Je nach Standpunkt üben die Vereinigten Staaten zu viel oder zu wenig Druck auf die Machthaber in Kairo aus. Ein Vorwurf lautet, sie ergriffen nicht eindeutig Partei. Tatsächlich ergeben die Wortmeldungen aus Washington keine einheitliche Botschaft. Klar ist nur, dass der Übergang zu einer neuen Ordnung jetzt zu beginnen habe. Aber wie schnell soll er vollzogen werden, in welche Richtung soll er gehen - mit oder ohne Mubarak? Den hatte Vizepräsident Biden zu Beginn des ägyptischen Volksaufstands noch gegen den Vorwurf in Schutz genommen, er sei ein Diktator. Das würde Biden heute nicht mehr sagen. Selbst mit ihrem sanften Druck zieht sich die amerikanische Regierung den Zorn der ägyptischen Führung zu, die sich keine Vorschriften machen lassen will. Auch andere arabische Herrscher, die das Gefühl beschleicht, Amerika könne auch sie schnell fallenlassen, finden den Umgang mit einem langjährigen Partner empörend.
Obama sitzt also zwischen allen Stühlen. Vielleicht lässt sich diese Position gar nicht vermeiden; schließlich muss die amerikanische Regierung ein ganzes Bündel zum Teil konkurrierender Interessen im Auge behalten. Selbst wenn die Demonstranten in Kairo sich im Stich gelassen fühlen, so ist ein geordneter Übergang vermutlich der vernünftigste Ansatz. Niemand kann daran gelegen sein, dass das Aufbegehren in Strömen von Blut und Chaos endet. Übrigens: Einige, die jetzt ein energisches Eintreten Amerikas für Demokratie fordern, fanden Obamas anfängliche Passivität angesichts der Proteste in Iran 2009 ganz richtig. Da wollte man die Machthaber in Teheran nicht reizen. Aber wer weiß, vielleicht wird hinter den Kulissen weit mehr Druck ausgeübt, als das Publikum wahrnimmt. So oder so: Mubarak ist Geschichte.
Die Dampredner beidseits des Atlantiks haben sich blamiert
thomas fix (fixit)
- 11.02.2011, 11:02 Uhr
Ein sehr vernünftiger Kommentar
Josef Bujtor (Mramorak)
- 11.02.2011, 12:10 Uhr