Home
http://www.faz.net/-gq9-765zo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Ägypten Angst vor der dunklen Zeit

Furcht vor Gewaltausbrüchen und bewaffneten Übergriffen: In Suez eilen viele Menschen in der Dämmerung nach Hause. Die Armee zeigt Präsenz, denn die Region ist überlebenswichtig für Ägypten.

© dpa Vergrößern Trotz Ausgangssperre: Proteste in Suez

Soldaten schützen jetzt die Polizisten von Attaka. Ein großer Panzer versperrt die Einfahrt zur Polizeiwache in dem direkt am Hafen gelegenen Ortsteil von Suez. Davor unterhält sich eine Handvoll Soldaten mit Passanten. Schwarze Brandspuren auf dem Asphalt sind noch zu sehen - Überbleibsel der Attacke auf die Polizeistation vom Wochenende. Bedrohlich sehen die jungen Rekruten nicht aus, im Gegenteil. Müde reibt sich einer die Augen, die vergangenen Nächte haben ihm zugesetzt. „Zum Glück ist es heute ruhig geblieben“, sagt ein Mann, der zu der Gruppe stößt. „Die vergangenen Tage waren die Hölle.“

Markus  Bickel Folgen:    

Seit Montag herrscht in Suez der Ausnahmezustand. Auch über die beiden anderen, weiter nördlich gelegenen ägyptischen Städte am Suez-Kanal, Ismailia und Port Said, hat Präsident Muhammad Mursi für dreißig Tage eine Ausgangssperre verhängt, nachdem bis Wochenbeginn mehr als vierzig Menschen getötet worden waren, neun davon in Suez.

Die am Kreisel am Ortseingang von Suez positionierten Soldaten scheint der Notstand nicht mehr sonderlich zu beunruhigen. Ebenso unbeteiligt wie ihre Kameraden im Stadtinnern verfolgen sie an diesem Nachmittag die vorbeiziehenden Kleinbusse, Tieflader und Lastwagen. Obsthändler verkaufen auf ihren Wägen am Straßenrand Bananen und Orangen, Polizisten in orangefarbenen Schutzwesten winken die Autos weiter.

Der Ausnahmezustand ist fast Normalzustand

Doch die Armee zeigt Präsenz. Vor der Zufahrt zur amerikanischen Ölfirma Exxon Mobil steht ein Panzer, auch das Fischrestaurant „Castello“ gegenüber dem Fußballstadion wird von Soldaten geschützt. In Suez scheint der Ausnahmezustand fast Normalzustand zu sein. Gelegen am südlichsten Ende des Suezkanals, steht die Stadt schon immer unter besonderem Schutz des Militärs. Ägypten ist im Grunde nur wegen des Kanals von Bedeutung für die Weltwirtschaft, die knapp 200 Kilometer lange Wasserstraße wird jährlich von rund 20.000 Schiffen passiert. Vom Roten Meer weht ein leichter Wind über die Corniche.

Auf dem baufälligen Mäuerchen entlang der Uferstraße sitzen Pärchen Arm in Arm, hinter ihnen warten die großen Dampfer und Frachter auf den Durchlass in den engen Kanal, der in nördliche Richtung nur vormittags befahren werden kann. Elf bis sechzehn Stunden dauert die Fahrt der Konvois, die in Port Said am Mittelmeer endet.

Würden Aufständische die Kanalbehörde in Ismailia unter ihre Kontrolle bringen, ließe sich der Betrieb, der neben dem Tourismus wichtigste Einnahmequelle der ägyptischen Wirtschaft ist, kaum noch sichern. Auch deshalb misst Verteidigungsminister Abdel Fattah al Sisi dem Gouvernorat Suez strategisch so große Bedeutung bei. Ausdrücklich begründete er die Verhängung des Ausnahmezustands am Dienstag mit dem Schutz des Kanals. Ein von der Armee geführtes Komitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung nach den Unruhen schätzt den Verdienstausfall seit Samstag auf umgerechnet rund 3,3 Millionen Euro.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ägypten Zurück in bleiernen Zeiten

Vier Jahre liegt der Beginn des Aufstands gegen Husni Mubarak zurück. Es folgten ein Intermezzo der Muslimbrüder und ein Putsch des Militärs. Doch die Aktivisten von damals geben nicht auf. Ein Besuch in der Revolutionshochburg Alexandria. Mehr Von Markus Bickel, Alexandria

25.01.2015, 12:32 Uhr | Politik
Nato: Mehr als 1000 russische Soldaten in der Ukraine

Auf Satellitenbildern des Militärbündnisses sollen unter anderem Armee-Konvois, Panzer und Artillerie zu sehen sein. Russland weist Berichte über Truppenentsendungen zurück Mehr

28.08.2014, 21:54 Uhr | Politik
Terrorangriff in Ägypten IS-Ableger tötet mindestens 20 Menschen

Auf der Halbinsel Sinai haben IS-Sympathisanten mehrere Stützpunkte und ein Hotel angegriffen. Die Terroristen schossen mit Granaten und zündeten Autobomben. Mehr

30.01.2015, 07:34 Uhr | Politik
Kiew meldet russische Truppen in Ukraine

Nach Angaben der ukrainischen Regierung gibt es russische Truppenbewegungen auf ukrainischem Boden. Premierminister Arseni Jazenjuk sagte, Russland habe Panzern und Truppen geschickt, russische Soldaten seien bereits auf ukrainischem Grund. Mehr

28.08.2014, 15:05 Uhr | Politik
Krieg in der Ukraine Regierung zahlt Soldaten Prämien für Abschüsse

Die Regierung in Kiew hat am Mittwoch beschlossen, ihren Soldaten Prämien für zerstörtes Kriegsmaterial der prorussischen Separatisten zu zahlen. So gibt es für einen Panzer 2400 Euro und ein Flugzeug ist 6000 Euro wert. Mehr

29.01.2015, 11:03 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.01.2013, 20:45 Uhr

Der verlängerte Arm der AfD?

Von Jasper von Altenbockum

Die Spaltung von Pegida geht in eine Richtung, die der AfD zu einem verlängerten Arm verhelfen könnte. Wohin das die AfD treibt, wird sich am Wochenende in Bremen zeigen. Ein Kommentar. Mehr 129 16