Home
http://www.faz.net/-gq5-76hc8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ägypten Straßenschlachten vor dem Präsidentenpalast

In Kairo haben sich Regierungsgegner vor dem Präsidentenpalast Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Diese setzte Tränengas und Wasserwerfer ein.

© dpa Vergrößern Vor dem Präsidentenpalast in Kairo: Wasserwerfer gegen Demonstranten

Mehr als zehntausend Aktivisten haben in Ägypten am zweiten Jahrestag des Rücktritts von Präsident Husni Mubarak gegen die neue islamistische Regierung demonstriert. Vor dem Präsidentenpalast lieferten sich Regierungsgegner am Montagabend Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte. Präsident Muhammad Mursi ließ sich vor dem Palast nicht blicken. Mubarak war am 11. Februar 2011 nach tagelangen Massenprotesten zurückgetreten. Sein Nachfolger Mursi ist der erste Islamist an der Spitze des ägyptischen Staates.

Der „Schwarze Block“ blockiert die U-Bahn

Tagsüber hatten Angehörige der Anarchisten-Bewegung „Black Block“ die U-Bahn in Kairo blockiert. Andere Demonstranten verbarrikadierten den Eingang der zentralen Meldebehörde am Tahrir-Platz. Das Ägyptische Museum, das auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes liegt, wurde geschlossen, um mögliche Zerstörung oder Diebstahl zu verhindern. Der Protest stand unter dem Motto „Das Volk will den Sturz des Regimes“.

Zu den Protestmärschen in Kairo hatten mehrere Parteien und Revolutionsgruppen aufgerufen. Sie kritisieren die Politik der Regierung des islamistischen Präsidenten Mursi. Ihr Protest richtete sich auch gegen das Innenministerium. Sie werfen ihm vor, seine Polizisten griffen heute immer noch zu den gleichen brutalen Methoden wie einst unter Mubarak. Auf einer Nil-Brücke riefen junge Demonstranten: „Wach auf Mursi, heute ist dein letzter Tag (im Amt)!“.

Die Jugendbewegung 6. April versammelte sich erst auf dem Platz vor der Börse und blockierte danach das Büro des von Präsident Mursi neu eingesetzten Generalstaatsanwaltes Talaat Abdullah. Die Aktivisten forderten die Aufklärung des Todes ihres Mitgliedes Gaber Saleh, genannt „Gika“. Sie riefen: „Verschwinde, verschwinde, Mursi“. Saleh, dessen Name seine Mitstreiter inzwischen auf Hunderte Wände in Kairo gesprüht haben, war bei einer Demonstration im November ums Leben gekommen. Angeblich erschoss ihn die Polizei.

Demonstrationen auch in Alexandria

In Alexandria, der zweitgrößten Stadt Ägyptens, zogen Angehörige mehrerer Parteien durch die Straßen. Sie verteilten nach Angaben des ägyptischen Nachrichtenportals „youm7“ eine Erklärung, in der sie beklagten: „Zwei Jahre ist es jetzt her, dass das korrupte alte Regime gestürzt wurde, doch wir stellen nicht fest, dass sich seither etwas geändert hätte. Damals wie heute spielt der Wille des Volkes eine entscheidende Rolle.“

Der 84 Jahre alte Machthaber Mubarak war im Jahr 2011 nach fast 30 Jahren an der Macht vom Militär zum Rücktritt gezwungen worden. Er wurde später inhaftiert und wegen der Tötung von Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Der Prozess soll demnächst wiederholt werden.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA-AFX

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Blockupy-Proteste in Frankfurt Kritik und Verständnis für Gewalt

Bei Ausschreitungen rund um die Proteste in Frankfurt sind Dutzende Polizisten und zahlreiche Demonstranten verletzt worden. Die Blockupy-Organisatoren äußern auch Verständnis für die Demonstranten. Die Bundesregierung verurteilt die Gewalt scharf. Mehr

18.03.2015, 15:16 Uhr | Rhein-Main
Kairo Gericht stellt Verfahren gegen Mubarak ein

Gut drei Jahre nach dem Tod Hunderter Demonstranten hat ein ägyptisches Gericht das Verfahren gegen den früheren Präsidenten Husni Mubarak eingestellt. Auch sein damaliger Innenminister Habib al-Adli sowie sechs führende Sicherheitsoffiziere wurden entlastet. Mehr

30.11.2014, 11:27 Uhr | Politik
Blockupy-Proteste in Frankfurt Im Ausnahmezustand

Mindestens 200 Verletzte, Dutzende zerstörte Autos, zertrümmerte Fensterscheiben - das ist das Fazit der Ausschreitungen von Frankfurt. Die Polizei spricht von einem der schlimmsten Angriffe auf die Einsatzkräfte seit Jahren. Mehr Von Justus Bender, Katharina Iskandar und Jonas Jansen

18.03.2015, 18:20 Uhr | Rhein-Main
Ägypten Tote an viertem Jahrestag des Aufstands gegen den Präsidenten

Vor vier Jahren hat in Ägypten der Aufstand gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak begonnen. Bei Kundgebungen zum Jahrestag kam es landesweit zu Ausschreitungen, mehrere Menschen starben. Mehr

26.01.2015, 10:44 Uhr | Politik
Blockupy-Proteste in Frankfurt Von Straßenschlacht zu friedlichem Protestzug

Nach Krawallen und Straßenschlachten am Morgen haben Tausende von Menschen am Nachmittag friedlich demonstriert. Bei den Blockupy-Protesten wurden mehrere Demonstranten und Polizisten verletzt. Mehr

18.03.2015, 16:50 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.02.2013, 21:24 Uhr

Sozialistische Übungen

Von Reinhard Müller

Mit Quoten und Bremsen will die Bundesregierung der Bevölkerung Gutes tun. Doch sind diese Vorhaben nur Ausdruck eines paternalistischen Monsters. Und der Opposition geht das immer noch nicht weit genug. Mehr 5 21