04.10.2005 · Die Vereinigten Staaten haben eine ihrer größten Offensiven gegen mutmaßliche irakische Extremisten begonnen. Trotzdem will Al Qaida den Aufstand verstärken. Auf einer Internetseite rief sie die Gläubigen auf, „die Sklaven des Kreuzes zu töten“.
Die amerikanische Armee hat am Dienstag im Westirak nach eigenen Angaben ihre bislang größte Offensive gegen mutmaßliche Al-Qaida-Extremisten in diesem Jahr begonnen. Rund 2500 amerikanische Soldaten und einige irakische Streitkräfte konzentrierten sich in der Provinz Anbar auf die Gegend rund um die Städte Haditha, Haklanija und Berwana, teilte das Militär in Bagdad mit.
Auch an der Grenze zu Syrien dauern die Gefechte zwischen Amerikanern und Rebellen an. Al Qaida rief die überwiegend sunnitischen Aufständischen in dem Golfstaat zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan auf, ihren Kampf gegen die amerikanischen Truppen auszuweiten.
Bevölkerung zur Mithilfe aufgerufen
Haditha, Haklanija und Berwana liegen im Euphrat-Tal. Anwohner hatten dort wiederholt berichtet, Rebellen hätten in einzelnen Orten die Kontrolle übernommen, um islamisches Recht nach dem Vorbild der inzwischen gestürzten Taliban in Afghanistan einzuführen. Die Vereinigten Staaten vermuten zudem seit langem, daß zahlreiche aus Syrien kommende Extremisten Unterschlupf in dem Gebiet suchen.
Erst Anfang August hatten in derselben Gegend rund 1000 amerikanische Soldaten die Offensive „Sword“ gestartet, um Verdächtige aufzuspüren. „Jetzt sind Kampfflugzeuge und Hubschrauber über der Stadt“, berichtete ein Anwohner in Haditha. Eine Brücke zu Berwana sei ebenso zerbombt worden wie etliche Häuser, in denen Extremisten vermutet worden seien. Die Soldaten gingen von Haus zu Haus, um Verdächtige festzunehmen und riefen die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Über Opfer gab es zunächst keine Informationen.
„Sklaven des Kreuzes töten“
Bereits am Montag seien nahe der Stadt Haklanija drei amerikanische Soldaten bei Bombenanschlägen getötet worden, teilte das Militär mit. Ein weiterer Soldat sei nahe Karabila an der syrischen Grenze ums Leben gekommen, wo seit dem Wochenende rund 1000 Streitkräfte Amerikas gegen mutmaßliche Al-Qaida-Extremisten kämpfen. Damit dürfte die Zahl der toten Amerikaner in dem Golfstaat seit dem Einmarsch der Vereinigten Staaten im März 2003 auf mindestens 1936 gestiegen sein.
Trotz der Offensive will Al Qaida ihren Aufstand im Irak noch verstärken. Auf einer oft von der Extremistengruppe benutzten Internetseite hieß es am Dienstag, der Ramadan sei ein Monat des Heiligen Krieges. Die „Tore zum Himmel“ seien nun offen. „Wir rufen die Gläubigen auf, die Sklaven des Kreuzes zu töten, die unsere Moscheen und Häuser zerstörten, den Koran verbrannten und die Korruption im Land gesät haben.“
Anschlag in der „Grünen Zone“
Für die meisten sunnitischen Araber im Nahen Osten begann der Ramadan am Dienstag, für die Schiiten beginnt er am Mittwoch. In der Vergangenheit kam es in dem Fastenmonat wiederholt zu größeren Anschlägen. Muslime glauben daran, daß gute Taten während des Ramadans zehnfach belohnt werden.
Bei einem Selbstmordanschlag in Bagdad starben nach Polizeiangaben zwei irakische Soldaten und ein Zivilist. Sechs Sicherheitskräfte seien bei der Explosion einer Autobombe innerhalb der hochgesicherten, sogenannten „Grünen Zone“ der Hauptstadt zudem verletzt worden. Den Angaben nach sprengte der Täter sein Auto in die Luft, als es von Soldaten an einem Kontrollpunkt durchsucht wurde. In der Grünen Zone befinden sich unter anderem die britische und die amerikanische Botschaft.
Im Süden Bagdads lieferten sich Amerikaner und irakische Streitkräfte nach eigenen Angaben Gefechte mit etwa 40 Aufständischen. Mehr als drei Dutzend Rebellen seien getötet, verwundet oder festgenommen worden, hieß es.