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Ägypten Mursi fordert Dialog aller politischen Kräfte

 ·  Nach Inkraftsetzung der neuen Verfassung hat der ägyptische Präsident Mursi alle politischen Kräfte aufgefordert, die Spannungen im Dialog zu überwinden. Westliche Politiker appellieren an ihn, auf seine Kritiker zuzugehen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (6)
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chantalle ezer
chantalle ezer (ezer) - 27.12.2012 20:53 Uhr

immer die gleiche MAsche

Mursi folgt dem altbewährten Drehbuch: die Macht zuhause wird offiziell gesichert und durch die Abgabe von Wahlzetteln legitimiert. Freunde und Verwandte werden mit Posten versorgt, um ungestört ins Ausland reisen zu können.
Nun beginnt die internationale Betteltour. Mursi muss nicht mit einem 'Business-Plan' anreisen, sondern nur mit der Bemerkung ein paar Jihadisten auf Deutschland loszulassen und das Geld wird rollen. Fuer Frankreich ist eine gute Gelegenheit ihre alten Waffensysteme und Flugzeuge loszuwerden.
Die Solidaritaet der arabischen Welt sieht so aus: die Visa ägyptischer Gastarbeiter wurden in verschiedenen Emiraten nicht erneuert, auch nicht in Saudi-Arabien. Katar laesst sich auf der Geberseite nicht mehr blicken.

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Jan Petersen

Erdogan hat bewiesen, dass es möglich ist ...

eine moderate religiöse Ausrichtung mit einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik zu vereinbaren.

Und man darf auch nicht vergessen, dass Ägypten von den Muslimbrüdern regiert wird, deren Funktionäre größtenteils Ärzte, Ingenieure und Geschäftsleute sind - und nicht irgendwelche Fanatiker und Hassprediger.

Das hat auch die US-Regierung verstanden, die sich mir Kritik an Mursi auffallend zurückhält - für sie wie auch für Israel wäre eine linksnationalistische Regierung wie unter Nasser weitaus bedrohlicher.

Wenn die Debatte in Ägypten erst einmal von den großen Grundsatzfragen zur Tagespolitik übergeht, dürfte man denn auch ganz neue Allianzen erwarten können.

Die marktwirtschaftlich orientierten Muslimbrüder dürften viele Gemeinsamkeiten mit der wirtschaftsliberalen Partei des christlichen Multimillionärs Sawiris finden.

Und in der Verteidigung der Rechte der verarmten Unterschicht dürften sich die Salafis und die Partei des linken Nasseristen Sabbahi ebenfalls einig sein.

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Herbert Sax
Herbert Sax (H.Sax) - 27.12.2012 12:19 Uhr

Mursi wird bald feststellen dass man den Koran nicht essen kann

Ägypten ist mit einer immer noch hohen Geburtenrate völlig verarmt. Ausländische Investoren haben sich mit dem aufkommem der Revolution zurückgezogen und werden unter den Islamisten auch nicht zurück kommen. Der Tourismus liegt danieder und die wenigen Industriekomplexe gehören der Armee an die sich Mursi trotz seiner Machtfülle nicht herantraut, denn die Armee ist ein Staat im Staat und hat sich auch unter den Islamisten ihren Einfluss gesichert. Die eher gebildeten säkularen Kräfte werden das Land verlassen weil keine Hoffnung mehr auf eine Liberalisierung der Gesellschaft besteht. Die Mullahs gewinnen weiter an Einfluss und Ägypen könnte ein zweiter Iran werden. Kommt Mursi in Bedrängnis wird er sich zur Ablenkung des unzufriedenen Volkes einem äußeren Feind zuwenden. Eine weiterer Konflikt mit Israel scheint vorprogrammiert zu sein. Es wird immer klarer, der Islam ist das größte Hindernis zur Entwicklung der Arabischen Gesellschaft.

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Raika Geng
Raika Geng (Lailaps) - 27.12.2012 11:17 Uhr

Herr Mursi hat sich um Ägypten nicht verdient gemacht

Erst in einer Nacht- und Nebelaktion die eigene Position durch Übertölpen des großen unmündigen Bevölkerungsanteiles und ohne breiten gesellschaftlich- öffentlichen Dialog über die anzustrebene neue demokratisch-freiheitliche Grundordnung sichern und dann "gnädig" und wegen der drohenden Konflikte auch fordernd zum Dialog aufrufen und bald in der Welt herumreisen und sich mit allen Ehren empfangen lassen: Nicht schlecht für den Anfang,was der Herr Mursi da hingelegt hat!

Zwar hat das Ganze zwar wenig mit Demokratie und schon gar nichts mit Freiheit zu tun, aber Herr Mursi hat das neue Instrument ("demokratisch legitimiert") schon mal machtpolitisch erfolgreich(?) ausprobiert. Zu mehr hat es bei ihm nicht gereicht. Er hat damit seinem Land einen Bärendienst erwiesen.

Herr Mursi hat sich um Ägypten nicht verdient gemacht.

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Martin Wehlan
Martin Wehlan (wehlan) - 27.12.2012 10:21 Uhr

Ägyptischer Winter

Es gibt drei Dinge, bei denen man nicht weiß wie sie enden, wenn sie einmal angefangen haben. Das sind Krieg, Liebe und Revolution. So wie auf die französische Revolution die Schreckensherrschaft der Jakobiner folgte, so folgt auf den "arabischen Frühling" der Islamismus. Demokratie wird von Herrn Mursi so verstanden, wie der Kabarettist Vince Ebert es beschrieben hat, nämlich dass sechs Wölfe und zwei Hasen darüber abstimmen dürfen, was es heute zum Abendessen gibt. Es droht nun ein Bürgerkrieg oder ein Militärputsch. Die gebildeten Ägypter werden das Land verlassen, genau so wie es nach 1979 im Iran war. Freiheit lässt sich nun einmal nicht ohne Aufklärung erreichen. Deshalb hat die kleine Pflanze Freiheit im islamischen Raum so wenig Platz.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.12.2012 19:35 Uhr
Jan Petersen

Nach dem Winter kommt der Frühling

In Ägypten droht weder ein Bürgerkrieg noch ein Militärputsch. Die Generäle können mit ihrer Behandlung durch die Muslimbrüder recht zufrieden sein - hätten die liberalen und linken Revolutionäre bei der Erstellung der Verfassung das Sagen gehabt, wären ihre Privilegien weitaus stärker eingeschränkt worden.

Und die liberale Opposition wird irgendwann einsehen müssen, dass es erfolgreicher ist, sich am politischen Prozess zu beteiligen, als zu versuchen, ihre Forderungen mit Streiks und Demonstrationen durchzusetzen.

Der größte Teil der Bevölkerung ist ohnehin nicht so sehr an den großen Grundsatzfragen interessiert, als vielmehr daran, wer in der Lage ist, Arbeitsplätze zu schaffen, das Verkehrschaos zu reduzieren und die Qualität der Schulen und Universitäten zu verbessern.

Da sind Pragmatiker gefragt, nicht Ideologen ...

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26.12.2012, 21:11 Uhr

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