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Naher Osten Israel setzt Angriffe fort - Racheschwüre der Hamas

25.08.2003 ·  Ohne weitere Operationen der palästinensischen Polizei gegen die Islamisten abzuwarten, hat die israelische Armee ihre eigenen Einsätze gegen die Extremisten fortgesetzt.

Von Jörg Bremer, Jerusalem
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Ohne weitere Operationen der palästinensischen Polizei gegen die Islamisten abzuwarten, hat die israelische Armee ihre eigenen Einsätze gegen die Extremisten fortgesetzt.

Am späten Sonntag abend feuerten Kampfhubschrauber Raketen auf einige Personen am Strand ab, so auch auf den Hamas-Raketenbauer Schitawi. Sie töteten mit ihm nach israelischen Angaben drei weitere Hamas-Aktivisten. 14 weitere Personen seien verletzt worden. Auch dafür werde Israel einen blutigen Preis zahlen, kündigte daraufhin der Hamas-Gründer Scheich Yassin an. Hamas-Sprecher Rantisi sagte, solange Israel das Westjordanland und den Gaza-Streifen besetzt halte, gebe es nur geringe Aussichten, eine Waffenruhe herbeizuführen.

Arafat benennt Sicherheitsberater

Unterdessen setzte der palästinensische Präsident Arafat seinen früheren Sicherheitschef im Westjordanland, Radschoub, als Sicherheitsberater ein. Er soll den "Nationalen Sicherheitsrat", der von Arafat geschaffen wurde,lenken und das gesamte Sicherheitssystem reformieren. Im israelischen Radio hieß es, diese Berufung sei wie die Bemühungen um einen neuen Innenminister gegen Premier Abbas und Sicherheitschef Dahlan gerichtet.

Am vergangenen Samstag hatte Arafat vergeblich versucht, die Berufung eines neuen Innenministers durchzusetzen.Das Büro von Dahlan erinnert aber daran, daß Radschoub vor Monaten von Arafat im Streit seines Postens enthoben worden sei. Anfang des Jahres habe ihn Abbas für seine Regierung gewinnen wollen; Radschoub habe nur mit Hinweis auf seine Krebserkrankung abgesagt. Jetzt sei Radschoub gesund; Dahlan sehe einer guten Kooperation "mit dem früheren Kollegen" entgegen.

Dahlans Sprecher wies weiter darauf hin, daß die palästinensische Polizei ihre Arbeit tue und nach ihren Plänen gegen Dschihad und Hamas vorgehe. "Aber wir sind wie die Feuerwehr und müssen immer wieder die von Israel gelegten Feuer löschen." Für israelische Begriffe könne die palästinensische Polizei wohl nie genug leisten, zumal es der israelischen Armee in den drei Jahren der jüngsten Intifada nicht gelungen sei, den Extremismus erfolgreich zu bekämpfen.

Siedler im Westjordanland aktiv

Derweil nutzen die Siedler die Konzentration der Armee auf die Hamas aus, um neue Außenposten im Westjordanland zu gründen. Dagegen schritt bei Hebron am Morgen die Armee ein. Sie evakuierte einen Siedlungskern zwischen Hebron und Kirjat Arba und nahm fünf Personen fest, weil sie den Platz nicht räumen wollten.

Im Juni hatte der Verteidigungsminister fünf solcher Posten zur Räumung durch die Armee freigegeben. "Das sollte innerhalb von Tagen geschehen, aber es geschah nichts", hieß es im Radio. Darauf angesprochen meinte ein Offizier im Rundfunk, die Armee sei dafür "schlecht ausgerüstet". Tatsächlich sind die Siedler zwar bewaffnet, aber sie stellen eine weitaus geringere Gefahr für das Leben der Soldaten dar als Hamas und Dschihad.

Hamas kündigt Vergeltung an

Hamas-Sprecher Hanija kündigte an, die jüngsten Tötungen zu rächen. „Wenn die Israelis glaubten, Attentate würden unsere Entschlossenheit zu weiterem Widerstand zerstören, haben sie sich geirrt." Man werde weitermachen, "egal, wie hoch die Opfer sind". Auch der militärische Flügel der Hamas, Issedin Al Kassam, kündigte Rache an. Am Montag nachmittag berichtete der Rundfunk von konkreten Terrordrohungen mit Attentätern aus Nablus.

Während noch am Sonntag morgen von einer Frist für die Autonomiebehörde die Rede war, hatte ein Sicherheitstreffen der israelischen Führung die Fortsetzung der Militäraktionen gegen die Hamas beschlossen. Generalstabschef Yaalon meinte: „Jedes Mitglied der Hamas ist ein potentielles Ziel für eine Liquidierung." Wenn bis zum Tagesende die palästinensische Autonomiebehörde nicht gegen sie vorgehe, "werden wir das tun". Mit diesen Tötungen beantwortet Israel den jüngsten Selbstmordanschlag, durch den seit vergangenem Dienstag 21 Personen ums Leben gekommen waren.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2003, Nr. 197 / Seite 1
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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

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