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Arafats Exhuminierung Mit dem Presslufthammer zur Wahrheit?

In Ramallah haben die Arbeiten zur Exhumierung des vor acht Jahren verstorbenen Palästinenserführers begonnen. Es soll der Verdacht geklärt werden, ob Jassir Arafat vor seinem Tod etwa mit Polonium vergiftet wurde.

© dapd Vergrößern Palastinenserpräsident Mahmud Abbas bei der Gedenkfeier für Jassir Arafat am vergangen Sonntag in Ramallah

Auf der Baustelle herrscht Stille. Arbeiter sind nicht zu sehen, obwohl es auf den hölzernen Gerüsten noch viel zu tungäbe. Auch zu seinem achten Todestag ist in Ramallah das Museum nicht rechtzeitig fertig geworden, das an das Leben von Jassir Arafat erinnern soll. Die Autonomiebehörde kämpft um ihr finanzielles Überleben - auch für die Erinnerung an ihren Übervater fehlt mittlerweile das Geld. Doch das hat Arafats Nachfolger Mahmud Abbas nicht davon abgehalten, eine neue Baustelle aufzumachen.

Hans-Christian Rößler Folgen:  

Wenige Meter vom geplanten Museum in der Muqataa, dem Präsidentenpalast in Ramallah, liegt Arafats Mausoleum: Hier haben an diesem Dienstag die Arbeiten zur Exhuminierung des Palästinenserführers begonnen. Presslufthammer sollen sich durch eine vier Meter dicke Stein- und Betonschicht zum Leichnam des einstigen PLO-Chefs durchkämpfen.

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Am 26. November sollen Fachleute aus Frankreich und der Schweiz mit russischer Unterstützung dann Proben nehmen, um endlich herauszufinden, woran er wirklich am 11. November 2004 in einem Pariser Militärkrankenhaus gestorben ist. Im Juli hatten Schweizer Experten in einem Dokumentarfilm des arabischen Senders „Al Dschazira“ Hinweise drauf gefunden, dass Arafat möglicherweise durch die radioaktive Substanz Polonium 210 vergiftet worden ist. „Die Leute wollen die Wahrheit wissen. Es sind auch schon andere Muslime exhumiert worden. Deshalb wird es bis zum Monatsende geschehen“, sagt Abbas’ Berater Sabri Saidam.

Kritik an Arafats Nachfolger Abbas

Aber längst nicht alle Palästinenser sind damit einverstanden, die Totenruhe ihres nationalen Idols nur wegen einiger medizinischer Tests zu stören. „Die Öffnung des Grabs ist unnötig. Wir wissen, dass Arafat ermordet wurde, und wir wissen, wer dafür verantwortlich ist“, sagt Nasser al Kidwa. Er ist nicht nur der Neffe des verstorbenen Palästinenserführers, sondern - als Vorsitzender der Arafat-Stiftung - auch sein Nachlassverwalter. Die offizielle Gedenkfeier, die Kidwa jedes Jahr für seinen Onkel im Kulturpalast von Ramallah, stand zwar 2012 unter dem Motto „Wir sind alle Jassir Arafat“, aber die wichtigste Botschaft war eine andere: Lasst unser Nationalsymbol in Frieden ruhen.

Damit übte der frühere palästinensische Außenminister auch indirekt Kritik an Arafats Nachfolger Abbas, der kurz nach dem Fernsehbericht den Forderungen nachgab, den Leichnam noch einmal untersuchen zu lassen. „Für diese abscheuliche Idee gibt es keine Rechtfertigung. Unser Volk kennt die Wahrheit. Es ist Zeit die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen“, fordert er unter lautem Applaus. Schon im Foyer des Kulturpalasts stellen Plakate mit Zeitungsausschnitten klar, wen er für verantwortlich hält: Dort kommen der frühere israelische Ministerpräsident Scharon und andere israelische Politiker und Militärs mit Zitaten zu Wort, die aus Kidwas Sicht beweisen, dass sie Arafat mit allen Mitteln beseitigen wollten. „Polonium wäre nur ein zusätzlicher Hinweis. Bei einer Halbwertszeit von acht Jahren, könnte es acht Jahre nach dem Tod aber für einen Nachweis schon zu spät sein“, fürchtet Kidwa.

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