16.11.2006 · Die israelische Armee hat bei militanten Palästinensern einen neuen Typ Sprengstoffgürtel gefunden. Die Bombe werde aus Flüssigsprengstoff gefertigt, so eine Armeesprecherin, und sei mit Metalldetektoren schwer zu entdecken.
Von Jörg Bremer, JerusalemDie israelische Armee hat bei militanten Palästinensern einen neuen Typ Sprengstoffgürtel gefunden. Die am Körper zu tragende Bombe sei aus Flüssigsprengstoff gefertigt und werde ohne Metallsplitter gebaut, sagte eine Armeesprecherin am Donnerstag. Deswegen werde sie mit Metalldetektoren nicht entdeckt. Die Gürtel seien von den „Volkswiderstandskomitees“ im Gazastreifen gebaut und in das Westjordanland gebracht worden.
Der israelische Ministerpräsident Olmert hat unterdessen bekräftigt, er lehne eine umfangreichere Militäroperation im Gazastreifen derzeit ab. Nach seiner Rückkehr aus Amerika sagte er am Donnerstag in Jerusalem, er sei für die Fortsetzung der „gezielten Aktionen“.
Offiziere und nationalistische Politiker hatten zu einer großangelegten Operation geraten, nachdem am Mittwoch zwei Kassem-Raketen in Sderot und Aschkelon eingeschlagen waren. Dabei waren eine Person getötet und zwei schwer verletzt worden. Auch am Donnerstag schlugen wieder drei Raketen ein. Schulen blieben geschlossen.
„Kein Dialog und keine Verhandlungen“
Unterdessen sagte ein Sprecher der regierenden islamistischen Hamas in Gaza, derzeit gebe es keine Gespräche über eine Freilassung des von Palästinensern entführten israelischen Soldaten Schalit. Die Verhandlungen unter ägyptischer Vermittlung seien vor zwei Wochen abgebrochen worden.
Israel habe die letzten Vorschläge zur Freilassung palästinensischer Gefangener nicht angenommen: „Es gibt keinen Dialog und keine Verhandlungen“, sagte der Hamas-Sprecher. Im Austausch für den Wehrpflichtigen fordern die Palästinenser die Freilassung von etwa 400 weiblichen und jugendlichen Gefangenen sowie von 1000 männlichen Häftlingen, die zum Teil zu langen Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Schalit war am 25. Juni verschleppt worden.
„Gewalt aber zieht Gewalt nach sich“
Der Vater Schalits rief zum Gewaltverzicht auf: „Natürlich identifiziere ich mich mit den Einwohnern von Sderot. Gewalt aber zieht Gewalt nach sich und Haß Haß.“ Vor einem Besuch bei palästinensischen Verwundeten von Beit Hanoun, die in israelischen Kliniken behandelt werden, sagte Schalit, er wolle den verletzten Palästinensern aus dem Gazastreifen sein Mitgefühl aussprechen und baldige und völlige Genesung wünschen. 19 Palästinenser waren bei einem irrtümlichen Beschuß der israelischen Artillerie auf Beit Hanoun umgekommen.
In Nablus erschossen israelische Soldaten bei einer Razzia in einem Flüchtlingslager einen nach Angaben seiner Familie unbewaffneten Palästinenser. Familienmitglieder berichteten, der 25 Jahre alte Mann habe von der Veranda seines Hauses in Al-Ein bei Nablus der Militäroperation zugesehen, als er von zwei Kugeln tödlich getroffen wurde.
Die israelischen Streitkräfte gaben an, der Mann sei bewaffnet gewesen. Ein israelisches Kampfflugzeug feuerte am späten Mittwoch abend eine Rakete auf ein Haus eines militanten Palästinensers im Gazastreifen. Nach israelischen Militärangaben traf die Rakete ein Gebäude am Rande von Gaza, in dem Waffen versteckt gewesen seien.
Friedensplan Zapateros
Spanien will zusammen mit Frankreich und Italien eine neue Nahost-Friedensinitiative starten. Diesen Vorschlag machte der spanische Ministerpräsident Zapatero dem französischen Staatspräsidenten Chirac am Donnerstag bei einem Treffen in Girona in Katalonien.
Chirac signalisierte Unterstützung für den Vorstoß. Die Haltung der drei Länder im Nahost-Konflikt sei ähnlich, sagte Zapatero. Nun solle der italienische Ministerpräsident Prodi für die Initiative gewonnen werden. Details wurden zunächst nicht bekannt.
Jörg Bremer Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.
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