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Ägypten Neun Tote bei Protesten gegen Muslimbrüder

 ·  Bei Protesten gegen die regierenden Islamisten werden in Ägypten neun Menschen getötet. Mehr als 370 Demonstranten wurden verletzt. Zehntausende Menschen gingen in Kairo und weiteren Provinzen auf die Straßen.

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© AFP Vergrößern „Bengalos“ und erhobene Fäuste: Skandierend zogen Demonstranten vor das Gefängnis in Suez

Blutiger Jahrestag des Aufstandes gegen Präsident Husni Mubarak in Ägypten: Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten sind an diesem Freitag in Suez neun Menschen getötet worden. 379 Menschen wurden bei Protestaktionen in mehreren Provinzen verletzt, wie Krankenhausärzte und Sanitäter berichteten. Unter den Verletzten waren mehrere Dutzend Angehörige der Ordnungspolizei. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den Toten um junge Männer, die vor dem Gouverneursgebäude in Suez von Schüssen getroffen wurden, als Demonstranten das Gebäude stürmen wollten.

Zehntausende Demonstranten in Kairo

Gewalt auf den Straßen gab es auch in den Metropolen Kairo und Alexandria. Aktivistinnen berichteten zudem von sexuellen Übergriffen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die zentrale Kundgebung der Opposition stattfand. In Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender Al-Arabija berichtete. Am Nachmittag hatten auf dem Tahrir-Platz in Kairo Zehntausende Oppositionelle gegen die regierenden Islamisten demonstriert, denen sie vorwarfen, sie hätten die „Ziele der Revolution des 25. Januar 2011 verraten“. „Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit“ riefen Zehntausende von Demonstranten und „Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder“.

Auch rund um den Präsidentenpalast kam es am Abend zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen. Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein. Staatschef Mohammed Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast. Die Muslimbrüder, die Mursi im vergangenen Jahr als ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert hatten, beteiligten sich nicht an den Protestaktionen. Bei dem ersten „Revolutionsgeburtstag“ 2012 waren die Islamisten noch mit dabei gewesen. Damals war noch der Militärrat an der Macht, der Mubarak ein Jahr zuvor zum Rücktritt gezwungen hatte.

Der Aufstand hatte am 25. Januar 2011 begonnen und 17 Tage später zum Rücktritt Mubaraks geführt. In der Hauptstadt Kairo trafen am Nachmittag mehrere Protestmärsche auf dem zentralen Tahrir-Platz zusammen, auf dem die Proteste gegen Mubarak begonnen hatten. Unter den Demonstranten waren der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei und der populäre linke Oppositionelle Hamdien Sabbahi.

© dpa Vergrößern Zum zweiten Jahrestag des Volksaufstands: Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten. Bereits am Vorabend der geplanten Demonstrationen hatte es in der Umgebung des Platzes Gewalt zwischen Polizisten und jungen Regierungsgegnern gegeben, die eine Betonmauer vor dem Regierungsviertel niederreißen wollten. Dabei waren 16 Menschen verletzt worden. In der Hafenstadt Alexandria setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. Diese bewarfen die Beamten mit Steinen. Gegen die Herrschaft der Muslimbrüder demonstrierten Anhänger von Oppositionsparteien auch in der Touristenstadt Luxor. Einige Demonstranten forderten die Todesstrafe für jeden, der Schuld am Tod der Demonstranten bei den Protesten 2011 trage. Mursi hatte am Donnerstag von einer „Konterrevolution“ gesprochen. Er behauptete, die Proteste würden von „Überbleibseln des Mubarak-Regimes“ gesteuert.

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