Moskau zu denken sei. Lawrow zeigte sich davon unbeeindruckt: Al-Chatib sei nicht „sehr gewandt in der Politik“; vielleicht könne er davon profitieren, Moskaus Haltung nicht aus den Medien, „sondern direkt von uns zu hören“, sagte der russische Außenminister.

Die für Anfang kommenden Jahres geplante Geberkonferenz für Syrien soll nach Angaben des UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon am 30. Januar in Kuwait stattfinden. Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um das „Leiden von Millionen Menschen in Syrien und in den Nachbarländern zu lindern“, sagte Ban am Samstag. Er sei vor allem wegen des Winters „zutiefst besorgt“ angesichts der sich rasch verschlechternden humanitären Lage in Syrien. Die UNO benötigt nach eigenen Angaben umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro, um den syrischen Flüchtlingen und weiteren Syrern, die von dem Konflikt betroffen sind, zu helfen.

Akuter Medikamentenmangel

Die Medikamenten-Produktion in Syrien ist nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fast zum Erliegen gekommen. DRK-Präsident Rudolf Seiters sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag, vor dem Beginn des Konflikts im März 2011 seien in Syrien 90 Prozent der Medikamente im eigenen Land hergestellt worden. Zum größten Teil gebe es diese Produktion nicht mehr. Frauen und Kinder seien am stärksten von der Not betroffen. Das DRK habe bisher mehr als 5000 syrische Familien mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt und helfe weiterhin.

Syrische Regierungstruppen eroberten am Samstag einen von Aufständischen kontrollierten Stadtteil der umkämpften Stadt Homs offenbar zurück. Wie die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, zogen sich die Aufständischen aus Deir Baalbeh im Norden von Homs nach heftigem Bombardement zurück. Den Einwohnern des seit Monaten belagerten Viertels mangele es an allem.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Angriffe gegen Islamischen Staat Moskau gegen Luftschläge Washingtons in Syrien  

Obamas Ankündigung, die amerikanischen Luftschläge gegen die Terrormiliz Islamischer Staat auf Syrien auszuweiten, wertet Russland als einen Akt der Aggression. Berlin schließt eine deutsche Beteiligung aus. Mehr

11.09.2014, 14:23 Uhr | Politik
Flüchtlinge sollen beschossen worden sein

Ein Bus-Konvoi mit Flüchtlingen aus der ostukrainischen Stadt Luhansk soll bei einem Raketenangriff der prorussischen Separatisten getroffen worden sein. Unterdessen sagt der russische Außenminister Sergej Lawrow, es gebe es im Bemühen um eine politische Lösung des Konflikts keine Fortschritte. Mehr

18.08.2014, 14:07 Uhr | Politik
Ukraine-Krise Russland: Sanktionen schädigen den Friedensprozess

Moskau reagiert empört auf die verschärften Sanktionen der EU und Amerikas. Im Gegenzug könnte das Land Einfuhrbeschränkungen für Autos, Kleidung und Medikamente aus dem Westen verhängen. Mehr

12.09.2014, 17:40 Uhr | Wirtschaft
Kerry und Lawrow uneins über die Ukraine

Der amerikanische Außenminister John Kerry hat den Abzug russischer Truppen an der Grenze zur Ukraine gefordert. Dies sei die Voraussetzung für jeden echten Fortschritt bei der Lösung der Krise, sagte Kerry nach einem vier Stunden langen Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow in Paris. Mehr

31.03.2014, 10:24 Uhr | Politik
Vorwürfe gegen den Westen Des Kremls neue Militärdoktrin

Ob in der Ukraine oder beim Islamischen Staat: Moskau sieht hinter allem Bösen den Westen. Das wirkt sich auch auf die neue russische Militärdoktrin aus, die bis Ende des Jahres fertig sein soll. Mehr

06.09.2014, 14:22 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.12.2012, 14:36 Uhr

Auf der Flucht

Von Jasper von Altenbockum

Asylsuchende aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegovina können nun leichter abgeschoben werden. Die Missstände der deutschen Flüchtlingspolitik wird das aber nicht beenden. Mehr 38 19