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Naher Osten Israel: Keine Vereinbarungen mehr mit Islamisten

25.08.2003 ·  Während sich die palästinensische Regierung um neue Waffenruhe bemüht, schlug in Israel eine weitere Rakete ein. Am Sonntagabend tötete die israelische Armee vier Hamas-Mitglieder.

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Bei einem Angriff israelischer Kampfhubschrauber in Gaza sind am Sonntagabend vier Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Hamas ums Leben gekommen. Israelische Armeehubschrauber hatten ein Auto beschossen, die vier Insassen wurden getötet. Mindestens vier Passanten wurden verletzt, darunter auch Kinder. Ein Kind wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein örtliches Krankenhaus gebracht.

Aus israelischen Militärkreisen verlautete, der Angriff habe vor allem Ahmed Aischtawi gegolten, der eine Reihe von Angriffen auf Israelis im Gazastreifen und Westjordanland geplant und ausgeführt haben soll. Ein Hamas-Sprecher sagte, Aischtawi sei Führer einer Einheit gewesen, deren Spezialgebiet der Bau von Raketen sei. Am Sonntag war eine vom Gazastreifen aus abgefeuerte Rakete sieben Kilometer weit von der israelischen Stadt Aschkelon entfernt eingeschlagen. Noch nie zuvor war eine selbst gebastelte palästinensische Rakete soweit geflogen.

Jaalon: Werden weiter gegen Hamas vorgehen

Das israelische Militär bestätigte am späten Sonntagabend den Angriff. Die Palästinenser, die von dem Armeehubschrauber verfolgt wurden, hatten zuvor die jüdische Siedlung Netzarim beschossen. Etwa zehn Minuten nach diesem Beschuß seien die israelischen Helikopter aufgetaucht, berichteten Augenzeugen.

Der israelische Heereschef, Generalleutnant Mosche Jaalon, hatte weitere Tötungsaktionen gegen die Hamas angekündigt. „Jedes Mitglied der Hamas ist ein potentielles Ziel der Liquidierung“, sagte er. „Wenn bis zum Ende des Tages die palästinensische Autonomiebehörde nicht gegen sie vorgeht, werden wir das tun.“

Waffenstillstand kommt nicht voran

Die palästinensische Regierung hatte sich am Wochenende vergeblich um einen neuen Waffenstillstand bemüht. Während die Islamisten inoffiziell zu neuen Verhandlungen bereit waren, bekundeten Hamas und Dschihad offiziell und in einem Flugblatt das Gegenteil. Auch Israel beteuerte, es könne keine neue Waffenruhe mit den Islamisten als Partner geben. Gleichwohl will Israel aber offenbar der palästinensischen Autonomieregierung noch etwas Zeit geben. Die Armee hielt sich am Wochenende zurück.

Nach einem Selbstmordanschlag in Jerusalem, bei dem seit Dienstag 21 Menschen ums Leben kamen, und der Tötung eines Hamas-Sprechers in Gaza am Donnerstag steht die Autonomieführung zwischen Israel und den Extremisten im eigenen Lager. Der palästinensische "Außenminister" Schaath schlug eine Vereinbarung über eine Waffenruhe zwischen Autonomieregierung, den extremistischen Gruppen und Israel vor. Dies "ist nicht ernst zu nehmen", sagte dazu der israelische Regierungssprecher Pazner. Erst nach der Entmachtung dieser Gruppen könne der Prozeß fortgesetzt werden.

Palästinenser gehen gegen Militante vor

Einheiten unter dem Befehl des palästinensischen Sicherheitschefs Dahlan gingen in Gaza erstmals seit Monaten gegen Waffenschmuggler vor. Am Sonntag öffnete seine Polizei im Süden des Gaza-Streifens einen weiteren Schmuggeltunnel nach Ägypten. Überdies schickte er seine Kräfte aus, um den Abschuß von Kassem-Raketen auf israelische Gebiete zu verhindern. Israel öffnete im Gegenzug einige erst am Freitag geschlossene Wege im Gaza-Streifen.

Gleichwohl schlug auch am Sonntag wieder eine Rakete in Israel ein. Sie erreichte den Süden von Aschkelon, ohne Schaden anzurichten. In Bethlehem warnte ein Vertreter der palästinensischen Sicherheitsbehörden die Anführer radikaler Gruppen vor weiteren Anschlägen auf Israelis. "Wir werden keine Angriffe auf Israel von unserem Territorium aus dulden", sagte Oberst Madschdi el Attari nach einem Treffen mit Vertretern von Hamas, Islamischem Dschihad, den El-Aksa-Brigaden und der Volksfront zur Befreiung Palästinas.

„Keine Möglichkeit für Gespräche“

Hamas-Führer Rantisi aber sagte am Sonntag, nach der Tötung von Ismael Abu Schanab durch Israel gebe es derzeit "keine Möglichkeit für Gespräche". Am Samstag hatte Minister Schaath eine Waffenruhe zwischen Israel und der Autonomiebehörde "mit all ihren Organisationen" vorgeschlagen. Als Vorbedingung nannte er den Rückzug Israels aus besetzten Städten, die formelle Anerkennung der Palästinenserregierung sowie ein Ende der "gezielten Tötungen" von Palästinenserführern.

Quelle: dpa/ jöb., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.08.2003, Nr. 196 / Seite 1
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