Home
http://www.faz.net/-gq9-7528w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Aufstrebende Golfstaaten Sorgen am Golf

Kleine Golfstaaten wie Dubai oder Qatar schreiben arabische Geschichte. Ihre Erfolgsmodelle werden aber durch Iran und die instabile arabische Welt gefährdet.

© AFP Vergrößern Erfolgsmodell Emirate: Premierminister Cameron besucht Abu Dhabi

Die arabischen Staaten der Krisen und Konflikte ziehen einmal mehr die Blicke der Welt auf sich: In Syrien nimmt das Blutvergießen kein Ende, Ägypten verschleißt sich in einem Machtkampf zwischen den neuen Machthabern und dem alten Regime. Aus dem Sichtfeld fallen die kleinen Golfstaaten. Unverändert schreiben sie aber als Erfolgsmodelle arabische Geschichte. Dubai hat an das Wachstum vor dem Ausbruch seiner Immobilienkrise angeknüpft, zieht wieder mit seiner Offenheit das Talent und Kapital der arabischen Krisenländer an; Qatar ist mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2022 zur Boomstadt am Golf aufgestiegen und hat seine Hände in vielen Konflikten: In Ägypten unterstützt es Präsident Mursi und die Muslimbrüder, in Syrien die bewaffneten und die unbewaffneten Rebellen.

Rainer Hermann Folgen:  

Das alte Arabien trägt unverändert schwer an seiner von Ideologien beladenen Geschichte der Konfrontationen. Nicht länger frei von Ängsten und Sorgen ist auch das neue Arabien am Golf. Als weiter größte Gefahr für die Vereinigten Arabischen Emirate (und die ganze Region) bezeichnet Anwar Gargash, der intellektuelle Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, das iranische Atomprogramm. Dabei könnten die Golfstaaten die Ereignisse gar nicht beeinflussen. Was immer jedoch in Teheran, Washington und Israel entschieden werde, beeinflusse die Golfaraber.

Erschwert werde das Verhältnis zur Islamischen Republik dadurch, dass sie sich einmal als Staat verhalte und die Souveränität anderer Staaten respektiere, das andere Mal aber – wenn sie ihre Botschaft verbreite und sich jenseits ihrer Grenzen Einflusssphären verschaffe – als Revolution. Dann wird es schwer, mit Iran umzugehen. Dies ist auch der Fall im Umgang mit den drei emiratischen Inseln, die Iran seit 1971 besetzt hält. Die Emirate wollen den Konflikt friedlich und an internationalen Gerichten lösen. „Denn die Herrschaft des Rechts ist die Garantie für die kleinen Staaten“, sagt Gargash. Iran lehnt das kategorisch ab.

Drei Phasen des historischen Umbruchs

Besorgt sind die Vereinigten Arabischen Emirate ferner über die Vorgänge in Nordafrika und in der Levante. In Syrien seien die Bedingungen für eine politische Lösung und die Übertragung der Macht nicht länger vorhanden, sagt Gargash. Syrische Städte sähen aus „wie Stalingrad“, die staatliche Einheit Syriens sei gefährdet. Sorge bereite ferner ein instabiles Ägypten. In den Emiraten leben nicht weniger als 300000 Ägypter. Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten zwar Kontakte zum ägyptischen Staat, also zur Regierung, nicht aber zu den Muslimbrüdern als politischer Kraft. Die Beziehungen sind gespannt, und in den Emiraten sind 60 emiratische Muslimbrüder, die gegen das Verbot der politischen Gruppenbildung verstoßen haben, in Haft. Dubais Polizeichef hat die Muslimbrüder wiederholt als die größte Gefahr für die Emirate bezeichnet.

In den historischen Umbrüchen der arabischen Welt erkennt Gargash drei Phasen. Erst hatten sich idealistische Jugendliche im Namen der Freiheit gegen stagnierende Regime, die keine Perspektive geschaffen haben, erhoben und sie gestürzt. Dann bestanden die Jugendlichen den Test der Politik nicht; gut organisierte Parteien übernahmen die Macht, die nicht die Werte der Jugendlichen teilen – mit der Folge, dass sich nichts Wesentliches ändert. In der dritten Phase finden nun Wahlen statt, an denen sich ideologische Parteien beteiligten, die die Gesellschaft nach ihrer jeweiligen Ideologie („Wir sind der wahre Weg“) formen wollen. Das müsse nicht zwangsläufig eine Diktatur sein, meint Gargash. „Die Demokratie bleibt aber nur eine Fassade.“

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Syrien Drusen rufen zum Kampf gegen Assad auf

Der Drusenführer Walid Dschumblat im Libanon hält den Einsatz des Westens gegen den Islamischen Staat für verfehlt. Wenn sich Iran, Saudi-Arabien, die Türkei, Amerika und Russland nicht einigten, werde der Syrien-Krieg noch sehr lange dauern. Mehr Von Markus Bickel, Kairo

05.12.2014, 16:08 Uhr | Politik
Militärische Strategie alleine wird IS nicht aus der Welt bringen

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte vor der Konferenz gegen den Islamischen Staat in Paris, humanitäre Hilfe für den Irak reiche nicht aus, aber auch militärische Unterstützung sei nicht allein die Lösung. Nötig sei eine politische Lösung des Konflikts. Mehr

15.09.2014, 14:04 Uhr | Politik
Islamischer Staat Dieser Krieg wird noch lange dauern

Der Kampf gegen den Islamischen Staat ist noch lange nicht vorbei. Ohne weitere Bodentruppen kann er nicht gewonnen werden. Aber woher sollen diese Truppen kommen? Eine Analyse. Mehr Von Rainer Hermann

13.12.2014, 19:22 Uhr | Politik
Vereinigte Staaten erwägen Luftangriffe gegen IS-Kämpfer

Die Amerikaner bereiten Regierungskreisen zufolge Erkundungsflüge über Syrien vor, im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat. Ob die USA ihre Luftangriffe auf die Islamisten nicht nur im Irak sondern auch in Syrien fliegen werde, sei aber noch nicht entschieden, sagten die Insider. Mehr

27.08.2014, 14:46 Uhr | Politik
Mayers Weltwirtschaft Ausrede Ölpreis

Das billige Öl ist kein Grund für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Mehr Von Thomas Mayer

13.12.2014, 15:00 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.12.2012, 14:47 Uhr

Russische Selbsterhaltung

Von Reinhard Veser

Wladimir Putin macht für die russische Krise äußere Faktoren verantwortlich. Merkt er nicht, wie absurd es klingt, wenn der Führer des größten Landes der Erde so etwas sagt? Mehr