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Ausländer in Israels Armee : Dienen und Sterben für ein fremdes Land

Einsam nur im Kampf: Beerdigung des amerikanischen Soldaten Max Steinberg im Juli 2014 in Jerusalem Bild: ddp Images

In Israel kämpfen mehr als 3000 Ausländer freiwillig in der Armee, darunter auch Deutsche. Um das Wohlbefinden der „einsamen Soldaten“ kümmern sich viele. Doch Hilfe brauchen oft auch einheimische Armeeangehörige.

          Fünf Tage nach seiner letzten Abiturprüfung saß Gerry Markovich im Flugzeug nach Tel Aviv. Als die anderen den Abschluss feierten, wurde der Achtzehnjährige aus Frankfurt schon von seinen israelischen Ausbildern gedrillt. Und während seine Klassenkameraden um die Welt reisten, ging er im Westjordanland auf Patrouille. „Ich war superstolz, als Jude aus Deutschland die israelische Uniform zu tragen. Besonders beim Morgenappell mit der israelischen Nationalhymne“, sagt Gerry Markovich, der heute 21 Jahre alt ist und in Heidelberg Betriebswirtschaftslehre studiert.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Vierzehn Monate lang diente er in der Kfir-Brigade der israelischen Infanterie. Er wusste, worauf er sich einließ. Die meiste Zeit war seine Einheit in den Palästinensergebieten im Einsatz. Doch Gerry Markovich wollte nicht, dass er es leichter hat als seine israelischen Kameraden. „Das war kein Zuckerschlecken. Es gab sehr harte Situationen“, erinnert er sich. Wenn Steine gegen Israelis flogen, riegelte seine Truppe die Einfahrten palästinensischer Dörfer ab. Sie rückten bei Demonstrationen aus und nachts, um Autodiebe oder gesuchte Hamas-Mitglieder festzunehmen. „In Israel geht es nicht ohne das Militär. Den Staat gibt es nur, weil die Armee stark ist“, sagt er. Die „Israelischen Verteidigungskräfte“ – so heißen die Streitkräfte – seien dazu da, Israel zu schützen, nicht um Angriffskriege zu führen.

          Gerry Markovich war klar, wen er beschützen wollte. Das Land ist ihm vertraut, seit er ein Kind war. Seine Großeltern leben in der Nähe von Tel Aviv. Die Sicherheit seiner israelischen Verwandten und sein Großvater spielten bei seiner Entscheidung eine wichtige Rolle. „Mein Opa war im Konzentrationslager und half danach, Israel aufzubauen. Ich wollte als israelischer Soldat meinen eigenen Beitrag leisten“, sagt der Student. Das ist für viele Israelis nicht selbstverständlich. Als er einmal seine Großeltern besuchte, hatten sie eine fast neunzig Jahre alte Freundin zu Gast. Kaum sah sie ihn, sprang sie auf und salutierte mit Tränen in den Augen. Der Anblick des Deutschen in der israelischen Uniform hatte die Frau, die den Holocaust überlebte, tief gerührt.

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          In Israel gehört der Anblick von Soldaten, die ihre Gewehre auf den Straßen locker über der Schulter tragen, zum Alltag. Männer müssen drei Jahre und Frauen zwei Jahre zur Armee. In Deutschland, wo die Wehrpflicht abgeschafft ist, sehen dagegen viele das Militär kritisch. „Aber es bewirkt auch viel Positives. Die Armee macht Achtzehnjährige reifer als ihre deutschen Altersgenossen. Ich bin anders zurückgekommen“, sagt der ehemalige israelische Soldat. Fürs Erste ist er nach Hause zurückgekehrt. Aber er kann sich vorstellen, eines Tages in Israel zu leben.

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          „Einsame Soldaten“ werden Ausländer wie der junge Deutsche genannt, die zum Militärdienst nach Israel kommen. Einsam, weil sie Eltern und Geschwister zurücklassen und oft gar keine Angehörigen in Israel haben, die sich um sie kümmern können. „Ich wurde super behandelt“, sagt Gerry Markovich. Der junge Deutsche gehört zu den fast 3500 Ausländern, die sich im vergangenen Jahr zum Dienst an der Waffe meldeten – um danach nach Hause zurückzukehren oder sich später in Israel niederzulassen. Sie kommen aus 70 Ländern, ein Drittel sind Frauen.

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