Home
http://www.faz.net/-gq9-75u7a
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Ägyptens Präsident Mursi im F.A.Z.-Interview „Wir wollen keinen Gottesstaat“

„Die Zeit der Diktatur ist vorbei“, sagt der ägyptische Präsident Muhammad Mursi im F.A.Z.-Interview und verspricht einen „modernen Staat“, in dem alle Bürger die gleichen Rechte hätten: „Unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Religion“.

© REUTERS Vergrößern Der ägyptische Präsident Muhammad Mursi will „die Interessen aller Ägypter wahren“

Der ägyptische Präsident Muhammad Mursi hat ausgeschlossen, dass sein Land zu einem islamischen Gottesstaat wird. „Der Staat, an den wir glauben, ist ein moderner Staat, in der die Machtübergabe friedlich verläuft, in der Demokratie und Freiheiten herrschen“, sagte Mursi in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir glauben nicht an einen Gottesstaat. Den Begriff der Theokratie gibt es bei uns nicht. Wir sprechen immer von einem zivilen Staat“, sagte er.

Nach der Revolution von 2011, in deren Folge die islamistische Muslimbruderschaft zu stärksten politischen Kraft wurde, solle Ägypten ein Staat werden, in dem alle Bürger die gleichen Rechte hätten, „unabhängig von ihrem Glauben und ihrer Religion“.

„Gleiche Rechte für Christen und Frauen“

„Die Zeit der Diktatur ist vorbei“, sagte Mursi, der wegen seines Amtes aus der Muslimbruderschaft ausgetreten war. Er versicherte, für Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt einzutreten. Christen und Frauen garantiere die neue Verfassung die gleichen Rechte wie allen anderen Bürgern, sagte er. Frauen und Männer seien „zu 100 Prozent gleich“.

„Meine Arbeit besteht darin, die Interessen aller Ägypter zu wahren“, sagte Mursi. Zu den Massenprotesten vom Ende des vergangenen Jahres, bei denen es auch Todesopfer gegeben hatte, sagte Mursi, so etwas sei normal nach so langer Zeit der Diktatur.

Auch der Kampf gegen Überbleibsel des alten Regimes werde ausschließlich mit rechtlichen Mitteln geführt. „Die Diktatur und die Bürokratie, die über Jahrzehnte geherrscht haben, bekämpfe ich im Rahmen der Verfassung mit dem Gesetz und der Justiz. Ich gehe diesen Weg mit aller Stärke, aber nicht durch Sondermaßnahmen“, sagte Mursi.

Im vergangenen November hatte der Präsident scharfe Kritik in der Presse, Teilen der Justiz und in der Opposition hervorgerufen, weil er sich per Dekret über die Justiz gestellt und mit Sondervollmachten ausgestattet hatte.

Mursi bekräftigte, seine Regierung werde den Friedensvertrag mit Israel respektieren. Außenpolitisch bemühe sich Ägypten „um ausgeglichene Beziehungen zu allen Staaten“ sagte Mursi. Vor seinem Besuch für Ende Januar geplanten Besuch in Berlin sprach sich der Präsident für eine größere „deutsche Rolle in Ägypten und im Nahen Osten“ aus.

Das vollständige Interview mit dem ägyptischen Präsidenten Muhammad Mursi lesen Sie an diesem Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Mehr zum Thema

Quelle: her./ mrb.; F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Medienbericht IS-Miliz zählt mittlerweile 17.000 Kämpfer

Die Zahl der IS-Kämpfer im Irak und in Syrien soll sich seit Juni verdoppelt haben, berichtet die „New York Times“. Die Vereinigten Staaten hält Verteidigungsminister Hagel für akut bedroht. Daher will Washington die Luftangriffe nun ausweiten. Mehr

21.08.2014, 20:39 Uhr | Politik
UN-Resolution zu Gaza Vorbild Libanon-Mission

Eine europäische Initiative zur Befriedung Gazas unter Einbeziehung der UN findet sogar in Israel Zustimmung. Das ist ungewöhnlich. Meistens verweisen israelische Politiker auf gescheiterte UN-Missionen. Mehr

22.08.2014, 15:50 Uhr | Politik
Allensbach-Analyse Im Namen des Volkes

Die meisten Deutschen glauben, Reiche hätten vor Gericht bessere Chancen. Einzelne Urteile werden in Frage gestellt. Trotzdem fühlen sie sich im deutschen Rechtssystem laut einer aktuellen Analyse gut aufgehoben. Mehr

19.08.2014, 17:21 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 15:17 Uhr

Eskalation

Von Nikolas Busse

Die Reaktion der Nato auf die russische Aggression ist angemessen - aber im Kern zurückhaltend. Das Gebaren Russlands in der Ukraine ist ein epochaler Bruch. Die SPD tut sich mit dieser Erkenntnis noch immer schwer. Mehr 77