12.06.2007 · Der Machtkampf zwischen Hamas und Fatah ist eskaliert. Bei Gefechten wurden mindestens 22 Menschen getötet. Präsident Abbas forderte eine sofortige Waffenruhe. Unterdessen setzten die Minister der Fatah ihre Regierungsbeteiligung vorübergehend aus.
Die Hamas hat am Dienstag ihre Angriffe auf die Fatah verstärkt und will offenbar im Gazastreifen im Kampf die Macht übernehmen. Hamas-Kämpfer eroberten das Hauptquartier der Sicherheitskräfte, die der Fatah
von Abbas nahe stehen, mehrere Polizeistationen in Gaza-Stadt, in Khan Junis und in Rafah sowie drei Krankenhäuser, die unter der Kontrolle der Fatah gestanden hatten. Bei Granatangriffen wurde der Amtssitz von Präsident Abbas in Gaza-Stadt beschädigt. Das Wohnhaus von Hamas-Ministerpräsident Hanija wurde ein weiteres Mal angegriffen und die Wohnung des ehemaligen Planungsministers Schaath von der Fatah geplündert.
Angesichts der ausufernden Gewalt beenden die Minister der Fatah bis auf weiteres ihre Beteiligung an der palästinensischen Regierungskoalition, wie das Zentralkomitee der Organisation am Dienstag mitteilte. Die Minister legen ihre Arbeit demnach nieder, bis die Kämpfe mit der Hamas beendet sind.
Bei den Kämpfen in den Palästinensergebieten kamen innerhalb von 24 Stunden mindestens 22 Menschen um. Vieles deute darauf hin, dass die Hamas-Führung „einen Coup gegen die Präsidentschaft“ plane und entschlossen sei, gewaltsam die Herrschaft über den Gazastreifen zu übernehmen, teilte das Büro von Präsident Abbas mit.
Gesundheitsversorgung „ernsthaft gefährdet“
Am Dienstagnachmittag brachte die Hamas die Stadt Khan Junis im Süden des Gazastreifens unter ihre Kontrolle. Mehr als 90 Mitglieder der Garde von Präsident Abbas und der von der Fatah kontrollierten Polizei hätten sich ergeben, hieß es bei der Polizei. Bewaffnete Männer töteten das Hamas-Mitglied Omar Rantisi, einen Neffen des ehemaligen Hamas-Führers. Bei heftigen Kämpfen gab es zahlreiche Verletzte.
Hamas-Kämpfer brachten nach Angaben eines Fernsehsenders zudem zwei palästinensische Fernsehtechniker in ein Gebäude, das sie anschließend sprengten. Ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuzes sagte, am Montag seien vier Patienten im Krankenhaus von Beit Hanun getötet und weitere sieben verletzt worden. Die Gesundheitsversorgung sei durch die anhaltenden Kämpfe „ernsthaft gefährdet“. Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge UNWRA schloss nach eigenen Angaben fünf Verteilstellen für Nahrungsmittel sowie sieben von insgesamt 18 Kliniken wegen der Kämpfe; 80 Prozent der Palästinenser im Gazastreifen sind auf Hilfe angewiesen.
Abbas ruft zur Waffenruhe auf
Der ägyptische Vermittler Hammad warnte davor, die Autonomiebehörde zu zerstören. Präsident Abbas rief am Dienstag dazu auf, die Waffen ruhen zu lassen. Bisher hat es seit Bildung der Koalition aus Hamas und Fatah im März bald zehn vergebliche Versuche gegeben, eine Waffenruhe zu schließen. Die Fatah drohte am Dienstag damit, das Regierungsbündnis zu verlassen.
In der Fatah gibt es Stimmen, die eine einseitige Waffenruhe befürworten und damit die Niederlage zugeben. Fatah-Sprecher Abdel Rahman warf einer „niederträchtigen Gruppe in der Hamas-Führung“ vor, die Kämpfe begonnen zu haben. Er meinte damit Kritiker der Koalition im militärischen Arm der Hamas und Politiker wie den früheren Außenminister Zahar.
Die EU hat unterdessen am Dienstag vor einem Bürgerkrieg in den Palästinensergebieten gewarnt. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner drückte nach einem Gespräch mit dem palästinensischen Informationsminister Mustafa al-Barghuthi ihre extreme Besorgnis über die Eskalation der Gewalt zwischen Anhängern der Hamas
und der Fatah aus.
Hamas vs.Fatah
Peter Keul (hildennet)
- 12.06.2007, 18:05 Uhr
Man schaemt sich Europaer zu sein
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
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Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 12.06.2007, 19:44 Uhr
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- 13.06.2007, 00:46 Uhr