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Verhaftung in Berlin : Ägypten fordert Auslieferung des Al-Dschazira-Journalisten

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Fernsehjournalist Ahmed Mansur 2004 bei einem Interview in Wien Bild: dpa

Die Polizei am Berliner Flughafen hat einen der bekanntesten Fernsehjournalisten der arabischen Welt festgesetzt. Der Haftbefehl für Ahmed Mansur, der für Al Dschazira arbeitet, kommt aus Ägypten. Kairo fordert seine Auslieferung.

          Ägypten hat die Auslieferung des Journalisten Ahmed Mansur gefordert. Dies meldet die Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf einen ungenannten Vertreter des ägyptischen Innenministeriums. Der in der arabischen Welt prominente Al-Dschazira-Journalist ist am Samstag am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen worden. Die Bundespolizei bestätigte am Abend, dass ein mit internationalem Haftbefehl gesuchter Journalist aus Ägypten festsetzt wurde, als er am Nachmittag nach Doha fliegen wollte. Der Sender Al-Dschazira erklärte auf seiner Internetseite, bei dem Mann handele es sich um Mansur. Es seien Anwälte vor Ort.

          Mansur gehört zu den bekanntesten TV-Journalisten der arabischen Welt. Für seine Interviewsendung „Bi La Hudud“ („Ohne Grenzen“) hatte er in dieser Woche in Berlin den deutschen Dschihad-Fachmann Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) interviewt.

          Ein Strafgericht in Kairo hatte Mansur im vergangenen Jahr in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, im Frühjahr 2011 während der Proteste gegen den damaligen Langzeitherrscher Husni Mubarak auf dem Kairoer Tahrir-Platz an der Folter eines Anwalts beteiligt gewesen zu sein. Der Sender wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Mansur soll die britische Staatsbürgerschaft haben.

          Berliner Generalstaatsanwalt muss entscheiden

          Die Entscheidung darüber, ob der Haftbefehl aufrechterhalten werde, liege beim Berliner Generalstaatsanwalt, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Al Dschazira veröffentlichte im Internet ein kurzes Video, das Mansur am Flughafen Berlin-Tegel zeigt. Darin erklärt der Journalist, alle Vorwürfe seien erfunden und gefälscht. Nach Angaben des Senders wird ihm auch Vergewaltigung und Raub vorgeworfen. Demnach erklärt Mansur, er bedaure es, dass sich Deutschland zum Helfer des ägyptischen Regimes mache. Er werde aber gut behandelt.

          Die Regierung in Kairo betrachtet Al Dschazira mit Sitz in Doha als Unterstützer der in Ägypten mittlerweile verbotenen Muslimbrüder. Der Sender gilt als scharfer Kritiker von Präsident Abdel Fattah al-Sissi. Die ägyptische Armee hatte noch mit ihm an der Spitze vor fast zwei Jahren nach Massenprotesten den ersten frei gewählten Staatschef Mohammed Mursi abgesetzt, der zu den Muslimbrüdern gehört.

          Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Kairo drei Reporter von Al Dschazira zu sieben Jahren Haft verurteilt, darunter den Australier Peter Greste. Den Männern war vorgeworfen worden, die Muslimbrüder unterstützt zu haben. Mittlerweile sind sie wieder frei. Der Fall wird neu verhandelt.

          Quelle: koho./dpa

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