27.12.2006 · Nach dem palästinensischen Raketenangriff auf die südisraelische Stadt Sderot gibt Ministerpräsident Olmert die Politik der weitgehenden Zurückhaltung auf. Die Armee soll wieder „lokal gegen Zellen“ von Angreifern vorgehen.
Nach dem jüngsten palästinensischen Raketenangriff auf die südisraelische Stadt Sderot mit zwei verletzten Jugendlichen will Israel seine Militärschläge gegen militante Palästinenser wieder aufnehmen. Das teilte die Regierung am Mittwoch nach einer Dringlichkeitssitzung von Ministerpräsident Ehud Olmert und der Militärführung mit. Die Armee habe Anweisungen erhalten, um „lokal gegen Zellen“ von Angreifern vorzugehen. Zugleich wolle Israel die Waffenruhe einhalten und mit der Autonomiebehörde zusammenarbeiten.
Bislang hatte Israel von einer militärischen Reaktion auf die mehr als 60 Raketenangriffe seit Beginn der Waffenruhe Ende November weitgehend abgesehen, war jedoch weiter gegen Extremisten im Westjordanland vorgegangen, wobei 15 Palästinenser getötet wurden. Doch als am Dienstag abend beim Einschlag einer palästinensischen Rakete in Sderot zwei 14 Jahre alte Jugendliche schwer verletzt wurden, geriet Olmert unter starken Druck, die Politik der Zurückhaltung aufzugeben.
Hamas warnt
Verteidigungsminister Amir Perez, der selbst in Sderot wohnt, sagte am Mittwoch, die Zurückhaltung werde als eine Schwäche Israels gedeutet und ermuntere militante Palästinenser dazu, weitere Raketen abzufeuern. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ephraim Sneh sagte im Rundfunk, es habe eine fast vollständige Zurückhaltung Israels gegeben. „Wir haben diese Politik nun geändert.“
Laut Berichten des Rundfunks will Israel nun auch eine Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen um eine Woche verschieben. Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatten bei ihrem überraschenden Treffen am Samstag abend unter anderem vereinbart, daß Israel mehr als zwei Dutzend von mehreren hundert Straßensperren im Westjordanland aufheben werde.
Die regierende Hamas-Bewegung warnte vor den Folgen der Entscheidung Israels. Die Waffenruhe könnte enden, wenn Israel seine „Politik der Mordanschläge“ wieder aufnehme. „Wir glauben, daß diese Vereinbarung noch am Leben ist und beide Seiten sie respektieren sollten“, sagte ein Sprecher der Hamas im Gazastreifen.
„Jeder Angriff wird scharf beantwortet“
Ali Abu Abdullah, ein Sprecher der militanten Organisation Islamischer Dschihad, sagte dem Internetdienst Ynet: „Olmerts Drohungen werden uns nicht davon abhalten, den Weg des Widerstands weiterzugehen und Raketen abzuschießen. Jeder Angriff auf unsere Führer oder Führer des Widerstands werden scharf beantwortet.“ Die Al-Aqsa-Brigaden, die zu Abbas' Fatah-Organisation gehören, erklärten: „Es wird keine Waffenruhe mit dem israelischen Feind auf Kosten des Blutes unseres Volkes geben.“
Bei der Explosion einer palästinensischen Rakete, die auf die südisraelische Stadt Sderot abgefeuert wurde, waren am Dienstag erstmals seit Beginn der Waffenruhe zwei Israelis verletzt worden. Die palästinensische Extremistengruppe Islamischer Dschihad hatte sich zu dem Angriff bekannt. Es habe sich um Vergeltung für das Vorgehen Israels gegen die Gruppe im besetzten Westjordanland gehandelt, sagte ein Sprecher.
Damit wurden seit der Vereinbarung am 26. November mehr als 60 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert. Viele von ihnen landeten allerdings auf unbewohntem Gebiet. Auch am Mittwoch feuerten militante Palästinenser nach Militärangaben ein weiteres Geschoß ab. Es ging auf einem freien Feld in der Nähe von Sderot nieder, wie der israelische Rundfunk berichtete.