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Ägypten Begrapscht und vergewaltigt

Ägyptens Frauen gehörten zu den treibenden Kräften der Revolution gegen Husni Mubarak. Doch das neue Regime tritt ihre Rechte mit Füßen. Sexuelle Übergriffe und Vergewaltigung sollen sie aus der Politik vertreiben.

© Getty Images Vergrößern Vereint gegen Übergriffe: Männer und Frauen protestieren am Mittwoch in Kairo gegen sexuelle Belästigung.

Salma al Tarzi steht unter Strom. Gerade hat sie auf ihrem Blackberry eine Meldung erhalten. Hektisch tippt die kleine Frau mit den lockigen grauen Haaren in die Tasten ihres Mobiltelefons. Ein paar Sekunden später ruft jemand zurück, dem sie Anweisungen gibt. Zeit zum Durchatmen bleibt ihr nicht, der Demonstrationszug setzt sich gerade in Bewegung. „Das Volk will den Sturz des Regimes!“, schallt es von einer Gruppe Frauen hinüber. „Weg mit den Brüdern“ steht auf einem Transparent. Eine Gruppe Männer in gelben Schutzwesten hat sich untergehakt, um die Menschenansammlung vor den vorbeifahrenden Autos zu schützen. Polizisten sind nicht zu sehen vor der Saijda-Zeinab-Moschee im Zentrum Kairos.

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„Die Stimmung insgesamt hat sich verschlechtert“, sagt al Tarzi. Politisch, wirtschaftlich, aber auch, was die Sicherheit auf den Straßen anbelangt, sei es zuletzt nur noch den Bach runtergegangen. Seit Spätherbst 2012 ist sie eine der Koordinatorinnen der Kampagne gegen sexuelle Übergriffe „OpAntiSH“ (Operation Anti Sexual Harassment). Während der Proteste gegen die Selbstermächtigungsdekrete Präsident Muhammad Mursis im vergangenen November waren Frauen auf dem Tahrir-Platz von einem Männer-Mob angriffen worden. Mit der Initiative wollen sie gegen Diskriminierung und sexuelle Gewalt vorgehen. „Wir wollen direkt eingreifen, wenn die Angriffe stattfinden“, sagt die 34 Jahre alte Aktivistin. Die Übergriffe auf Frauen, die sich seit dem Winter häufen, sieht sie als Versuch, politisch aktive Frauen von den Straßen zu vertreiben. „Das lassen wir uns nicht gefallen.“

„Ein Versagen des Staates“

Ägyptens Frauen gehörten zu den treibenden Kräften der Revolution gegen Husni Mubarak, der vor genau zwei Jahren, am 11. Februar, gestürzt wurde. Die Massenproteste auf dem Tahrir-Platz feierten ägyptische und ausländische Medien auch als Erfolg der Gleichberechtigung - stolz berichteten die Aufständischen, dass die sonst üblichen Belästigungen dort nicht stattgefunden hätten. Übergriffe gegen Frauen gibt es seit langem, schon unter Mubarak seien sie ein Mittel politischer Unterdrückung gewesen, sagt al Tarzi. „Sexuelle Übergriffe zählten schon immer zu den Taktiken des Systems, um Frauen zum Schweigen zu bringen.“ Doch das alte Regime schreckte noch vor Gruppenvergewaltigungen zurück. Seit dem Wiederaufflammen der Proteste gegen den in der islamistischen Muslimbruderschaft politisch groß gewordenen Präsidenten Mursi im Winter ist auch das kein Tabu mehr. Allein 19 Angriffe zählte die Organisation für Frauenrechte und „feministische Studien“, Nazra, am Jahrestag des Revolutionsbeginns am 25. Januar rund um den Tahrir-Platz.

„OpAntiSH“ wird nur an Tagen großer Demonstrationen aktiv, wenn die Täter im Schutz der Massen sich besonders sicher fühlen. „Es reicht, 200 Leute dafür zu bezahlen, und 2000 machen mit“, sagt al Tarzi, die in ihren Turnschuhen, blauen Jeans und weißem T-Shirt mit dem orangenen Schriftzug der Initiative jetzt die Spitze des Demonstrationszugs erreicht hat. Ihre Mitstreiterinnen verteilen Flugblätter an die Insassen eines Busses, der gerade vorbeifährt. Große Bilder mit Ikonen der ägyptischen Frauenbewegung wie der Sängerin Um Kulthum und der Frauenrechtlerin Huda Scharani, die 1932 auf dem Kairoer Bahnhof öffentlich ihren Schleier ablegte, halten einige der Aktivistinnen in den Händen. Unverschleierte und Frauen mit Kopftuch, Jung wie Alt, sind bei der Demonstration dabei. Die Demonstration findet am „Internationalen Tag gegen Genitalverstümmelung“ statt - trotz Verbots findet die weibliche Beschneidung in Äypten weiter flächendeckend statt.

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