Ihr fällt das Sprechen gerade ein wenig schwer: Mona Seif hat die Nacht durchgemacht, gemeinsam mit Gesinnungsgefährten war sie für 24 Stunden im Hungerstreik - aus Protest gegen die Inhaftierung Hunderter Aktivisten durch den Obersten Militärrat. „Wir nehmen nicht hin, dass Verfahren, die vor zivile Gerichte gehören, durch die Militärjustiz verhandelt werden“, sagt die junge Frau, die vor gut einem Jahr die Kampagne „Keine Militärverfahren für Zivilisten“ gegründet hat. Auf den Sofas im Foyer der ägyptischen Pressegewerkschaft kauern an diesem Morgen noch einige ihrer Mitstreiter, eine kleine Gruppe hat sich um einen Fernseher geschart. „Freiheit für Alaa Zaghlin“ steht auf einem Plakat, ein anderes zeigt den gestürzten Präsidenten Husni Mubarak mit Schlinge um den Hals.
Fünfzehn Monate nach Mubaraks Sturz wird an diesem Mittwoch und Donnerstag sein Nachfolger gewählt. Der seit Februar 2011 herrschende Oberste Militärrat um Feldmarschall Muhammed Hussein Tantawi hat zwar zugesagt, er werde die Amtsgeschäfte im Juli dem neuen zivilen Präsidenten zu übertragen. Aber daran zweifeln viele - nicht nur junge Aktivisten wie Mona Seif.
Anfang 2011 sahen die jungen Demokratieaktivisten die Generäle als Bündnispartner. Der Kampf der Revolutionäre auf dem Tahrir-Platz richtete sich in erster Linie gegen Mubaraks Polizei, die Armee bewahrte damals Neutralität. Das änderte sich nach dem Sturz Mubaraks rasch: Mindestens 12.000 Menschen sind seitdem von Militärgerichten verurteilt worden. Erst Anfang Mai wurden bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften vor dem Verteidigungsministerium mehr als 300 Protestierende verhaftet. 89 von ihnen sind seit dem Wochenende im Hungerstreik.
„Aus Solidarität mit ihnen sind wir hier“, sagt Seif in der hohen Eingangshalle der Pressegewerkschaft. „Sie sollen wissen, dass die Welt draußen sie nicht vergessen hat.“ Für Mona Seif ist die erste freie Präsidentenwahl höchstens ein Zwischenschritt auf dem langen Weg zur Etablierung einer wirklich demokratischen Gesellschaft. Ihr Kandidat ist der 40 Jahre alte Menschenrechtsanwalt Khaled Ali, der in den letzten Tagen des Mubarak-Regimes einige Tage im Gefängnis saß. Auf einen gemeinsamen Kandidaten freilich konnte sich der harte Kern der Protestbewegung nicht einigen: Während ein Teil des inzwischen zersplitterten Bündnisses vom Tahrir-Platz die Wahlen boykottiert, unterstützen andere Hamdin Sabbahi, den Kandidaten der traditionellen Linken, die an Gamal Abd al Nasser orientiert ist.
Andere wiederum meinen, der unabhängige Islamist und frühere Muslimbruder Abd al Monem Abul Futuh könne das Erbe der Revolution am besten verteidigen. Die Sorge, dass Repräsentanten des alten Regimes wie der frühere ägyptische Außenminister und Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Musa, oder Mubaraks einstiger Ministerpräsident Ahmed Shafiq das Rennen machen könnten, ist groß.
Die Euphorie der Revolutionstage ist nüchternem Realitätssinn gewichen. Vom Geist der „semi-utopischen Gemeinschaft des Tahrir-Platzes“ sei nicht viel übrig, sagt die 26 Jahre alte Mona Seif. „Ich war so naiv zu glauben, der Übergang nach dem Sturz Mubaraks würde schnell und reibungslos vonstatten gehen - und viel weniger blutig“, sagt sie. Immer wieder im vergangenen Jahr ist es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften gekommen, Dutzende Menschen wurden getötet. Aber auch wenn sich das Generationen übergreifende Anti-Mubarak-Bündnis längst in viele kleine Initiativen zersplittert hat, glaubt sie an die Macht der Protestbewegung. „Ein neuer Präsident wird uns brauchen, um den Druck gegen die Militärs aufrechtzuerhalten“, sagt sie.
Nasser beherrscht die linken Koepfen immer noch in europa
Josef Bujtor (Mramorak)
- 23.05.2012, 13:14 Uhr
Tja, da ist wohl nach dem Frühling schon der Winter da. Jeder
halbwegs vernunftbegabte Mensch
bernd stegmann (fazhansi)
- 23.05.2012, 11:56 Uhr
Ihr Beitrag
Reinhard Bauer (HardyB)
- 23.05.2012, 10:25 Uhr
„ Die Opposition in Ägypten ist gespalten.“
Angelika King (AIKing)
- 23.05.2012, 08:59 Uhr
Wahl der Qual
Richard Löwe (RichardL)
- 23.05.2012, 07:01 Uhr