19.01.2004 · Der Druck aus Washington und die Kritik der Koalitionspartner zeigen offenbar Wirkung: Israels Premier Scharon soll sich bereit erklärt haben, den Verlauf des Grenzzauns zu korrigieren.
Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon hat einem Zeitungsbericht zufolge eingeräumt, daß die Sperranlage im Westjordanland den Palästinensern besonders schadet. Es könne nötig sein, daß über einen anderen Verlauf der Anlage nachgedacht werden müsse, zitierte die Tageszeitung „Haaretz“ den Premier am Montag aus einer Beratung.
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt seien „gut und schlecht“, erklärte Scharon danach am Sonntag seinen Ministern. Die Sperranlage verhindere Terroranschläge, sei aber „nicht erfolgreich mit Blick auf den Schaden, den sie im Alltag der Palästinenser anrichtet“.
Dschihad-Anführer in Nablus festgenommen
Das Kabinett hatte am Sonntag über einen möglichen neuen Verlauf der Sperranlage gesprochen, um sich auf ein Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vorzubereiten. Justizexperten hatten ihrer Regierung erklärt, der bisher geplante Verlauf sei schwer zu verteidigen. Palästinensisches Land werde enteignet, Dörfer würden umschlossen und Bauern von ihren Feldern abgeschnitten. Zur Beratung stand eine von Justizminister Josef Lapid vorgelegte Alternativroute, die weniger tief im Westjordanland verläuft und zudem 200 Kilometer kürzer ist. Israel will vor dem internationalen Gericht aber auf ein Recht zum Selbstschutz pochen.
Israelische Soldaten haben derweil in Nablus im Westjordanland einen Anführer der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad festgenommen. Ahmed Bseisi werde beschuldigt, Urhebers eines Anschlags auf eine Gaststätte in Netanja zu sein, bei dem es 30 Verletzte gegeben hatte, berichtete der israelische Rundfunk am Montag. Zudem habe er zwei Frauen zu Attentaten geschickt, die allerdings vereitelt worden seien.