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Ägypten Angst vor der dunklen Zeit

Furcht vor Gewaltausbrüchen und bewaffneten Übergriffen: In Suez eilen viele Menschen in der Dämmerung nach Hause. Die Armee zeigt Präsenz, denn die Region ist überlebenswichtig für Ägypten.

© dpa Vergrößern Trotz Ausgangssperre: Proteste in Suez

Soldaten schützen jetzt die Polizisten von Attaka. Ein großer Panzer versperrt die Einfahrt zur Polizeiwache in dem direkt am Hafen gelegenen Ortsteil von Suez. Davor unterhält sich eine Handvoll Soldaten mit Passanten. Schwarze Brandspuren auf dem Asphalt sind noch zu sehen - Überbleibsel der Attacke auf die Polizeistation vom Wochenende. Bedrohlich sehen die jungen Rekruten nicht aus, im Gegenteil. Müde reibt sich einer die Augen, die vergangenen Nächte haben ihm zugesetzt. „Zum Glück ist es heute ruhig geblieben“, sagt ein Mann, der zu der Gruppe stößt. „Die vergangenen Tage waren die Hölle.“

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Seit Montag herrscht in Suez der Ausnahmezustand. Auch über die beiden anderen, weiter nördlich gelegenen ägyptischen Städte am Suez-Kanal, Ismailia und Port Said, hat Präsident Muhammad Mursi für dreißig Tage eine Ausgangssperre verhängt, nachdem bis Wochenbeginn mehr als vierzig Menschen getötet worden waren, neun davon in Suez.

Die am Kreisel am Ortseingang von Suez positionierten Soldaten scheint der Notstand nicht mehr sonderlich zu beunruhigen. Ebenso unbeteiligt wie ihre Kameraden im Stadtinnern verfolgen sie an diesem Nachmittag die vorbeiziehenden Kleinbusse, Tieflader und Lastwagen. Obsthändler verkaufen auf ihren Wägen am Straßenrand Bananen und Orangen, Polizisten in orangefarbenen Schutzwesten winken die Autos weiter.

Der Ausnahmezustand ist fast Normalzustand

Doch die Armee zeigt Präsenz. Vor der Zufahrt zur amerikanischen Ölfirma Exxon Mobil steht ein Panzer, auch das Fischrestaurant „Castello“ gegenüber dem Fußballstadion wird von Soldaten geschützt. In Suez scheint der Ausnahmezustand fast Normalzustand zu sein. Gelegen am südlichsten Ende des Suezkanals, steht die Stadt schon immer unter besonderem Schutz des Militärs. Ägypten ist im Grunde nur wegen des Kanals von Bedeutung für die Weltwirtschaft, die knapp 200 Kilometer lange Wasserstraße wird jährlich von rund 20.000 Schiffen passiert. Vom Roten Meer weht ein leichter Wind über die Corniche.

Auf dem baufälligen Mäuerchen entlang der Uferstraße sitzen Pärchen Arm in Arm, hinter ihnen warten die großen Dampfer und Frachter auf den Durchlass in den engen Kanal, der in nördliche Richtung nur vormittags befahren werden kann. Elf bis sechzehn Stunden dauert die Fahrt der Konvois, die in Port Said am Mittelmeer endet.

Würden Aufständische die Kanalbehörde in Ismailia unter ihre Kontrolle bringen, ließe sich der Betrieb, der neben dem Tourismus wichtigste Einnahmequelle der ägyptischen Wirtschaft ist, kaum noch sichern. Auch deshalb misst Verteidigungsminister Abdel Fattah al Sisi dem Gouvernorat Suez strategisch so große Bedeutung bei. Ausdrücklich begründete er die Verhängung des Ausnahmezustands am Dienstag mit dem Schutz des Kanals. Ein von der Armee geführtes Komitee zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung nach den Unruhen schätzt den Verdienstausfall seit Samstag auf umgerechnet rund 3,3 Millionen Euro.

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