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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Arabellion Düstere Perspektiven

Syriens Zukunftsaussichten sind düster. Denn die Assads, Angehörige der Alawiten, kämpfen nicht nur um ihre Herrschaft. Der Bürgerkrieg ist für sie und ihre Glaubensgenossen ein Kampf auf Leben und Tod. Eine Intervention von außen würde daran wohl kaum etwas ändern.

Es gehört zu den Paradoxien der Arabellion, dass der Aufstand gegen Jahrzehnte alte Diktaturen - zuerst in Tunesien, dann in Ägypten und Libyen, nun in Syrien -, begonnen mit Parolen („Freiheit“) und Instrumenten (Internet), die dem Westen verständlich, weil bekannt vorkamen, inzwischen in eher traditionalistische Bahnen gelenkt worden ist. Denn die Stärke der Muslimbrüder verschiedener Couleur, die inzwischen an der Macht sind, oder die Bedeutung der Stämme in Libyen, lässt sich nicht nur damit erklären, dass diese Kräfte bereits vorhanden waren, während sich „modernere“ Organisationsformen erst herausbilden müssen.

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Es ist dies auch eine Rückbesinnung auf Formen und Werte, die den in Gärung befindlichen Gesellschaften Halt geben können oder sollen. Ob und wie das funktioniert, ist zwar ungewiss, weil die einschlägigen Staaten sich in einem Übergangsstadium befinden. Doch eines erscheint vergleichsweise sicher: Für Völker, die, was Bildung und Entwicklung angeht, in einem vormodernen Zustand sind (oder gehalten wurden), ist die westliche Moderne fremd, der Sprung dorthin deshalb zu groß.

Das lässt sich auch da feststellen, wo diese Moderne nach einer militärischen Intervention mit den Mitteln des „Nation-“ oder „State-building“ eingeführt werden sollte: etwa in Afghanistan oder im Irak, der ein diktatorisch erzwungener arabischer Nationalstaat ist. Nirgendwo will das Blutvergießen aufhören; neue politische Kräfte gruppieren sich nach traditionellen - ethnischen oder religiösen - Trennlinien; eine Kompromisskultur westlichen Zuschnitts hat dort bisher so gut wie keine Chance.

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Für Syrien, das derzeit in einem Bürgerkrieg versinkt, heißt das, dass die Perspektiven düster sind. Die Assads, Angehörige einer religiösen Minderheit, der Alawiten, kämpfen eben nicht nur um ihre Herrschaft; der Bürgerkrieg ist für ihre Glaubensgenossen, welche die Elite in Politik, Militär und Wirtschaft stellen, ein Kampf auf Leben und Tod. Und andere religiöse Minderheiten, die syrischen Christen zuvörderst, denen die Alawiten wenigstens die freie Ausübung ihres Glaubens gewährten, sehen das nicht viel anders. Es ist mehr als fraglich, ob eine Intervention von außen, und sei es von der Arabischen Liga, in der sunnitische Vormächte den Ton angeben, an der verzweifelten Lage in Syrien etwas ändern würde.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 23.02.2012, 16:20 Uhr

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