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Aufstrebende Golfstaaten : Sorgen am Golf

Erfolgsmodell Emirate: Premierminister Cameron besucht Abu Dhabi Bild: AFP

Kleine Golfstaaten wie Dubai oder Qatar schreiben arabische Geschichte. Ihre Erfolgsmodelle werden aber durch Iran und die instabile arabische Welt gefährdet.

          Die arabischen Staaten der Krisen und Konflikte ziehen einmal mehr die Blicke der Welt auf sich: In Syrien nimmt das Blutvergießen kein Ende, Ägypten verschleißt sich in einem Machtkampf zwischen den neuen Machthabern und dem alten Regime. Aus dem Sichtfeld fallen die kleinen Golfstaaten. Unverändert schreiben sie aber als Erfolgsmodelle arabische Geschichte. Dubai hat an das Wachstum vor dem Ausbruch seiner Immobilienkrise angeknüpft, zieht wieder mit seiner Offenheit das Talent und Kapital der arabischen Krisenländer an; Qatar ist mit Blick auf die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2022 zur Boomstadt am Golf aufgestiegen und hat seine Hände in vielen Konflikten: In Ägypten unterstützt es Präsident Mursi und die Muslimbrüder, in Syrien die bewaffneten und die unbewaffneten Rebellen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Das alte Arabien trägt unverändert schwer an seiner von Ideologien beladenen Geschichte der Konfrontationen. Nicht länger frei von Ängsten und Sorgen ist auch das neue Arabien am Golf. Als weiter größte Gefahr für die Vereinigten Arabischen Emirate (und die ganze Region) bezeichnet Anwar Gargash, der intellektuelle Staatsminister für Auswärtige Angelegenheiten, das iranische Atomprogramm. Dabei könnten die Golfstaaten die Ereignisse gar nicht beeinflussen. Was immer jedoch in Teheran, Washington und Israel entschieden werde, beeinflusse die Golfaraber.

          Erschwert werde das Verhältnis zur Islamischen Republik dadurch, dass sie sich einmal als Staat verhalte und die Souveränität anderer Staaten respektiere, das andere Mal aber – wenn sie ihre Botschaft verbreite und sich jenseits ihrer Grenzen Einflusssphären verschaffe – als Revolution. Dann wird es schwer, mit Iran umzugehen. Dies ist auch der Fall im Umgang mit den drei emiratischen Inseln, die Iran seit 1971 besetzt hält. Die Emirate wollen den Konflikt friedlich und an internationalen Gerichten lösen. „Denn die Herrschaft des Rechts ist die Garantie für die kleinen Staaten“, sagt Gargash. Iran lehnt das kategorisch ab.

          Drei Phasen des historischen Umbruchs

          Besorgt sind die Vereinigten Arabischen Emirate ferner über die Vorgänge in Nordafrika und in der Levante. In Syrien seien die Bedingungen für eine politische Lösung und die Übertragung der Macht nicht länger vorhanden, sagt Gargash. Syrische Städte sähen aus „wie Stalingrad“, die staatliche Einheit Syriens sei gefährdet. Sorge bereite ferner ein instabiles Ägypten. In den Emiraten leben nicht weniger als 300000 Ägypter. Die Vereinigten Arabischen Emirate unterhalten zwar Kontakte zum ägyptischen Staat, also zur Regierung, nicht aber zu den Muslimbrüdern als politischer Kraft. Die Beziehungen sind gespannt, und in den Emiraten sind 60 emiratische Muslimbrüder, die gegen das Verbot der politischen Gruppenbildung verstoßen haben, in Haft. Dubais Polizeichef hat die Muslimbrüder wiederholt als die größte Gefahr für die Emirate bezeichnet.

          In den historischen Umbrüchen der arabischen Welt erkennt Gargash drei Phasen. Erst hatten sich idealistische Jugendliche im Namen der Freiheit gegen stagnierende Regime, die keine Perspektive geschaffen haben, erhoben und sie gestürzt. Dann bestanden die Jugendlichen den Test der Politik nicht; gut organisierte Parteien übernahmen die Macht, die nicht die Werte der Jugendlichen teilen – mit der Folge, dass sich nichts Wesentliches ändert. In der dritten Phase finden nun Wahlen statt, an denen sich ideologische Parteien beteiligten, die die Gesellschaft nach ihrer jeweiligen Ideologie („Wir sind der wahre Weg“) formen wollen. Das müsse nicht zwangsläufig eine Diktatur sein, meint Gargash. „Die Demokratie bleibt aber nur eine Fassade.“

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