15.10.2006 · Die deutsche Marine hat das Kommando über den internationalen Flottenverband vor der libanesischen Küste übernommen. Die Kriegsschiffe sollen Waffenschmuggel an die schiitische Hizbullah-Miliz unterbinden, notfalls mit Waffengewalt.
Wachwechsel auf See: Die Führung der maritimen Task Force vor dem Libanon im Rahmen der UN-Mission Unifil hat am Sonntag der deutsche Admiral Andreas Krause übernommen. Die Zeremonie vor Beirut fand auf dem italienischen Flugzeugträger „Giuseppe Garibaldi“ statt, von dem aus bislang eine interimistische Marinegruppe geführt wurde.
Sie hatte die Aufgabe wahrgenommen, das Seegebiet vor dem Libanon zu überwachen und möglichen Waffenschmuggel zu unterbinden. Israel hatte das zur Voraussetzung gemacht, seine Seeblockade aufzuheben, die es während des Krieges im Nachbarland im Sommer gebildet hatte. Der Kommandeur von Unifil, der französische General Alain Pellegrini, dankte Italien dafür, daß es kurzfristig eingesprungen war. Deutschland wäre das wegen des notwendigen parlamentarischen Verfahrens, aber auch wegen der zweiwöchigen Anmarschzeit unmöglich gewesen.
„Robust, aber nicht offensiv“
Neben zwei Fregatten, vier Schnellbooten und zwei Versorgungsschiffen der Deutschen Marine werden voraussichtlich auch dänische, norwegische und schwedische Marineeinheiten nun die maritime Unifil-Task-Force bilden. Ob noch weitere Länder, die ihre Beteiligungsbereitschaft angezeigt hatten, dazustoßen, ist einstweilen ungewiß. Dazu gehören etwa Griechenland, das Schiffe schon für die Interim-Task-Force bereitgestellt hatte, die Türkei, Bulgarien oder die Niederlande. Möglicherweise werden sie auch für Ablösungen gebraucht. Derzeit gehören nach Angaben eines Sprechers in Limassol, der zyprischen Basis der Gruppe, noch zwei dänische Schnellboote dem Verband an, vier norwegische Schnellboote sollen Ende dieser Woche hinzustoßen, außerdem eine schwedische Korvette.
Derzeit sind etwa tausend deutsche Marinesoldaten auf den acht Schiffen im Einsatz. Nach dem vom Bundestag am 20. September gebilligten Mandat kann die Bundeswehr bis zu 2400 Soldaten zur Absicherung der libanesischen Grenze vor Waffenschmuggel entsenden. Das als „robust, aber nicht offensiv“ bezeichnete Mandat gilt zunächst bis August 2007. Die Aufgaben der Bundeswehr sind die Führung der maritimen Operation, Aufklärung und Kontrolle der Seewege und die Umleitung von Schiffen im Verdachtsfall. Außerdem beteiligt sie sich am Lufttransport, humanitären Hilfeleistungen, technischer Ausrüstungs- und Ausbildungshilfe für libanesische Sicherheitskräfte und an militärischer Beratung des Libanon. Eingeplant sind: 1500 Soldaten der maritimen Task Force, zwei Fregatten mit Bordhubschraubern, ein Einsatzgruppenversorger und ein Tender sowie vier Schnellboote, 100 Soldaten für den Lufttransport, 400 Soldaten zur Führung der maritimen Task Force und 100 Soldaten für Beratung und Ausbildung der libanesischen Sicherheitskräfte. 300 Soldaten sind als Reserve vorgesehen.