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Afghanistan Nato-Kräfte und ANA-Soldaten getötet

 ·  In Afghanistan sind abermals Nato-Soldaten durch „friendly fire“ getötet worden. Pakistan hat derweil Zugang zu dem inhaftierten Taliban-Führer Baradar gewährt.

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© AFP Anschlag: In dem Auto saß ein hoher Politiker der Provinz Laghman

Ein Polizist aus der afghanischen Provinz Nimroz hat am Samstag zehn seiner Kollegen erschossen. Der Täter, der laut örtlichen Politikern in Verbindung zu den Aufständischen stand, eröffnete das Feuer an einem Grenzposten im Distrikt Dilaram. Bei den anschließenden Gefechten wurde er getötet. Eine Untersuchungskommission sei auf dem Weg in den entlegenen Distrikt, um die Hintergründe aufzuklären, hieß es am Sonntag in der Provinzverwaltung von Nimroz.

Schon am Freitag und in der Nacht zu Samstag waren abermals Nato-Soldaten Opfer von „friendly fire“ geworden. In der südafghanischen Provinz Helmand hatte ein Polizist drei amerikanische Soldaten der „Marine Special Operation Forces“ zu einem Abendessen in einen Kontrollposten eingeladen und sie am Tisch erschossen. Später wurden drei amerikanische Soldaten in ihrem Stützpunkt in Helmand von einem Afghanen getötet.

Taliban bekennen sich zu den Helmand-Angriffen

Über Täter und Tathergang gibt es unterschiedliche Darstellungen. Laut einer amerikanischen Militärsprecherin handelte es sich bei dem Täter um einen Installateur, der wegen Reparaturarbeiten im Lager beschäftigt gewesen sei. Aus afghanischen Sicherheitskreisen war hingegen zu hören, die Schüsse seien von einem afghanischen Polizisten abgegeben worden, der sich mit den Soldaten über den Eintritt zur Sporthalle gestritten habe. Die Taliban bekannten sich zu beiden Angriffen in Helmand.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai verurteilte die Angriffe gegen die Nato-Soldaten und versprach Aufklärung. Von Seiten der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) hieß es, vereinzelte Vorfälle dieser Art dürften nicht die Integrität der afghanischen Sicherheitskräfte und deren Partnerschaft mit der Isaf in Frage stellen. Ein Isaf-Sprecher machte „persönliche Probleme und Stress“ als Ursachen in vielen Fällen aus. „Diese Vorfälle spiegeln nicht die allgemeine Situation wider, in der hunderttausende Soldaten zusammenarbeiten.“

Derartige Einlassungen dürften auch dem Zweck dienen, die wachsende Verunsicherung der Nato-Soldaten über die Angriffe aus den Reihen der Verbündeten zu mindern. Mit den sechs Opfern vom Freitag ist die Zahl der ausländischen Soldaten, die in Afghanistan von „friendly fire“ getötet wurden, auf 34 gestiegen. Damit ist in nicht einmal acht Monaten fast die Zahl des Vorjahres erreicht worden. Zwischen Januar und Dezember 2011 waren 35 Nato-Soldaten von Mitgliedern der afghanischen Sicherheitskräfte getötet worden. Während im vergangenen Jahr 21 einzelne Vorfälle registriert wurden, sind es in diesem Jahr schon jetzt 26.

Verhinderter Sprengstoffanschlag auf Kabul

Bestätigt wurde am Wochenende auch, dass bei Kämpfen und Anschlägen in Helmand zwei britische Soldaten ums Leben gekommen sind. Damit erhöht sich die Zahl der gefallenen britischen Soldaten seit Kriegsbeginn auf 424. Am Sonntag wurden bei einem Bombenanschlag in der Provinz Laghman ein stellvertretender Distrikt-Vorsitzender und seine drei Leibwächter umgebracht. Die Männer befanden sich auf dem Weg zu einem politischen Termin, als das Fahrzeug von einer Sprengsatz zerfetzt wurde, hieß es in afghanischen Medienberichten.

Offenbar gelang es Spezialeinheiten der Nato und der Afghanischen Nationalarmee am Wochenende, einen großen Anschlag in der afghanischen Hauptstadt zu verhindern. Unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Sicherheitskreise vermeldeten Medien die Festnahme von fünf Männern, die vorgehabt hätten, am Sonntag in Kabul „raffinierte Selbstmordanschläge“ zu verüben. Ziele hätten das Parlament und die Residenz des zweiten Vizepräsidenten von Afghanistan, Mohammad Karim Khalili, sein sollen.

Bei den fünf Männern seien Uniformen der afghanischen Nationalarmee sowie Sprengstoff in beträchtlichen Mengen gefunden worden, hieß es. Einer der Festgenommenen sei pakistanischer Staatsbürger, aber auch die anderen vier seien im Besitz von pakistanischen Dokumenten, pakistanischen Rupien und pakistanischen Mobilfunk-Karten gewesen.

Die Umstände der Festnahme bestätigten den Verdacht afghanischer Sicherheitskreise, dass Aufständische in und von dem Nachbarland unterstützt würden, hieß es. Schon Anfang des Monats hatten afghanische Sicherheitsfachleute mitgeteilt, dass bei einer Razzia fünf Terroristen getötet wurden, die Anschläge auf das Botschaftsviertel von Kabul geplant hätten.

Unterdessen wurde bekannt, dass Islamabad offenbar in einer Demonstration guten Willens einer ranghohen Delegation aus Kabul Zugang zu Mullah Abdul Ghani Baradar ermöglicht hat, einem der führenden Kommandeure der afghanischen Taliban. Baradar war im Jahr 2010 unter mysteriösen Umständen in Pakistan festgenommen worden und sitzt dort seither im Gefängnis. Nach zahlreichen öffentlich vorgetragenen Bitten der Kabuler Regierung, den Kämpfer befragen zu dürfen, sei vor zwei Monaten eine Delegation vorgelassen worden, teilte der afghanische Sicherheitsberater Rangin Spanta am Wochenende mit.

Man habe Baradars „Sicht auf Friedensgespräche“ erfahren wollen. Der pakistanische Innenminister Malik bestätigte, dass die Delegation Zugang „auf erbetenem und angemessenen Niveau“ erhalten habe. Diese Geste Islamabads zeige, dass Pakistan auf breiter Ebene mit Afghanistan zusammenarbeite und jede Art von Hilfe zu geben bereit sei.

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Jahrgang 1965, politischer Korrespondent in London.

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