Home
http://www.faz.net/-gq9-761nt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ägypten Neun Tote bei Protesten gegen Muslimbrüder

Bei Protesten gegen die regierenden Islamisten werden in Ägypten neun Menschen getötet. Mehr als 370 Demonstranten wurden verletzt. Zehntausende Menschen gingen in Kairo und weiteren Provinzen auf die Straßen.

© AFP Vergrößern „Bengalos“ und erhobene Fäuste: Skandierend zogen Demonstranten vor das Gefängnis in Suez

Blutiger Jahrestag des Aufstandes gegen Präsident Husni Mubarak in Ägypten: Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten sind an diesem Freitag in Suez neun Menschen getötet worden. 379 Menschen wurden bei Protestaktionen in mehreren Provinzen verletzt, wie Krankenhausärzte und Sanitäter berichteten. Unter den Verletzten waren mehrere Dutzend Angehörige der Ordnungspolizei. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den Toten um junge Männer, die vor dem Gouverneursgebäude in Suez von Schüssen getroffen wurden, als Demonstranten das Gebäude stürmen wollten.

Zehntausende Demonstranten in Kairo

Gewalt auf den Straßen gab es auch in den Metropolen Kairo und Alexandria. Aktivistinnen berichteten zudem von sexuellen Übergriffen auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo die zentrale Kundgebung der Opposition stattfand. In Ismailia am Suez-Kanal zündeten Randalierer das Parteibüro der Muslimbrüder an und verwüsteten das Gouverneursgebäude, wie der TV-Sender Al-Arabija berichtete. Am Nachmittag hatten auf dem Tahrir-Platz in Kairo Zehntausende Oppositionelle gegen die regierenden Islamisten demonstriert, denen sie vorwarfen, sie hätten die „Ziele der Revolution des 25. Januar 2011 verraten“. „Freiheit, Brot und soziale Gerechtigkeit“ riefen Zehntausende von Demonstranten und „Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder“.

Mehr zum Thema

Auch rund um den Präsidentenpalast kam es am Abend zu Straßenschlachten, bei denen Steine flogen. Die Ordnungspolizei setzte Tränengas ein. Staatschef Mohammed Mursi fuhr durch einen Hintereingang in den von Demonstranten belagerten Präsidentenpalast. Die Muslimbrüder, die Mursi im vergangenen Jahr als ihren Kandidaten für die Präsidentenwahl nominiert hatten, beteiligten sich nicht an den Protestaktionen. Bei dem ersten „Revolutionsgeburtstag“ 2012 waren die Islamisten noch mit dabei gewesen. Damals war noch der Militärrat an der Macht, der Mubarak ein Jahr zuvor zum Rücktritt gezwungen hatte.

Der Aufstand hatte am 25. Januar 2011 begonnen und 17 Tage später zum Rücktritt Mubaraks geführt. In der Hauptstadt Kairo trafen am Nachmittag mehrere Protestmärsche auf dem zentralen Tahrir-Platz zusammen, auf dem die Proteste gegen Mubarak begonnen hatten. Unter den Demonstranten waren der ehemalige Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, sowie Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei und der populäre linke Oppositionelle Hamdien Sabbahi.

Ägypten Zum zweiten Jahrestag des Volksaufstands: Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo © dpa Bilderstrecke 

Während es auf dem Tahrir-Platz relativ friedlich blieb, kam es in zwei Nebenstraßen zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Ordnungspolizei und einigen Demonstranten. Bereits am Vorabend der geplanten Demonstrationen hatte es in der Umgebung des Platzes Gewalt zwischen Polizisten und jungen Regierungsgegnern gegeben, die eine Betonmauer vor dem Regierungsviertel niederreißen wollten. Dabei waren 16 Menschen verletzt worden. In der Hafenstadt Alexandria setzte die Polizei Tränengas gegen Demonstranten ein. Diese bewarfen die Beamten mit Steinen. Gegen die Herrschaft der Muslimbrüder demonstrierten Anhänger von Oppositionsparteien auch in der Touristenstadt Luxor. Einige Demonstranten forderten die Todesstrafe für jeden, der Schuld am Tod der Demonstranten bei den Protesten 2011 trage. Mursi hatte am Donnerstag von einer „Konterrevolution“ gesprochen. Er behauptete, die Proteste würden von „Überbleibseln des Mubarak-Regimes“ gesteuert.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ägypten Zurück in bleiernen Zeiten

Vier Jahre liegt der Beginn des Aufstands gegen Husni Mubarak zurück. Es folgten ein Intermezzo der Muslimbrüder und ein Putsch des Militärs. Doch die Aktivisten von damals geben nicht auf. Ein Besuch in der Revolutionshochburg Alexandria. Mehr Von Markus Bickel, Alexandria

25.01.2015, 12:32 Uhr | Politik
Ägypten Tote an viertem Jahrestag des Aufstands gegen den Präsidenten

Vor vier Jahren hat in Ägypten der Aufstand gegen den damaligen Präsidenten Husni Mubarak begonnen. Bei Kundgebungen zum Jahrestag kam es landesweit zu Ausschreitungen, mehrere Menschen starben. Mehr

26.01.2015, 10:44 Uhr | Politik
Protest gegen Karikaturen Unser Prophet, unsere Ehre!

In Iran, Pakistan und Afghanistan protestieren zehntausende Gläubige nach dem Freitagsgebet gegen Mohammed-Karikaturen in der Zeitschrift Charlie Hebdo. In Kabul fallen vor der französischen Botschaft Warnschüsse. Mehr

23.01.2015, 16:56 Uhr | Politik
Kairo Proteste gegen Freispruch Mubaraks

Bei Protesten gegen die Einstellung des Gerichtsverfahrens von Ex-Präsident Mubarak ist in Kairo mindestens eine Person getötet worden. Mehr als 1000 Demonstranten haben gegen den Freispruch Mubaraks protestiert. Mehr

30.11.2014, 10:15 Uhr | Politik
Big Data als Hellseher Schönen Gruß an Nostradamus

Die Zukunft vorhersagen - wer will das nicht? Amerikanische Wissenschaftler versuchen es jetzt, mit freundlicher Unterstützung von Google. Aber es ist auch mit Big Data nicht so leicht. Mehr Von Adrian Lobe

22.01.2015, 08:03 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 25.01.2013, 16:03 Uhr

Woher kommen wir?

Von Reinhard Müller

Der Bundesgerichtshof hat das Recht der Kinder, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind, gestärkt. Eine wichtige Entscheidung. Denn auf dem Spiel steht noch viel mehr: Familie und Kultur. Mehr 16 27