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Veröffentlicht: 21.04.2016, 22:23 Uhr

Obama und Arabien Gegenseitiges Unbehagen

Obamas Besuch im Golfkooperationsrat zeigt vor allem eins: Amerika spielt bei den Übergangsprozessen in Arabien kaum noch ein Rolle. Das Ende der Zusammenarbeit ist das aber noch lange nicht. Ein Kommentar.

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© dpa Der amerikanische Präsident Obama mit den Monarchen des Golfkooperationsrats am Donnerstag in Riad.

So kühl ist noch kein amerikanischer Präsident in Saudi-Arabien empfangen worden. Barack Obama hätte sich seine vierte Reise als Präsident nach Riad sparen können. Denn die sechs Monarchen des Golfkooperationsrats, an dessen Gipfeltreffen er am Donnerstag teilnahm, erwarteten von ihm nicht einmal mehr Zusicherungen für ein amerikanisches Engagement. Obama kam denn auch mit leeren Händen, ohne eine neue amerikanische Politik für den Nahen Osten. So teilen die Golfmonarchen Obama nur noch mit, was sie von nun an selbst unternehmen. Im Nahen Osten hat ein schmerzhafter Übergangsprozess in eine neue, postkoloniale Ordnung eingesetzt, und Amerika spielt dabei kaum mehr eine Rolle.

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Zu weit liegen die Positionen auseinander: Da ein amerikanischer Präsident, der auf Diplomatie setzt und auch Feinden wie Iran die Hand ausstreckt, dort arabische Monarchen, die ihren Führungsanspruch auch mit militärischen Mitteln durchsetzen wollen.

Vielen Golfarabern kann das Ende der Präsidentschaft Obamas nicht schnell genug kommen. Dabei wird es auch nach Obama keine Rückkehr zu der Formel geben, die das Verhältnis beider seit siebzig Jahren bestimmt hat: Amerika garantiert die Sicherheit der Ölmonarchien, und die stabilisieren im Gegenzug den globalen Energiemarkt.

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Denn zum einen verkörpert Obama die Mehrheitsmeinung in weiten Teilen der amerikanischen Gesellschaft gegenüber der arabischen Welt. Teile seiner Demokratischen Partei würden mit den Golfmonarchen härter umgehen. Das zeigt ein demokratischer Gesetzesentwurf im Kongress, der es amerikanischen Hinterbliebenen der Opfer von 9/11 möglich machen soll, gegen die saudische Regierung zu klagen. Saudi-Arabien hat für diesen Fall angekündigt, einen Teil seiner amerikanischen Staatsanleihen im Wert von 750 Milliarden Dollar auf den Markt zu werfen. Zum anderen nimmt auch unter den Golfarabern die Sorge zu, dass es für sie unter einem künftigen Präsidenten und dem nächsten Kongress noch viel schlimmer kommen kann, sollte etwa Donald Trump auf Obama im Weißen Haus folgen.

Der GCC übernimmt die Rolle Amerikas

Groß ist aber auch das saudische Unbehagen gegenüber Obama. Denn der macht sich nicht die saudische Sicht der Welt zu eigen, was das Haus Saud aber erwartet, nachdem es Amerika bei früheren Krieg im Nahen Osten und in Nordafrika unterstützt hat und damit Risiken eingegangen ist. Noch größer ist allerdings das Unbehagen vor dem ungehobelten Trump. Für Saudi-Arabien und die anderen Monarchien heißt es daher: Jetzt handeln, Tatsachen schaffen.

Die amerikanische Dominanz am Golf nimmt ab. Amerika war 1971 in die Lücke gesprungen, die entstanden war, als sich Großbritannien vom Golf zurückgezogen hatte. Zehn Jahre später gründeten die sechs Golfmonarchien mit dem Ziel den Golfkooperationsrat (GCC), die Arabische Halbinsel vor dem revolutionären Iran zu schützen. Nun, mit dem schrittweisen Rückzug Amerikas, füllt der GCC das neue Vakuum. Im Vordergrund steht weiter, den Aufstieg Irans zur Hegemonialmacht zu verhindern. Das hat für den saudischen König Salman höchste Priorität, nicht aber für Präsident Obama. Daran wird der GCC gemessen. 

Amerika zieht sich zwar aus dem Nahen Osten zurück, aber nicht ganz. Die Realität deckt sich nicht mit der Rhetorik, denn Amerika und die Golfaraber brauchen sich weiter gegenseitig. Die Vereinigten Staaten werden bei Energie zwar autark sein, mehr als 40 Prozent ihrer Importe beziehen sie aber aus Ländern, die vom Erdöl der Golfstaaten abhängig sind. Zudem hat Saudi-Arabien heute dank amerikanischer Rüstungsgüter einer der größten Verteidigungshaushalte überhaupt; in kein Land liefert Amerika mehr Waffen. Vor allem aber arbeiten die Geheimdienste im Kampf gegen den Terror eng zusammen und tauschen Informationen aus. Prognosen über ein Ende der Zusammenarbeit zwischen Amerika und den Golfmonarchien sind daher – trotz der zunehmenden Entfremdung – verfrüht.

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