Der israelische Ministerpräsident Scharon hat neben dem Abzug aus dem Gaza-Streifen zunächst keine weiteren Pläne für den Friedensprozeß. In einem Gespräch mit der Zeitung "Yediot Ahronot" sagte er: "Der Abzug befreit Israel von dem Druck, andere Pläne aufzunehmen, die für Israel gefährlich wären."
Er habe mit Präsident Bush vereinbart, daß Israel keinem Druck ausgesetzt werde, neben dem internationalen Friedensplan ein anderes diplomatisches Vorhaben anzugehen. In bezug auf die internationale "Roadmap" werde es aber wohl keine weiteren Fortschritte geben. Es werde "lange Zeit nichts mehr passieren, denn ich sehe nicht, daß die Palästinenser ihren Teil am Friedensplan erfüllen", sagte Scharon.
Washington zuvorgekommen
Scharon gab zu, daß er die Aufgabe aller Siedlungen im Westjordanland für "gefährlich" erachtet. Dies habe der frühere Oppositionsführer Mitzna von ihm verlangt. Darum habe er eine Koalition mit der Arbeiterpartei vor gut einem Jahr abgelehnt. Scharon gab an, mit seinem Abzugsplan habe er dem Wunsch Washingtons zuvorkommen wollen, mit Syrien Friedensverhandlungen zu beginnen. Er habe seinen Plan für den Gaza-Streifen amerikanischen Regierungsvertretern erstmals im November 2003 in Rom vorgestellt, als diese ihm den Vorschlag machten, mit Syrien zu reden, heißt es in dem Interview.
"Ich war aber nur bereit, mit den Syrern zu verhandeln, wenn sie vollständig ihre Rolle im Terrorismus aufgeben würden. Laßt uns mit einem Thema zuerst fertig werden: der palästinensischen Frage. Wir können den Israelis heute nicht noch ein zweites Problem vorlegen", resümierte Scharon sein damaliges Gespräch mit den Amerikanern. An seiner Haltung habe sich bis heute nichts geändert. Syrien müsse erst die Hauptquartiere und Trainingslager der Terroristen in Damaskus schließen, sagte Scharon.
Nicht Teil der „Roadmap“
Der palästinensische Kabinettsminister Erekat sagte über die Äußerungen Scharons, sie bestätigten die Sorge, sein Abzugsplan solle die Kontrolle über weite Teile des Westjordanlands zementieren. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union, die den Palästinensern versichert hätten, daß Scharons Gaza-Initiative Teil der "Roadmap" sei, müßten nun einsehen, "daß ihre guten Absichten die eine und die Scharons eine andere Sache sind".
Bei einem Schußwechsel in Nablus im Westjordanland wurden am Mittwoch nach israelischen Angaben fünf Terroristen erschossen. Bei dem anhaltenden Gefecht sei später auch ein elf Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen, hieß es. In Dschenin tötete die israelische Grenzpolizei vier gesuchte Fatah-Attentäter, verlautete im israelischen Rundfunk weiter.
