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Naher Osten Israel will „die Spielregeln verändern“

05.07.2006 ·  Die Gewaltspirale im Nahen Osten dreht sich immer schneller: Einen palästinensischen Raketenangriff auf die Küstenstadt Aschkelon beantwortet Israel mit der Ausweitung seiner Offensiven im Gazastreifen und im Westjordanland.

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Nach dem Einschlag einer palästinensischen Kassem-Rakete in der Küstenstadt Aschkelon hat das israelische Sicherheitskabinett am Mittwoch beschlossen, die Militäroffensive zu verschärfen. Auch angesichts der Entführung eines israelischen Soldaten sehe Israel sich gezwungen, „die Spielregeln zu verändern“, hieß es in einer Mitteilung von Ministerpräsident Ehud Olmert.

Medien berichteten, der engste Ministerkreis habe eine „lang andauernde, in Stufen verlaufende Militäroperation“ im Gazastreifen und im Westjordanland gebilligt. Dabei sei auch über eine Ausweitung der Pufferzone im nördlichen Gazastreifen beraten worden. Zudem seien neue Einsätze gegen die radikal-islamische Hamas und gegen militante Palästinenser beschlossen worden, die Raketen auf israelische Ortschaften schießen. Verteidigungsminister Amir Perez ordnete laut israelischem Rundfunk an, das Tempo und das Ausmaß von Einsätzen der Armee zu steigern.

Bei dem Angriff auf Aschkelon am Dienstag abend hatten militante Palästinenser erstmals das Zentrum der Stadt beschossen und eine Schule getroffen. Menschen sollen dabei aber nicht verletzt worden sein. Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sprach von einer „schlimmen Eskalation“. Zu der Tat bekannte sich der militärische Hamas-Arm Issedin al Kassem.

Rakete auf das Innenministerium

Das israelische Militär versuchte Mittwoch morgen vergeblich, weitere führende Hamas-Politiker festzunehmen. Augenzeugen berichteten, daß Soldaten das Haus des Parlamentspräsidenten Asis Dweik in Ramallah stürmten. Auch Häuser mehrerer anderer Abgeordneter der regierenden radikal-islamischen Hamas wurden durchsucht. Die Parlamentarier seien aber in keinem Fall zu Hause gewesen. Israel hatte bereits 26 Hamas-Abgeordnete und acht Minister verhaftet.

In der Nacht hatte Israel seine Angriffe auf den Gazastreifen fortgesetzt. Eine Drohne feuerte eine Rakete auf das palästinensische Innenministerium in Gaza ab. Aus benachbarten Gebäuden seien fünf Zivilisten in Krankenhäuser gebracht worden, hieß es. Auch eine von der radikal-islamischen Regierungspartei Hamas betriebene Grundschule sei getroffen worden.

Zeitung: Geisel wird in Bunker gefangengehalten

Ausgelöst wurde die jüngste Eskalation der Gewalt durch die Entführung des 19 Jahre alten israelischen Soldaten Gilad Shalit durch palästinensische Extremisten. Laut einem Zeitungsbericht halten die Entführer ihre Geisel in einem unterirdischen Bunker im Gazastreifen gefangen. Mit dem Rekruten hielten sich sieben Entführer versteckt, berichtete die israelische Tageszeitung „Yedioth Ahronoth“ am Mittwoch unter Berufung auf arabische Vermittler.

Israel hatte die Palästinenser gewarnt, daß der „Himmel auf sie herabfallen“ werde, sollten die Entführer ihren Opfer etwas antun. Zu den drei Gruppen, die den Israeli verschleppt haben, gehört auch der bewaffnete Arm der regierenden Hamas.

Kurz nach Ablauf eines Ultimatums hatten die Geiselnehmer am Dienstag erklärt, aus religiösen Gründen keine Gefangenen zu töten. Die Extremisten fordern von Israel die Freilassung von tausend palästinensischen Gefangenen, was Israel vehement ablehnt.

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