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Äthiopische Einwanderer in Israel Das Ende einer 3000 Jahre langen Reise

Israel beendet sein Einwanderungsprogramm für Äthiopier. Seit der Gründung Israels sind 92.000 Juden aus dem ostafrikanischen Land aufgenommen worden. Doch die Integration ist nicht gelungen.

© dpa Vergrößern Mehr als tausend Verwandte, die nicht mehr nachziehen dürfen: Demonstration von äthiopischen Juden am Mittwoch in Jerusalem

Die Freude über die Ankunft in Israel war nicht ungetrübt. Am Mittwochabend landeten auf dem Flughafen von Tel Aviv die letzten 450 schwarzen Juden (Falasch Mura) aus Äthiopien und wurden dort feierlich empfangen. Natan Scharanski, der Vorsitzende der „Jewish Agency“, die für die Abwicklung der Einwanderung von Juden aus dem Ausland zuständig ist, hatte sie auf dem Flug von Addis Abeba nach Tel Aviv begleitet. Er sprach von einem „historischen Augenblick“; eine fast 3000 Jahre dauernde Reise sei damit vorüber: Seit der Gründung Israels vor 65 Jahren sind damit 92.000 Äthiopier eingewandert. Die Landung der beiden Flugzeuge bedeutete das Ende der Operation „Taubenflügel“, in dessen Rahmen in den vergangenen drei Jahren mehr als 7000 Personen nach Israel kamen. Nun wird das Transitlager in Nord-Äthiopien geschlossen, und es soll keine organisierte Einwanderung ähnlich großer Gruppen mehr geben.

Hans-Christian Rößler Folgen:  

Dabei leben noch mehr als tausend Angehörige der Einwanderer in Äthiopien, die jedoch bisher von den israelischen Behörden nicht als Juden anerkannt wurden. Während der Willkommensfeier in Tel Aviv demonstrierten deshalb mehrere hundert äthiopische Einwanderer in Jerusalem vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten. Sie hielten Bilder von Verwandten in die Höhe, die keine Einreisegenehmigungen erhalten hatten. „Wir dürfen Familien nicht auseinanderreißen und die Einwanderungsaktion offiziell für beendet erklären, solange noch mehr als tausend Angehörige in Äthiopien sind“, kritisiert der aus Amerika eingewanderte Parlamentsabgeordnete Dov Lipman von der Jesch-Atid-Partei.

Äthiopier sehen sich schlechter gestellt

In der äthiopischen Gemeinschaft fühlt man sich ein weiteres Mal schlechter gestellt: Unter den russischen Einwanderern waren in den neunziger Jahren bis zu 300.000 keine Juden. Von nun an müssen Äthiopier individuelle Einreiseanträge stellen. Vor allem ultraorthodoxe Rabbiner haben Zweifel, dass es sich bei den Äthiopiern wirklich um Juden handelt. Nach ihrer Ankunft mussten sie daher noch einmal zum Judentum konvertieren. Juden sollen seit den Tagen der Königin von Saba in Äthiopien gelebt haben. Später traten viele zum Christentum über, andere wurden Muslime. Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche „Falascha Mura“ gezwungen, Christen zu werden. Sie behielten aber ihre jüdischen Riten bei. Mit zwei Luftbrücken waren 1984 und 1991 die meisten schwarzen Juden nach Israel gebracht worden.

Dort tun sich viele von ihnen bis heute schwer und klagen über Diskriminierung. In diesem Jahr gab die israelische Regierung zu, dass Äthiopierinnen in der Vergangenheit vor ihrer Ausreise nach Israel empfängnisverhütende Spritzen erhalten hatten, ohne darüber informiert worden zu sein. In dieser Bevölkerungsgruppe ist die Armut drei Mal so groß und die Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie unter anderen Israelis. Aus diesem Grund waren viele besonders stolz darauf, dass am Dienstag ein aus Äthiopien stammendes Model die Fernsehshow „Big Brother“ gewann.

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Quelle: F.A.Z.

 
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