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Veröffentlicht: 29.03.2016, 16:34 Uhr

Ägyptischer Moderator „Der Islam ist voll menschenverachtender Lehren!“

Ein Starmoderator im ägyptischen Fernsehen rastet zur besten Sendezeit aus: Der Ursprung der Attentate in Brüssel läge im Islam, schimpft er – und mit dieser Religion könne man nicht in Harmonie leben.

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© Screenshot FAZ.NET Die Ko-Moderatorin versucht Starmoderator Amr Adeeb noch zu stoppen – er setzt seinen Redeschwall ungehindert fort.

Aus heiterem Himmel kam der Wutausbruch des ägyptischen Starmoderators Amr Adeeb nicht. Denn Adeeb, der Host der täglichen Sendung „Kairo heute“ (al-Qahira al-yaum), versteht sich nicht als Moderator, der die Welt erklärt, sondern als Aktivist, der die Welt verändert. An ein Gewitter wie dieses können sich seine zahlreichen Fans und Bewunderer im Niltal aber nicht erinnern. Er und seine Ko-Moderatorin Emad El-Din Hussein waren auf den Terroranschlag in Brüssel gekommen, als es aus ihm ausbrach: „Das wird nicht viele erfreuen, aber die Täter waren ganz klar Muslime. Alle schreien, diese Terroristen sind keine Muslime.“

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Ihnen hält er entgegen: „Nein, ihr lügt! Sie sind Muslime und unter uns. Sie waren es, und sie sind unter uns!“ Seine Ko-Moderatorin versucht, ihren aufgebrachten Kollegen zu beruhigen: „Aber wer hat es den Attentätern beigebracht? Woher haben es die Muslime in Großbritannien und Frankreich?“

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Da platzt dem 64 Jahre alten Star der Kragen: „Vom Islam haben sie es!“ Uns seine Stimme überschlägt sich: „Diese schlimmen Dinge kommen aus unserer Religion, unsere Religion ist voll von diesen menschenverachtenden Lehren.“ „Das sind doch einzelne Täter“, beschwichtigt die Kollegin, was Amr Adeeb nur ein „Das stimmt doch nicht!“ entlockt.

„Wacht doch auf und erkennt diese Realität!“

Noch ein Versuch der Kollegin: „Diese Muslime werden doch missbraucht.“ Jetzt rastet der Moderator ganz aus: „Quatsch, das ist Bestandteil des Islams! Wir wachsen mit diesen Lehren auf, das ist Teil unserer kranken Psyche. Für diese Menschen ist es okay, Nichtmuslime umzubringen. Sag mir nicht, der IS – das seien keine Muslime. Niemand kann dich missbrauchen, wenn du gesund bist.“ Dann die Steigerung: „Weshalb passiert das nur beim Islam? Immer sind wir es, der Islam. Wir haben doch ein Problem mit unserer Religion. Wir können mit unserer Religion nicht in Harmonie leben. Wacht doch auf und erkennt diese Realität!“

Nur wenige ägyptische Journalisten haben einen so großen Einfluss auf die öffentliche Meinung wie Amr Adeeb und seine Frau Lamis al Hadidi, die ebenfalls eine tägliche Sendung hat, in der sie ihrem Publikum Ratschläge erteilt und sie an ihren Lebensweisheiten teilhaben lässt. Der Erfolg der beiden beruht darauf, dass sie die Sprache des einfachen Volks aufgreifen, dass sie sich (scheinbar) keinen Regeln fügen und dass sie sich den offenen Schlagabtausch suchen, der hohe Einschaltquoten sichert und damit hohe Werbeeinnahmen.

Adeeb und Hadidi stehen für einen neuen Typus Moderator, der in der Spätzeit des Anfang 2011 gestürzten Präsidenten Mubarak, dem sie beide freundschaftlich verbunden waren, aufgekommen ist. Beide waren erbitterte Kritiker des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi, dessen Sturz im Juli 2013 sie bejubelt haben. Mit dem Wutausbruch gegen den Islam hat Adeeb, dessen Sendung vom privaten Kabelfernsehanbieter Orbit ausgestrahlt wird, zwar nicht die Mehrheitsmeinung der Ägypter getroffen. Sie zeigt aber, dass man auch Muslim sein kann, um dem Islam sehr kritisch gegenüberzustehen.

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