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Ahmadineschad in Kairo Beschwerliche Annäherung unter Islamisten

 ·  Der Krieg in Syrien steht einer Allianz zwischen Iran und Ägypten im Wege. Die Reise Ahmadineschads nach Kairo zeigt aber auch, wie viel Sunniten und Schiiten trennt.

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© dpa Bejubelt, beworfen: Ahmadineschad (links) in der Kairoer Hussein-Moschee

Mahmud Ahmadineschad lächelte. Trotz des unfreundlichen Empfangs, der dem iranischen Präsidenten in Kairo zuteilwurde, drängte er sich am Mittwoch scheinbar frohen Mutes durch die Schar von Reportern und Fotografen in der Lobby des Fairmont-Hotels. Soldaten der Republikanischen Garde waren rund um das Hotel im Norden der ägyptischen Hauptstadt postiert, um den Gipfel der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) zu sichern.

Tags zuvor hatte der Scheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed al Tayyib, Ahmadineschad auf einer Pressekonferenz wissen lassen, dass er die Verbreitung des schiitischen Glaubens in sunnitischen Staaten ablehne. In klaren Worten verlangte der weltweit wichtigste religiöse Repräsentant der Sunniten vom Präsidenten des schiitischen Gottesstaates, „aufzuhören, am Golf zu intervenieren“.

Damit war das Klima frostig, in dem der Iraner seinen historischen Besuch begann. Ahmadineschads Reise nach Ägypten vier Monate vor dem Ende seiner Amtszeit ist der erste Besuch eines iranischen Präsidenten, seit im Jahr 1979 die Mullahs in Teheran an die Macht kamen. Ein Jahr nach der Islamischen Revolution kappte die religiöse Führung in Teheran die Beziehungen zu Kairo, der ägyptisch-israelische Friedensvertrag von 1979 stand jahrzehntelang einer Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen im Wege. Doch mit dem Aufstieg der ägyptischen Muslimbrüder, deren Partei für Freiheit und Gerechtigkeit nach dem Sturz Husni Mubaraks im Jahr 2011 zur stärksten politischen Kraft wurde, ist in Teheran die Hoffnung gewachsen, dass sich die herrschenden Islamisten in Kairo auf eine Annäherung einlassen würden. Bei Treffen mit Präsident Muhammad Mursi im Juli 2012 im saudischen Mekka und einen Monat später in Teheran hat Ahmadineschad versucht, darauf hinzuwirken.

Wie groß die theologischen Differenzen zwischen beiden Staaten bleiben, zeigte sich am Dienstag jedoch nicht nur beim Treffen von Scheich Tayyib mit Ahamdineschad. Auch beim Besuch schiitischer Pilgerstätten bewies der iranische Staatschef wenig Fingerspitzengefühl für die religiösen Vorbehalte seiner Gastgeber. In einem Mausoleum in Kairo liegt Saida Zeinab begraben, die Enkelin des Propheten Mohammed und Tochter Imam Alis, der zentralen Figur des Schiitentums. Dort brach Ahmadineschad in Tränen aus, küsste betende Kinder und den Vorsteher der Moschee. Als er die Hussein-Moschee besuchte, warf ein Mann mit seinem Schuh nach ihm und beschimpfte ihn als „Feigling“. Vor dem Gotteshaus protestierten Jugendliche gegen Irans Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al Assad.

„Die Differenzen sind bekannt“

Allen freundlichen Worten zum Trotz, die Mursi am Dienstag beim Empfang Ahmadineschads am Flughafen Kairo fand, trennt auch der Syrien-Konflikt die beiden Staaten. In den Verhandlungen über eine Abschlusserklärung des OIC-Gipfels, der an diesem Donnerstag zu Ende geht, war eine Sprachregelung zum Aufstand beim Gründungsmitglied der Arabischen Liga lange der einzig umstrittene Punkt. Hohe Repräsentanten der 57 OIC-Staaten nehmen an dem Treffen teil, die Haltung zum Krieg in Syrien spaltet sunnitische Golf-Staaten wie Qatar und Saudi-Arabien auf der einen und Iran als mächtigsten Unterstützer Assads auf der anderen Seite. „Die Differenzen sind bekannt“, sagte der ägyptische Außenminister Kamil Amr dieser Zeitung; der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi bestätigte im Gespräch, dass eine Lösung bislang nicht gefunden worden sei. Auch am Mittwoch drangen aus dem Bürgerkriegsland selbst wieder dramatische Nachrichten nach Kairo: Aus Damaskus wurde ein Wiederaufflammen der Gefechte zwischen Anhängern und Gegnern Assads gemeldet, und in der zentralsyrischen Stadt Palmyra sollen laut Opposition viele Personen bei einem Selbstmordanschlag auf ein Geheimdienstgebäude getötet worden sein.

Allenfalls eine schleichende Annäherung findet zwischen dem Assad-freundlichen Iran und den anderen OIC-Staaten statt. Das syrische Regime werde als Hauptschuldiger für die Gewalt im Land verurteilt werden, sagte eine Sprecherin von OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglus am Mittwoch in Kairo. Von Gipfel zu Gipfel habe die Organisation eine deutlichere Position gegenüber Assad eingenommen. Vor allem Qatar und Saudi-Arabien dringen auf eine schärfere Verurteilung der Damaszener Führung, während Mursi einen Mittelweg beschreitet. Eine militärische Intervention lehnte er am Mittwoch in seiner Eröffnungsrede ab, während Riad und Doha die Aufständischen gegen Assad finanziell und mit Waffen unterstützen. Auf dem Gipfel in Mekka war Syriens Mitgliedschaft in der Organisation suspendiert worden - neun Monate nachdem die Arabische Liga das Land ausgeschlossen hatte. Seitdem treten alle Versuche, den Konflikt diplomatisch zu regeln, auf der Stelle.

Sowohl Salehi wie Amr bestätigten, dass eine Wiederbelegung der Syrien-Kontaktgruppe geplant sei. Diese hatte Mursi in Mekka im Juli vergangenen Jahres vorgestellt. Doch aus dem damaligen Quartett ist inzwischen ein Dreieck geworden: Der saudische Außenminister wird nicht dabei sein, wenn seine Kollegen aus Ägypten, Iran und der Türkei über die Lage in dem Bürgerkriegsland beraten. Zu groß bleiben die Vorbehalte des Königshauses in Riad gegenüber dem iranischen Expansionsstreben; auch die Skepsis gegenüber der iranischen Annäherung an Ägypten ist ungebrochen. Der sunnitisch-schiitische Konflikt dominiert weiterhin die islamische Welt, allen Versuchen Irans zum Trotz, das Verhältnis zur wiedererstarkten Großmacht in der Region neu zu beleben.

Zu Beginn des Gipfels versicherte Außenminister Amr den sunnitischen Monarchien, „die Sicherheit der Golf-Staaten ist die Sicherheit Ägyptens“. Und in einem Telefonat mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Leon Panetta bekräftige Verteidigungsminister Abdel Fattah al Sissi am Dienstag den Verteidigungspakt zwischen beiden Staaten. Angesichts der amerikanischen Militärunterstützung und der Milliardenkredite, die Qatar der Regierung in Kairo in den vergangenen Monaten zugesichert hat, kann sich Mursi einen Bruch der Beziehungen mit Irans Gegnern nicht leisten - auch wenn der unter Sanktionen ächzende Ahmadineschad ihm „eine große Kreditlinie“ anbot.

„Wir müssen geduldig sein“, sagte Salehi, als er nach den Aussichten für eine ägyptisch-iranische Versöhnung befragt wurde. Nicht vergessen hat man in Teheran, dass es Mursi war, der beim Besuch des Gipfels der blockfreien Staaten im vergangenen August die iranischen Gastgeber brüskierte. Irans Verbündeten Assad nannte er einen „Unterdrücker“ und empfahl den Teilnehmern, „dem syrischen Volk im Kampf gegen ein nicht länger legitimes Regime beizustehen“. Von dieser Haltung ist Mursi am Mittwoch in Kairo nicht abgerückt.

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Jahrgang 1971, Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Kairo.

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