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Naher Osten Streit über Arafats Begräbnisplatz

05.11.2004 ·  Während Arafat nur noch von Maschinen am Leben gehalten wird, streiten Israelis und Palästinenser über seine Grabstätte. Am Freitag hat sich nach Krankenhausangaben sein Zustand nicht weiter verschlechtert.

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Während Palästinenserpräsident Arafat mit dem Tod ringt, streiten sich Palästinenser und Israelis über den Ort seiner letzten Ruhe.

Seine Landsleute wollen Jassir Arafat auf dem Tempelberg im Osten Jerusalems, dem drittheiligsten Ort des Islam, beerdigen. Doch der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon lehnt dies kategorisch ab (Zwei alte Bekannte an der Stelle Arafats). Israel werde die Bestattung des palästinensischen Präsidenten im Gazastreifen billigen, sagte Justizminister Josef Lapid am Freitag. Der Wunsch Arafats auf eine letzte Ruhestätte in Jerusalem werde jedoch in keinem Fall erfüllt: „Dort sind jüdische Könige begraben, keine arabischen Terroristen.“

Brennpunkt Tempelberg

Arafat selbst soll seinen Vertrauten in den vergangenen Jahren mehrmals gesagt haben, er wolle nahe der Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem bestattet werden. Die Moschee ist der drittheiligste Ort im Islam, wurde allerdings auf den Ruinen des biblischen jüdischen Tempels errichtet. Der Streit über die Kontrolle des Tempelberges hat wiederholt Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern zum Scheitern gebracht. Der Beginn der „zweiten Initifada“ im Herbst 2000 entzündete sich an einem Besuch Scharons auf dem Tempelberg (Naher Osten: Die Hamas lauert bereits).

Streit über Arafats Begräbnisplatz

Ein Grab Arafats in Jerusalem würde den palästinensischen Anspruch untermauern, den arabischen Teil zur Hauptstadt eines künftigen Staates zu machen. Zugleich würde eine neue Kultstätte und damit auch ein Ort dauerhafter antijüdischer Demonstrationen entstehen. Das arabische Ost-Jerusalem, das die Palästinenser als Hauptsstadt ihres künftigen Staates betrachten, wurde 1967 von Israel erobert und dem Staatsgebiet eingegliedert.

Gab es einen letzten Willen Arafats?

Arafats Familie besitzt einen Friedhofsabschnitt in Chan Junis im Gazastreifen, wo unter anderem seine Schwester begraben liegt. Über Arafats angeblichen letzten Willen, auf dem Tempelberg in Jerusalem begraben zu werden, gibt es jedoch widersprüchliche Aussagen.

So hat nach Angaben eines ranghohen islamischen Geistlichen Arafat nie den Wunsch nach einem Begräbnis auf dem Tempelberg geäußert. „Wir haben die Angelegenheit nie mit dem Präsidenten besprochen, und er hat es uns gegenüber nie erwähnt“, sagte der Geistliche in Jerusalem.

Er muß binnen 24 Stunden beerdigt werden

„Niemand von uns hat es gewagt, danach zu fragen, weil es vielleicht Unglück gebracht hätte.“ Vermutlich würden Jordanien und Ägypten anbieten, daß Arafat bei ihnen zu Grabe getragen werden könne, mutmaßte er.

Nach islamischem Brauch sollten Tote am Tag ihres Ablebens oder am Folgetag begraben werden, was die palästinensischen Behörden vor schier unlösbare praktische Probleme stellt. Aus Paris hieß es, daß Arafat so lange künstlich am Leben gehalten werde, bis Einigkeit über die Grabstätte herrsche. In Ramallah wurde beteuert, es hätten noch keine Planungen für eine Beerdigung begonnen und es gäbe noch keine Abstimmungen mit der israelischen Regierung.

Dem Clan gehört eine Parzelle in Gaza

Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte Arafat in seinem Amtssitz in Ramallah im Westjordanland. Die Mukata wurde durch die israelische Belagerung praktisch zu seinem Gefängnis. Arafats Familie, die Al-Kidwas, stammt aus Gaza. Arafat selbst wurde allerdings in Kairo geboren und wuchs dort und in Jerusalem auf.

Der Clan besitzt ein Stück Land in Chan Junis im Gazastreifen. Das Problem: Die Parzelle liegt inmitten eines Gemüsemarktes - keine würdige Ruhestätte für das Symbol des palästinensischen Freiheitskampfes.

Ein Grab am Meer?

Angemessener erscheinen ein Grab am Meer nahe seines alten Hauptquartier in Gaza-Stadt oder auf dem „Märtyrer-Friedhof“ nahe der israelischen Grenze. Ein Begräbnis im Gazastreifen wäre in jedem Fall ein Albtraum für Trauergäste aus dem Ausland.

Arafat liegt seit Mittwochabend auf der Intensivstation eines Pariser Krankenhauses im Koma. Sein Gesundheitszustand ist stabil und hat sich seit Donnerstag nicht verschlechtert. Das teilte das Militärkrankenhaus Percy bei Paris am Freitag abend mit. Nähere Angaben wollten das Krankenhaus mit Rücksicht auf Arafats Familie nicht machen.

„Er kann wieder aufwachen“

Die palästinensische Gesandte in Frankreich, Leila Schahid, wies französische und israelische Medienberichte über einen Hirntod des 75jährigen vehement zurück. Arafat befinde sich in einem „reversiblen Koma“, sagte sie. „Er könnte (wieder) aufwachen oder auch nicht“. Alle lebenswichtigen Organe arbeiteten noch. Was geschieht, wenn ein Mensch stirbt

Am Donnerstag hatten Ärzte gesagt, Arafat liege in einem tiefen Koma und werde nur noch von Maschinen am Leben erhalten. Eine offizielle Bestätigung für einen sogenannten Hirntod Arafats gab es nicht.

„Er ist klinisch tot“

Der israelische Justizminister Josef Lapid erklärte, Arafat sei hirntot und werde nur von Maschinen am Leben erhalten. „Ich weiß nicht mehr als das, was die ganze Welt weiß. Es ist jetzt klar, daß er hirntot ist, klinisch tot, sie (die Ärzte) halten ihn künstlich am Leben. Sie müssen entscheiden, wann sie damit aufhören.“ Lapid war der erste ranghohe Vertreter der israelischen Regierung, der sich derart explizit zu Arafats Zustand äußerte.

Der französische Präsident Jacques Chirac eilte vor seiner Reise nach Brüssel zum EU-Gipfel an Arafats Krankenbett. Der amerikanische Präsident George W. Bush sagte, als er auf den möglichen Tod Arafats angesprochen wurde: „Gott sei seiner Seele gnädig.“ Zugleich kündigte er an, er werde die Bemühungen um „einen freien Palästinenserstaat“ fortsetzen, der „mit Israel im Frieden“ lebe.

Qurei scheint Arafats Rolle zu übernehmen

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Qurei wird am Samstag zu einem Treffen mit den Chefs seiner Sicherheitskräfte im Gaza-Streifen fahren. Ziel ist nach palästinensischen Angaben, Konflikte innerhalb der Polizeitruppen beizulegen und sie auf die amtierende Palästinenserführung zu verpflichten.

Bisher sind die Sicherheitskräfte Palästinenserpräsident Jassir Arafat direkt unterstellt, dessen Tod ein Machtvakuum hinterlassen würde. Die führende Politiker der Palästinenser beraten seit Tagen über die neue Verteilung der Macht. Die Kontrolle über die Sicherheitskräfte gilt als zentrale Frage.

Neue Unruhe im Nahen Osten befürchtet

Israel befürchtet im Fall von Arafats Tod Ausschreitungen in den palästinensischen Gebieten. Insbesondere im Gazastreifen wurden bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Palästinensergruppen erwartet.Die amtierende Palästinenserführung beschloß einen Krisenplan gegen Gewalt, Israel versetzte die Truppen im Gazastreifen und im Westjordanland in Alarmbereitschaft.

Arafat war in der vergangenen Woche zusammengebrochen und am Freitag zur Untersuchung und Behandlung nach Frankreich geflogen worden. Ein Zwischenbefund ergab Veränderungen im Blutbild und Störungen im Verdauungssystem. In ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht schlossen die Pariser Ärzte dagegen eine zunächst ebenfalls für möglich gehaltene Leukämie aus.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, dpa, Reuters, AP
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