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Syrien : Assad: Aleppo muss „gesäubert“ werden

  • Aktualisiert am

Bashar al-Assads Armee wird von Russland mit Raketen und Kriegsschiffen unterstützt. Bild: dpa

Noch vor den Gesprächen in Lausanne spricht Syriens Machthaber Baschar al Assad über seine Sicht der Dinge. Die „Terroristen“ müssten wieder zurück in die Türkei gedrängt werden.

          Kurz bevor die Außenminister der Vereinigten Staaten, Russlands sowie weiterer Staaten an diesem Samstag in Lausanne die Gespräche über eine Waffenruhe in Syrien wiederaufnehmen, hat der syrische Machthaber Baschar al Assad abermals deutlich gemacht, wie er zu einer Eindämmung der Gewalt steht. Mit Blick auf die umkämpfte Stadt Aleppo, deren Ostteil von Aufständischen gehalten wird, sagte er: „Man muss dieses Gebiet säubern, und die Terroristen müssen zurück in die Türkei gedrängt werden, wo sie herkommen, oder sie müssen getötet werden.“ Es gebe keine andere Wahl.

          In dem Interview mit der russischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda“ bezeichnete Assad die Eroberung Aleppos als „sehr wichtiges Sprungbrett“ für die Einnahme weiterer von Rebellen gehaltener Städte, etwa in der Provinz Idlib, die westlich von Aleppo liegt. Weiter sagte Assad, der Krieg in Syrien habe sich inzwischen zu einem Konflikt zwischen Russland und dem Westen entwickelt. Amerika habe den Kalten Krieg gegen Russland niemals beendet; was jetzt in Syrien geschehe, sei aber mehr als der Kalte Krieg.

          Ebenfalls am Samstag haben vier Hilfsorganisationen einen Aufruf zu einer Waffenruhe im hart umkämpften nordsyrischen Aleppo veröffentlicht. In einem offenen Brief an die verantwortlichen Diplomaten forderten am Samstag Save the Children, Oxfam International, das International Rescue Committee und der Norwegische Flüchtlingsrat eine sofortige 72-stündige Feuerpause in den von Rebellen kontrollierten Gebieten von Aleppo.

          Die Waffenruhe solle es erlauben, Hilfsgüter in die belagerten Viertel zu schaffen und Verletzte in Sicherheit zu bringen. "Seitdem die letzte Waffenruhe zusammengebrochen ist, wurden bei den erbarmungslosen und blinden Bombardements mehr als 130 Kinder in Ost-Aleppo getötet und fast 400 verletzt", erklärte die Vorsitzende von Save the Children, Helle Thorning-Schmidt. Viele Kinder könnten nicht behandelt werden, weil es den Krankenhäusern an Medikamenten und anderem Material fehle. Thorning-Schmidt drang auf schnelle Hilfe: "Die Kinder von Aleppo können nicht warten, bis ein Krieg der Worte fertig gespielt ist; für sie läuft die Zeit ab."

          Hoffen auf weitere Waffenruhe

          Am Samstag steht in Lausanne zunächst ein Treffen des amerikanischen Außenministers John Kerry mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow auf der Tagesordnung, an dem auch die  Außenminister der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars teilnehmen. Auch der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura und nach iranischen Angaben auch Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif werden anwesend sein.

          Den Gesprächen schließt sich am Sonntag ein weiteres Treffen zwischen Kerry und seinen europäischen Kollegen in London an. Kerry und Lawrow hatten Mitte September eine landesweite Feuerpause zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt, doch war sie nach nur wenigen Tagen wieder zerbrochen. Seitdem versuchen syrische Regierungstruppen unterstützt von der russischen Armee, die geteilte Stadt mit massiven Bombardements wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Dabei wurden seit dem 22. September bereits mehr als 370 Menschen getötet. In den von den Rebellen kontrollierten Gebieten leben schätzungsweise 250.000 Menschen.

          Unterdessen ratifizierte der russische Präsident Wladimir Putin am Freitag eine Vereinbarung mit Damaskus über die „unbefristete“ Stationierung russischer Kampfflugzeuge in dem Land. Seit einem Jahr ist Moskau an der Seite Assads direkt in den Syrien-Konflikt involviert. Für seine Luftangriffe nutzt Russland einen Militärflughafen nördlich von Latakia an der Mittelmeerküste.

          Quelle: F.A.Z./ AFP

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